Ein perfekter Mord

Krimi | USA 1998 | 107 Minuten

Regie: Andrew Davis

Ein reicher New Yorker Börsenmakler kommt hinter das Liebesverhältnis seiner jungen Ehefrau mit einem Künstler. Er verlangt von ihm, seine Frau zu töten, und setzt als Druckmittel sein Wissen um die wahre Identität des Künstlers ein, der als Heiratsschwindler gesucht wird. Dieser wiederum engagiert einen Dritten für die Tat, den aber die Frau in Notwehr ersticht. Langsam kommt sie den Plänen ihres Mannes auf die Schliche. Kriminaldrama nach dem Bühnenstück "Bei Anruf Mord", das die Handlung in die New Yorker High Society verlegt und sich stilistisch am Oberflächenglanz seiner Schauplätze orientiert. Handwerklich solide und recht spannend inszeniert, inhaltlich wie darstellerisch aber frei von Überraschungen. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
A PERFECT MURDER
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
1998
Regie
Andrew Davis
Buch
Patrick Smith Kelly
Kamera
Dariusz Wolski
Musik
James Newton Howard
Schnitt
Dennis Virkler · Dov Hoenig
Darsteller
Michael Douglas (Steven Taylor) · Gwyneth Paltrow (Emily Bradford Taylor) · Viggo Mortensen (David Shaw) · David Suchet (Inspektor Mohamed Karaman) · Sarita Choudhury (Raquel Martinez)
Länge
107 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Krimi | Thriller

Heimkino

Die Extras umfassen u.a. einen Audiokommentar des Regisseurs und des Hauptdarstellers sowie ein alternatives Filmende.

Verleih DVD
Warner (16:9, 1.85:1, DD5.1 engl./dt.)
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Diskussion
Ein reicher Wall-Street-Broker, seine weitaus jüngere Frau und ihr ebenso junger, sich als Künstler versuchender Liebhaber bilden die klassisch-schicksalhafte Figurenkonstellation des Films. Erstmals wurde die Geschichte nach Frederick Knotts Bühnenstück „Bei Anruf Mord“ von Alfred Hitchcock verfilmt (fd 3 733); Regisseur Andrew Davis und Drehbuch-Debütant Patrick Smith Kelly gaben ihr eine zeitgenössische Färbung mit New York als mondäner Kulisse. Steven, der Ehemann, kommt sehr bald hinter das Verhältnis seiner Frau Emily, die als Übersetzerin bei den Vereinten Nationen arbeitet, und ebenso schnell hinter die Identität des vermeintlichen Künstlers David: Er ist ein gesuchter Heiratsschwindler, der unter falschem Namen in der Stadt lebt. Steven beauftragt David, seine Frau umzubringen, andernfalls würde er ihn an die Polizei verraten. David geht darauf ein, heuert aber einen Killer für den Auftrag an, den Emily wiederum in Notwehr ersticht. Scheinbar unbeeindruckt, tarnt Steven die Tat weiterhin als Einbruch, doch seine Frau schöpft Verdacht – auf Grund ihres Wohnungsschlüssels, der nicht mehr in die Tür paßt, weil Steven ihn verwechselt hat. Nur der zuständige Kommissar steht ihr intuitiv zur Seite, noch allerdings fehlt ein Motiv.

Andrew Davis überließ nichts dem Zufall. Die Rolle des skrupellosen und einsamen Repräsentanten der amerikanischen Oberschicht besetzte er mit Michael Douglas, der nicht nur durch diverse Filme auf diesen Typus festgelegt ist, sondern ihn auch – seit „Wall Street“ (fd 26 649) – für das Hollywood-Kino entscheidend mitdefiniert hat. Der Typus scheint auch sein Umfeld zu beeinflussen: Manche Szenen im Appartement oder im Büro scheinen Filmen wie „Enthüllung“ (fd 31 129) und „The Game“ (fd 32 845) entnommen zu sein. Die Rolle der Ehefrau ist nicht weniger routiniert entwickelt: schön, jung und unglücklich, empfindsam, aber im entscheidenden Moment „tough“ – leichtes Spiel für Gwyneth Paltrow. Der Künstler David schließlich wohnt in einem jener pittoresk-schäbigen ehemaligen Industrieviertel von Manhattan, die den Vorteil eines großzügigen Platzangebotes bieten, und wo man auf einer ganzen Fabriketage viel „kranke“ Kunst als Indiz für die zerrissene Seele des charmanten Bösewichts aufstellen kann. Viggo Mortensen müht sich redlich um Profil und Ambiguität seiner Rolle, doch wie Douglas behält er das Maskenhafte seines Parts allzu sehr bei, das die wahren Beweggründe kaschieren soll, letztlich aber auf Kosten einer plastischen Rollengestaltung geht.

Davis ist ein erprobter Action-Regisseur, der Chuck Norris und Jean-Claude van Damme zu Erfolgen verhalf, bevor er mit „Auf der Flucht“ (fd 30 442) sein handwerkliches Talent jenseits von Pyrotechnik und Gewalt unter Beweis stellte. Auch „Ein perfekter Mord“ ist vor allem perfektes Handwerk. Das aalglatte Ambiente, in dem sich die Figuren bewegen, scheint sich auf die Stilistik des Films zu übertragen, die dem alten Hollywood-Dogma folgt, daß eine unsichtbare Regie die beste ist. Von Darstellern, Bildern und Bewegungen im Film sind also an keiner Stelle Überraschungen zu erwarten.

Der Regisseur und mit ihm das Publikum verlassen sich ganz auf die Wendungen des Drehbuchs als Spannungsquelle. Im Vordergrund steht darin die Frage, durch welchen Umstand der gewandte Finsterling Steven sich verraten wird, und was ihn überhaupt antreibt, abgesehen von blinder Rachsucht. Dem emsigen Streben Emilys nach Wahrheit, das zugleich ihre einstmals so solide wirkende Lebensgrundlage zerstört, entnimmt der Film tatsächlich einen Großteil seiner Attraktivität. Unterhaltung von der Stange zwar, aber immerhin Unterhaltung.
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