Alexandra Wach

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Fabula

  • Niederlande 2025
  • R: Michiel ten Horn

Ein niederländischer Kleinkrimineller aus der Provinz Limburg scheint wie seine ganze Familie vom Pech verfolgt zu werden. Dennoch gibt er die Hoffnung nicht auf und lässt sich von seinem tollpatschigen Schwiegersohn in spe zu einem Drogendeal überreden. Als dabei Schüsse fallen und eine Geldtasche verschwindet, gerät er bei deren Suche in eine abgründige Odyssee und begegnet allerhand merkwürdigen Gestalten. Die schwarzhumorige Gangster-Groteske mit märchenhaftem Einschlag und überschäumender Fantasie entfaltet einen großen Aufwand, findet jedoch keine originelle Auflösung. Auch die Moral der exzentrischen Fabel bleibt eher schlicht und läuft darauf hinaus, das eigene Schicksal lieber selbst in die Hand zu nehmen.

Extrawurst

  • Deutschland 2026
  • R: Marcus H. Rosenmüller

Auf der Jahreshauptversammlung eines Tennisclubs brechen über der scheinbar banalen Frage, ob für ein muslimisches Mitglied ein eigener Grill angeschafft werden soll, unerwartete Gräben auf. Was als harmloser Schlagabtausch beginnt, droht in einen handgreiflichen Tumult abzugleiten, als immer mehr Ressentiments zur Sprache kommen, hinter denen Klischees, Rassismus, Ängste und Neid sichtbar werden. Eine amüsante, kammerspielartige Satire, die ihre Herkunft vom Boulevardtheater nicht kaschieren kann. Die glänzend besetzten Schauspieler laufen in der vergnüglich-nachdenklichen Satire über schrille Auswüchse der „Political Correctness“ zu Hochform auf.

No Hit Wonder

  • Deutschland 2025
  • R: Florian Dietrich

Ein Musiker, der nach einem einzigen großen Erfolg in die Niederungen der Unterhaltungsindustrie abstürzte, will sich das Leben nehmen, landet aber nur leicht verletzt in der geschlossenen Abteilung einer Psychiatrie. Eine wissenschaftliche Mitarbeiterin, die an einer Glücksstudie arbeitet, bringt ihn dazu, ihrer Chor-Gruppe für Depressive musikalische Nachhilfe zu geben. Das führt zu unerwartetem Erfolg. Eine überwiegend leichte Komödie mit schrägen Figuren, die auf eine Abrechnung mit Trash-Fernsehen, Sozialen Medien und einem maroden Gesundheitssystem hinausläuft. Auch wenn der überzeugend besetzte Film dramatisch-düstere Momente nicht scheut, tendiert er insgesamt zu sehr dazu, gute Laune verbreiten zu wollen.

Franz K.

  • Tschechien 2025
  • R: Agnieszka Holland

Eine filmische Biografie des tschechischen Schriftstellers Franz Kafka mit einem nicht-chronologischen, kaleidoskopartigen Zugang: Zentrale Aspekte aus seinem Leben wie das schwierige Verhältnis zum Vater, das eintönige Arbeitsleben, die gespaltene Aufnahme seiner literarischen Werke und seine gequälten Beziehungen zu Frauen werden aufgegriffen, wobei Kafkas Schwester Ottla und sein Freund Max Brod als Erzählerfiguren fungieren. Der experimentelle, durch die Jahrzehnte springende Zugriff erweist sich in manchen Sequenzen als effektvoll, in anderen aber auch als vordergründig und unsubtil. Zudem bewegt sich der Film fast ausschließlich auf bereits vielfach erforschtem Gelände.

Brennnesselbad

  • Deutschland 2022
  • R: Janina Lutter

Eine Jugendliche läuft vor quälenden Zwängen und Konflikten in der Schule und mit ihrer Mutter weg und macht sich von Frankfurt am Main zu Fuß auf den Weg zu ihrem Vater, der in Ostdeutschland in einem Wohnwagen lebt. Dabei wird sie mit kleineren und größeren Hindernissen konfrontiert, und auch der Vater empfängt sie keineswegs mit offenen Armen. Die behutsam inszenierte Reise zu sich selbst mäandert in dem Spielfilmdebüt bisweilen arg umher und ist auch sprachlich etwas unausgereift, berührt aber durch atmosphärische Übergänge.

Die Farben der Zeit

  • Frankreich 2025
  • R: Cédric Klapisch

Vier Mitglieder einer weit verzweigten Familie treffen im Haus einer Vorfahrerin aufeinander, das nach ihrem Tod 1944 seit rund 80 Jahren verschlossen ist. Darin entdecken die Erben Spuren eines abenteuerlichen Lebens, das ihre Ahnin im Paris der Belle Époque führte, und auf ihren Anschluss an die Kreise der impressionistischen Malerei und der frühen Fotografie. Das mit Humor unterfütterte, ausgezeichnet besetzte Drama verflicht beide Zeitebenen kunstvoll miteinander und reflektiert unterhaltsam über technologisch bedingte Umbrüche. Einige wenige schwächere Momente überwindet es durch den zärtlichen, optimistischen Blick auf die Figuren, deren verkrustete Haltungen durch die Konfrontation mit ihren Ahnen aufbrechen.

Kino, das sich mehr traut - Dominik Grafs Buch „Sein oder Spielen“

Mit aneckenden Krimis im deutschen Fernsehen und ambitionierten Kinomelodramen hat sich Dominik Graf von den 1980er-Jahren bis heute einen Namen gemacht. In seinem autobiographischen Buch „Sein oder Spielen. Über Filmschauspielerei“ analysiert er lustvoll die Arbeit mit Schauspieler:innen, seziert die Entwicklung des deutschen Kinos über die Jahrzehnte und fordert mehr Spielräume für Freiheiten.

Suche mit offenem Ausgang - Wim-Wenders-Ausstellung in Bonn

Zum 80. Geburtstag des deutschen Filmemachers Wim Wenders am 14. August 2025 widmet ihm die Bonner Bundeskunsthalle eine fulminante Ausstellung. Die vielen literarischen, malerischen und musikalischen Einflüsse auf sein Werk kommen an den zehn thematischen Stationen von „Engel“ bis „Japan“ ebenso zur Geltung wie tiefe Einblicke in Dreharbeiten und Filmausschnitte in einer eigens für die Ausstellung konzipierten überwältigenden Rauminstallation.

Sep Ruf - Architekt der Moderne

  • Deutschland 2024
  • R: Johann Betz

Der Münchner Architekt Sep Ruf (1908-1982) etablierte mit seinen „leicht wirkenden“ Bauwerken in der Nachkriegszeit einen lichten Stil, der nach dem NS-Bombast für ein weltoffenes, demokratisches Land Werbung machte. Die dokumentarische Hymne an den Baumeister zeigt viele seiner Werke und beschwört mit vielen Zeitzeugen und Anekdoten Rufs anti-autoritäre Haltung und seinen unabhängigen Geist. Kritische Töne oder eine fundierte architekturgeschichtliche Einordnung fehlen allerdings.

Transamazonia

  • Deutschland 2024
  • R: Pia Marais

Eine weiße Jugendliche, die als Mädchen einen Flugzeugabsturz im Amazonasbecken überlebte, soll Menschen heilen können. Das jedenfalls predigt ihr Vater, mit dem sie auf einer evangelikalen Missionsstation im Dschungel lebt. Doch allmählich zweifelt die Heranwachsende an den Worten ihres Vaters und schlägt sich zunehmend auf die Seite der Indigenen, die von Holzfällern massiv bedrängt werden. Auf meisterlich verwobenen Fährten erzählt der visuell und auditiv magische Film von postkolonialer Ausbeutung, religiöser Indoktrination und Vertreibung im Spiegel einer traumatischen Verlusterfahrung. Auch dank der herausragenden Hauptdarstellerin entwickelt sich ein subtil herausforderndes Psychodrama.

Islands

  • Deutschland 2024
  • R: Jan-Ole Gerster

Ein in die Jahre gekommener britischer Tennislehrer wird auf Fuerteventura in die Ehekrise eines Paares verstrickt, weil er seine erotische Neugier nicht zügeln kann. Als der Gatte nach einer durchzechten Nacht spurlos verschwindet, glaubt die Polizei an ein Verbrechen und verdächtigt den charmanten Sportlehrer und die Ehefrau. Der raffinierte Thriller legt viele Fährten und spielt mit Genreerwartungen, ohne sie zu erfüllen. Der vermeintliche Krimi entpuppt sich als psychologisch ausgefeiltes Charakterdrama, das mit überwältigenden Breitwandbildern und einer abgründigen Filmmusik von einem Ausbruch in die reale Welt erzählt.

Louise und die Schule der Freiheit

  • Frankreich 2024
  • R: Éric Besnard

Ende des 19. Jahrhundert will eine Pionierlehrerin in einem Dorf der Auvergne den Kindern Lesen und Schreiben beibringen. Doch das von ihr verkörperte Ideal des sozialen Aufstiegs durch Bildung kollidiert mit dem ländlichen Beharren auf Tradition und dem Weltbild der katholischen Kirche. Als dann auch noch ruchbar wird, dass sie als Pariser Kommunardin zehn Jahre im Gefängnis saß, gerät ihre Mission in Gefahr. Das beschwingte, glänzend gespielte Drama verbindet malerische Landschaften und feinfühlige Charakterzeichnungen zu einem sympathischen Plädoyer für Freiheit, Solidarität und Menschlichkeit. Der historische Realismus wird gekonnt mit Humor und unaufdringlichen Wohlfühlmomenten vermittelt.

Von Fotografie bis Feminismus - Die Susan-Sontag-Ausstellung in Bonn

Die 1933 in New York geborene Susan Sontag hat sich immer wieder mit der Bildkultur ihrer Zeit beschäftigt, wobei neben der Fotografie auch das Kino eine wichtige Rolle spielte. Eine Ausstellung in der Bundeskunsthalle in Bonn spürt unter dem Titel „Sehen und gesehen werden“ dem Verhältnis der fotogenen Denkerin und den Bildmedien gerade facettenreich nach.


Baby (2024)

  • Brasilien 2024
  • R: Marcelo Caetano

Ein junger Brasilianer wird aus dem Gefängnis entlassen und weiß nicht, wohin. Schließlich landet er in einem Pornokino, wo er einen Platz und Anschluss an einen älteren Dealer und Stricher findet. Der suggestive Film erzählt mit exzessiven Farben und Formen vom queeren Erwachsenwerden im Sexarbeiter-Milieu von São Paulo. Auch wenn der Traum des Protagonisten vom gesellschaftlichen Aufstieg platzt, behält das semidokumentarische Drama einen verhaltenen Optimismus bei, ohne die Schattenseiten des Milieus oder die Gewalt auf den Straßen zu kaschieren. Mit großer Empathie beleuchtet der Film dagegen die Solidarität unter den Außenseitern, die mit Humor und viel Fantasie der Düsternis trotzen.

Die Akademie

  • Deutschland 2024
  • R: Camilla Guttner

Eine idealistische Studentin stürzt in ihrem ersten Jahr an der Kunstakademie München von einem Desaster ins nächste. Sie gerät an intrigante Kommilitonen, wird von einem Assistenten gestalkt und von Professoren missachtet und immer wieder mit der Frage konfrontiert, ob sie wirklich Künstlerin werden will. Die Tiefschläge stacheln allerdings ihre Kreativität an. Der satirische Debütfilm geizt nicht mit burlesken Figuren und naheliegenden Klischees, kommt aber nicht über einige scharfsinnige Beobachtungen und karikaturhafte Skizzen hinaus. Ans fragile Verhältnis von Kunst, Markt und persönlicher Identität wagt er sich nicht heran.

Kundschafter des Friedens 2

  • Deutschland 2024
  • R: Robert Thalheim

Fortsetzung einer Agentenkomödie um eine Gruppe alternder Ex-DDR-Spione, die ein Spezialauftrag nach Kuba führt, wo sie den Verkauf einer kleinen Landzunge an die US-Amerikaner sabotieren wollen. Der mit zahllosen Versatzstücken einschlägiger Vorbilder von „Der rosarote Panther“ bis „Ocean’s Eleven“ gespickte Film verliert sich in Slapstick-Peinlichkeiten, Klamauk und abgedroschenen Klischees und funktioniert auch nicht als nostalgisch verklärtes Revolutionsmärchen, da er sich über die historischen Minenfelder keinerlei Rechenschaft gibt.

Des Teufels Bad

  • Österreich 2024
  • R: Veronika Franz

Eine junge Bäuerin aus Oberösterreich fühlt sich Mitte des 18. Jahrhunderts nach ihrer Heirat nicht wohl. Sie ist überfordert und wird von ihrer Schwiegermutter gegängelt, als ihr Kinderwunsch unerfüllt bleibt. Als ihre Depressionen immer schwerer werden und ihr niemand beisteht, greift sie zu einem schockierenden Mittel, um ihrem unerträglichen Leben zu entkommen. Das düstere Drama zeichnet das Psychogramm einer verzweifelten Frau, die von einem rigiden Glaubenskodex in die Katastrophe getrieben wird. Der überzeugend ausgestattete und gespielte Film droht durch Folk-Horror-Elemente bisweilen allerdings ins Groteske zu kippen.

Die Witwe Clicquot

  • USA 2023
  • R: Thomas Napper

Nach dem Tod ihres Gatten im Jahr 1805 will die Witwe Barbe-Nicole Clicquot-Ponsardin ihr Weinhaus in Reims nicht verkaufen, sondern selbst weiterführen. Mit eisernem Willen, riskanten Investitionen und einem ausgesprochenen Pragmatismus gelingt es ihr, die Schaumweinherstellung zu verfeinern und auch international zu reüssieren. Der solide biografische Film konzentriert sich auf die Jahre ihres Kampfes gegen die patriarchalen Konventionen, verbindet das aber mit assoziativen Rückblenden einer turbulenten Liebesgeschichte um zwei ungleiche Charaktere. Glänzend besetzt und gespielt und mit Sinn für den Zeitgeist der napoleonischen Ära in Szene gesetzt.

In Liebe, Eure Hilde

  • Deutschland 2024
  • R: Andreas Dresen

Ein biografisches Drama um die NS-Widerstandskämpferin Hilde Coppi (1909-1943), die zusammen mit ihrem Mann Hans zur „Roten Kapelle“ gehörte. Der Film zeichnet ihre letzten Lebensmonate von der Verhaftung 1942 über die Haft im Frauengefängnis Barnimstraße, wo sie einen Sohn zur Welt bringt, bis zur Hinrichtung durch das Fallbeil in Berlin-Plötzensee nach. Die Montage kreuzt dies a-chronologisch mit Impressionen aus der Vorgeschichte des Paares. Der hoffnungs- und lebensvolle Erzähltonfall dieser Rückblenden, die in der Seenlandschaft um Berlin angesiedelt sind, dient als markante Kontrastfolie zur erschütternden Passionsgeschichte, die Coppi ohne Effekthascherei als Opfer- und Märtyrerinnenfigur zeichnet, an deren Schicksal sich die Unmenschlichkeit des NS-Regimes offenbart.

Treasure - Familie ist ein fremdes Land

  • Deutschland 2024
  • R: Julia von Heinz

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs unternimmt eine US-Journalistin, deren Eltern aus Polen stammen und die Shoah überlebten, in den frühen 1990er-Jahren mit ihrem Vater eine Reise in dessen Heimat. Der alte Mann ist allerdings nicht erpicht, die Orte seiner Jugend wiederzusehen, die mit dem Trauma des Holocaust verbunden sind. Die Reise wird zu einem Katalysator, der Verdrängtes freisetzt und auch das Vater-Tochter-Verhältnis durcheinanderwirbelt. Die Adaption eines autobiografischen Romans versucht recht krampfhaft, den Tonfall eher leichtherzig als tragisch zu halten. Dadurch kommt die Abgründigkeit des Themas aber auch dort nicht zum Tragen, wo es angebracht wäre, etwa in Auschwitz. Als Road Movie besitzt der Film einen gewissen Reiz, ohne erzählerisch Profit daraus zu schlagen.

Sonnenplätze

  • Deutschland 2023
  • R: Aaron Arens

Eine erfolglose Nachwuchsautorin reist zusammen mit ihrem Bruder heimlich ins familiäre Feriendomizil auf Lanzarote. Dort hat sich allerdings insgeheim auch ihr Vater eingenistet, der das Anwesen nach der Scheidung an seine Frau abtreten musste. Zu den drei Hausbesetzern gesellt sich später auch noch die Besitzerin, die mit ihrem neuen Lebensgefährten anreist und alles verkaufen will. Das unfreiwillige Wiedersehen fördert nicht nur Erinnerungen und Familienanekdoten zutage, sondern befeuert auch lange schwelende Konflikte. Eine mit viel Sinn für feine Zwischentöne inszenierte Familienkomödie, die mit grandiosen Darstellern punktet, aber auch viel Gespür für Timing und eine eigensinnig-schwebende Atmosphäre verrät.

Paris Paradies

  • Frankreich 2024
  • R: Marjane Satrapi

In fünf Episoden werden eine Handvoll unterschiedlichster Menschen in Paris mit dem Thema des Todes konfrontiert, wobei alle ihren individuellen Weg finden müssen, um mit Krankheiten, Hiobsbotschaften und Schicksalsschlägen umzugehen. Die schwarzhumorigen Geschichten über Tod und Trauer, Lebensüberdruss und Verzweiflung setzen der Endlichkeit ein trotziges Dennoch entgegen. Obwohl die einzelnen Episoden sehr unterschiedlich sind, untergräbt die Kluft zwischen dem Horror des Geschehens und der Sentimentalität der Charaktere aber ihre Glaubwürdigkeit, was eher Langeweile als Spannung aufkommen lässt.

Liebesbriefe aus Nizza

  • Frankreich 2024
  • R: Ivan Calbérac

Als ein pensionierter französischer General alte Liebesbriefe seiner Frau entdeckt, in denen eine Affäre mit einem anderen ruchbar wird, startet er einen privaten Feldzug gegen den früheren Nebenbuhler. Seine Rachepläne weisen aber etliche Fallstricke auf und verwandeln sich zudem in eine Initiationsreise zu einem anderen Selbst. Vor der bezaubernden Kulisse Südfrankreichs entfaltet sich eine beschwingte Sommerkomödie, die mit viel Witz und Charme den drei glänzenden Hauptdarstellern eine Bühne für ihre Kunst bietet. Unter der Genreoberfläche geht es aber auch um versäumte Gelegenheiten, verpasste Chancen und unaufgearbeitete Kindheitstraumata.

Lipstick on the Glass

  • Deutschland 2021
  • R: Kuba Czekaj

Eine Frau entflieht aus der Ehe mit einem Gewaltverbrecher, muss dabei ihre Tochter zurücklassen und reist in Begleitung eines mysteriösen Wesens aus der deutsch-polnischen Grenzregion auf eine dänische Insel. Dort geraten sie in eine Frauensekte mit anti-patriarchalischer Agenda, doch das Versprechen von Freiheit erweist sich als trügerisch. Ein exzesshafter Film mit überbordendem Stilwillen, der ganz in Assoziationen, Zeitlupe und psychedelische Stimmungen aufgelöst ist. Durch den wirren Aufbau ist die Faszination allerdings rasch erschöpft, zumal die Emanzipationsgeschichte einfallslos und bemüht bleibt.

Zwei zu eins

  • Deutschland 2024
  • R: Natja Brunckhorst

Nach der Wende ist die Bevölkerung von Halberstadt damit beschäftigt, ihr Ost-Geld in D-Mark umzutauschen, als vier Menschen auf einen Stollen stoßen, in dem die DDR-Regierung die alte Währung eingelagert hat. Das clevere Quartett wittert seine Chance und will der Gerechtigkeit auf seine Weise nachhelfen. Anfangs funktioniert die solidarische Gemeinschaft noch, doch dann funkt die Gier der Einzelnen dazwischen. Die Schauspieler, die vornehmlich aus der ehemaligen DDR stammen, treffen in dieser lässigen Wendekomödie den richtigen Zungenschlag; der Tonfall des Films selbst gerät indes allzu harmlos und forciert leichtherzig. Im Blick aufs DDR-Erbe scheut er überdies Ambivalenzen.

Immerhin: Die Kunst, die Kunst

  • Deutschland 2024
  • R: Antonia Walther

Eine Theatergruppe will ein kritisches Stück über die Pharmaindustrie aufführen. Da der Text für einige Konfusionen sorgt, wendet sich der Regisseur an eine Ärztin, die bei den Proben ihre Expertise einbringen soll. Doch die Beraterin wird zur Anlaufstelle für die Probleme der Schauspieler, begehrt zunehmend gegen die Haltung des Stücks auf und zieht auch Mitwirkende auf ihre Seite. Die Komödie über eine im Chaos zu versinken drohende Theaterproduktion bietet viele Ideen, parallele Erzählstränge und einige effektive Momente, vermag dies aber nicht zur ausgereiften Geschichte zu verbinden. Auch die Klischees zum Theaterbetrieb verharren unentschieden zwischen Drama und Parodie.

Kein Wort

  • Deutschland 2023
  • R: Hanna Slak

Eine erfolgreiche, beruflich sehr eingespannte Dirigentin, die mit ihrem Orchester gerade Mahlers Fünfte Sinfonie einstudiert, fährt nach einem schulischen Vorfall mit ihrem pubertierenden Sohn für mehrere Tage auf eine Atlantikinsel, um ihr schlechtes Verhältnis etwas ins Lot zu bringen. Doch die winterliche Atmosphäre steigert ihre Entfremdung zur regelrechten Konfrontation, in der das Schweigen zur Waffe wird. Ein sperrig-stilles, hervorragend gespieltes Drama um Unachtsamkeit und die Folgen von Liebesentzug, das mit minimalistischer Körpersprache und Mimik enorme Spannung erzeugt.

Vom Ende der Endlichkeit

  • USA 2024
  • R: Hans Block

Die erstaunlichen Möglichkeiten künstlicher Intelligenz erlauben es findigen Unternehmen, auch auf dem Feld der Trauer um Verstorbene revolutionäre Neuerungen anzubieten. Von textbasierten Gesprächen am Bildschirm über virtuelle Treffen mit den Toten bis zu digitalen Avataren als neuer Form von Unsterblichkeit reichen die Angebote. Die Verfechter von „Digital Afterlife“-Konzepten glauben, damit die Vergänglichkeit überwinden zu können. Der ausgewogene Dokumentarfilm informiert über das rasch wachsende und äußerst lukrative Geschäftsfeld, lässt Befürworter wie Kritiker zu Wort kommen und streift auch die kulturellen Folgen dieser Techniken, die nach staatlicher Regulierung und gesellschaftlicher Auseinandersetzung verlangen.

War and Justice

  • Deutschland 2023
  • R: Marcus Vetter

Ein Dokumentarfilm blickt auf die Arbeit des Internationalen Strafgerichtshofs (ICC) in Den Haag, der sich der Anklage von Kriegsverbrechen verschrieben hat. Dabei folgt der Film insbesondere dem ehemaligen Chefankläger Luis Moreno Ocampo, der auf seine Amtszeit zurückblickt, aber auch aktuelle Kriege wie in der Ukraine kommentiert. Zudem kommt in Archivbildern der Ankläger der Nürnberger Prozesse, Ben Ferencz, zu Wort. Daraus entsteht eine eher unausgegorene Mischung, die eine konsequente Antikriegsbotschaft vermittelt, aber vor allem die Grenzen des ICC verdeutlicht. Zudem gelangt der Film kaum über das hinaus, was dieselben Regisseure bereits im elf Jahre zuvor entstandenen „The Court / Der Chefankläger“ zu dem Thema zu sagen hatten.

Nathalie - Überwindung der Grenzen

  • Schweiz 2022
  • R: Lionel Baier

Im Sommer 2020 wollen Emmanuel Macron und Angela Merkel zusammen ein Flüchtlingslager in Sizilien besuchen, was ihre PR-Mitarbeiter in höchste Unruhe versetzt. Während ein französischer Beamter alles kontrollieren und die hässliche Wirklichkeit medial aufhübschen will, gerät seine deutsche Kollegin in eine komplizierte Auseinandersetzung mit ihrem erwachsenen Sohn, der für eine NGO vor Ort kritische Tik-Tok-Beiträge produziert. Die hybride Polit-Satire kreuzt recht sprunghaft Familiendrama und politische EU-Farce, wahrt aber eine verblüffende Balance, was auf gute Recherchen, ein sorgfältiges Drehbuch und glänzende Darsteller zurückzuführen ist.