23 - Nichts ist so wie es scheint

Drama | Deutschland 1998 | 99 Minuten

Regie: Hans-Christian Schmid

Hannover Mitte der 80er Jahre: Das hoch begabte junge Computer-Talent Karl Koch überträgt die Verschwörungstheorie aus Robert Anton Wilsons Roman-Trilogie "Illuminatus!" auf seinen Alltag und wandelt sich unter dessen Einfluss vom selbstverantwortlichen Subjekt zum fremdbestimmten Objekt. Als er das Maß seiner Abhängigkeiten erkennt, zieht er die Notbremse, ohne noch aus dem existentiellen Zirkel ausbrechen zu können. Am 23. Mai 1989 nimmt er sich 23-jährig das Leben. Ein thematisch wie formal außergewöhnlich komplexer, im Godardschen Sinne auch politischer Film, der zugleich von der Verarmung im zwischenmenschlichen Bereich handelt. Ausgehend von einer tatsächlichen Begebenheit, entstand ein Werk, in dem sich unerwartete Potenzen jenseits einer sich ansonsten in Belanglosigkeiten auflösenden, nationalen Kinematografie formulieren. - Sehenswert ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
1998
Regie
Hans-Christian Schmid
Buch
Hans-Christian Schmid · Michael Gutmann
Kamera
Klaus Eichhammer
Musik
Norbert Jürgen Schneider · Deep Purple · Ton Steine Scherben · Iggy Pop
Schnitt
Hansjörg Weissbrich
Darsteller
August Diehl (Karl Koch) · Fabian Busch (David) · Dieter Landuris (Pepe) · Jan-Gregor Kremp (Lupo) · Lilly Tschörtner (Beate)
Länge
99 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Sehenswert ab 16.
Genre
Drama

Heimkino

Die Extras umfassen u.a. einen Audiokommentar des Regisseurs des Drehbuchautors und der beiden Produzenten.

Verleih DVD
EuroVideo (16:9, 1.85:1, DD5.1 dt.)
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Diskussion
Robert Anton Wilson hat mit seinem dreibändigen Fantasy-Roman „Illuminatus!“ einen faszinierenden Kosmos aus Verschwörung und Gegenverschwörung entworfen, der bei aller Detailversessenheit und scheinbar endgültiger Weltendeutung doch stets eine ironische Distanz zum Gegenstand bewahrt. Sein an Jules Vernes Kapitän Nemo erinnernder Held namens Hagbard Celine kreuzt in einem Unterseeboot quer durch die Ozeane dieses Planeten, ständig und überall im Kampf gegen die allgegenwärtigen Illuminaten, die sich anschicken, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Freilich verkörpern in diesem System die Illuminaten (die es tatsächlich gegeben hat) nur die zeitgenössische Form einer bereits seit Jahrtausenden wirkenden Kraft des Bösen, dessen Evangelium im legendären „Necronomicon“ bereits seine Formulierung gefunden hatte. Es handelt sich also um eine Traditionslinie der „schwarzen Magie“, die angeblich aus vorsintflutlichen Epochen stammt und seither im Untergrund der Zivilisation ihr Unwesen treibt. Zahllose Persönlichkeiten und Ereignisse von Geschichte und Moderne lassen sich damit in Zusammenhang bringen, spiegeln sich in den Werken von H. P. Lovecraft, Ambrose Bierce, Allistar Crowley, H. R. Giger, Kenneth Anger usw. Die Zahl 23 spielte in diesem homogenen esoterischen Gebilde stets eine wesentliche Rolle.

Im Gegensatz zur Kunstfigur Hagbard Celine, die in Wilsons Roman als Inkarnation einer dem Bösen entgegenwirkenden „weißen Magie“ fungiert, hat es Karl Koch, den jungen Helden aus Schmids Film, tatsächlich gegeben. Dutzende Male hatte das hochbegabt

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