Johnny English - Der Spion, der es versiebte

- | Großbritannien 2002/03 | 87 Minuten

Regie: Peter Howitt

Nach dem Ableben seiner weit befähigteren Kollegen muss ein trotteliger englischer Schreibtisch-Agent ausrücken, um die Zukunft des britischen Königsreichs zu sichern, das durch einen französischen Superschurken bedroht wird. Turbulenter Spagat zwischen actionbetontem Spionage-Thriller und schwarzer Agentenfilm-Persiflage, unterhaltsam vor allem durch seinen Hauptdarsteller. Das schwache Drehbuch produziert freilich zu viel Leerlauf, was mit einigen fäkalreichen Holzhammer-Gags kaschiert werden soll. (Fortsetzung: "Johnny English - Jetzt erst recht!", 2011) - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
JOHNNY ENGLISH
Produktionsland
Großbritannien
Produktionsjahr
2002/03
Regie
Peter Howitt
Buch
William Davies · Neal Purvis · Robert Wade
Kamera
Remi Adefarasin
Musik
Ed Shearmur · Bond
Schnitt
Robin Sales
Darsteller
Rowan Atkinson (Johnny English) · John Malkovich (Pascal Sauvage) · Natalie Imbruglia (Lorna Campbell) · Ben Miller (Bough) · Douglas McFerran (Vendetta)
Länge
87 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 6; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.

Heimkino

Verleih DVD
Universal (16:9, 1.85:1, DD5.1 engl./dt., DTS dt.)
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Diskussion
Erfolgreiche Vorlagen anderer Medien fürs Kino zu adaptieren, ist längst üblich, doch die Agentenparodie „Johnny English“ stellt ein Novum dar: Es ist die Spielfilmumsetzung einer Reihe von Werbeclips. Zwischen 1992 und 1997 stolperte der britische Berufsspaßvogel Rowan Atkinson als „Spion seiner Majestät“ in diversen „Barclaycard“-Fernsehspots von einem Fettnäpfchen ins nächste, und wie man sich vorstellen kann, tat das dem reißenden Absatz der Kreditkarte keinen Abbruch. Atkinson, der zuvor u.a. mit „Das lange Elend“ (fd 28 194) und „Bean – Der ultimative Katastrophenfilm“ (fd 32 712) Leinwanderfahrung sammelte, hatte die gar nicht so abwegige Idee, den Miniauftritten des von ihm verkörperten Protagonisten eine Hauptrolle in einem abendfüllenden Film folgen zu lassen. Vorhang auf also für „Johnny English“. Auf ihren Geheimdienst sind die Briten mindestens genauso stolz wie auf Rowan Atkinson. Der Secret Service ist in einer mehr denn je aus den Fugen geratenden Welt eine letzte Bastion der Ehre, auch wenn man sich bei der Verteidigung des Vaterlandes nicht immer ehrenvoller Mittel bedient. Zum Zeitpunkt des in naher Zukunft verlegten Geschehens liegt der britische Geheimdienst nicht nur am Boden, sondern vorderrangig im Grab: Während James Bond nach dem Raub der königlichen Kronjuwelen unauffindbar ist, wird sein Stellvertreter Agent Nr. Eins tot aufgefunden. Bei der Beerdigung begleitet ihn die trauernde Schar der verbliebenen Top-Spione in die geheimen Jagdgründe, denn ein Bombenattentat macht den Friedhof dem Erdboden gleich. So bleibt als einzige Geheimwaffe ein Mann, der zwar nicht mehr der jüngste und auch nicht der intelligenteste, dafür aber der enthusiastischste Schreibtisch-Agent des Inselreichs ist: Mr. Johnny English kennt weder Furcht noch Selbstzweifel, hat allerdings kaum praktische Berufserfahrung, sodass er sich bei seinen Ermittlungen auch schon einmal mit dem Helikopter versehentlich in ein Krankenhaus abseilt, um dort einen altersschwachen Patienten im Rollstuhl für ein mit Drogen ruhig gestelltes Opfer der Kronjuwelendiebe zu halten. Trotz eines mit zahlreichen Überraschungen ausgestatteten Aston Martins und weiterer ultimativer High-Tech-Gadgets tappt er lange Zeit mit seinem überforderten Assistenten Bough im Dunkeln. Dann lernt er die hübsche Doppelagentin Lorna Campbell kennen, und wie so oft ziehen sich Gegensätze an – privat wie beruflich. Lorna weist ihm die richtige Spur zum überdrehten Superverbrecher Pascal Sauvage, der aufgrund eines genial ausgeklügelten Intrigenspiels kurz vor der „Krönung“ seiner Laufbahn steht: Als ihr Lieblingsschoßhund von Sauvages Schergen gekidnapped wird, dankt die Queen ab und ernennt gezwungener Maßen den französischen Finsterling zum Thronfolger. Doch im Moment der nationalen Schande schlägt unverhofft Johnny Englishs große Stunde. Die als „Familienfilm“ angekündigte Produktion versucht, die beiden erfolgreichsten Genres des britischen Kinos zu kombinieren, doch der Spagat zwischen actionbetontem Spionage-Thriller und schwarzer Komödie will nicht immer gelingen. An Atkinson liegt es nicht, er ist wie immer in Hochform und spielt den von sich selbst überzeugten Möchtegern-Bond, der einfach nur zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort ist. „Er ist diese Art von Person, die bei einem Hürdenrennen die ersten Hürden extrem gut nimmt, aber dann dem Zuschauer zuwinkt und über die letzte Hürde stolpert“, charakterisiert Atkinson seine Figur. Die Mischung aus Selbstbewusstsein, Charme und Lächerlichkeit macht ihm dabei so leicht niemand nach. Die Vorstellung, dass der Meister der nicht ganz so offensichtlichen Comedy eines Tages auch in einem durchweg ernsthaften Film eine gute Figur abgeben könnte, ist gar nicht abwegig. So sehr Atkinson in seiner Rolle auch brilliert, so gehört „Johnny English“ doch zu der Art von Klamaukfilmen, die nur leidlich unterhalten, was zuallererst am schwachen Drehbuch mit einer äußerst dürftigen Story liegt. Wie immer geht es um die Weltherrschaft. Doch das kauft man John Malkovich, der in harten Thrillern häufig den Bösewicht verkörperte, diesmal nicht ab. Mit seinen Manierismen wirkt er wie ein Fremdkörper, über den man nicht mal mehr lächeln kann. Auch die restlichen darstellerischen Leistungen verdienen diese Bezeichnung kaum, die Schauspieler agieren um Atkinson wie Statisten. Lediglich die sportive Pop-Sängerin Natalie Imbruglia zieht sich bei ihrem Leinwanddebüt recht achtbar aus der Affäre. Über Humor lässt sich streiten, sicher ist jedoch, dass Regisseur Peter Howitt nicht immer die Balance zwischen feiner Ironie und fäkalienreichen Holzhammer-Gags findet. Unappetitlich und unnötig sind vor allem Johnny Englishs zahlreiche Abstecher in die Kanalisation, die das sich ansonsten an Eleganz überbietende Spionagesujet wohl konterkarieren sollen.

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