Der unbekannte Orson Welles

- | USA 1968-85 | 90 Minuten

Regie: Orson Welles

Erste, am Münchner Filmmuseum vorgenommene Rekonstruktionen aus dem umfangreichen Nachlass von Orson Welles. Die fünf Arbeiten eröffnen keine völlig unerwarteten Dimensionen der Welles-Rezeption, machen aber mit der üblen Nachrede Schluss, Welles habe sich seit "Falstaff" auf den Lorbeeren vergangener Zeiten ausgeruht; vielmehr blieb er seiner Vision eines autonomen Autorenkinos treu. Seine Miniaturen zeugen von (Selbst-)Ironie und Originalität und fungieren in ihrer Gesamtheit als Postskriptum zu seinem Werk. (Die Titel: 1. "London", USA 1971, 29 Min.; 2. "Moby Dick", USA 1971, 21 Min.; 3. "Vienna", USA 1968, 8 Min.; 4. "The Magic Show", USA 1976-84, 17 Min.; 5. "The Spirit of Charles Lindbergh", USA 1984, 17 Min.; O.m.d.U.) - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
THE UNKNOWN ORSON WELLES
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
1968-85
Regie
Orson Welles
Buch
Orson Welles
Kamera
Giorgio Tonti · Gary Graver
Darsteller
Orson Welles · Charles Gray · Jonathan Lynn · Tim Brook-Taylor · Oja Kodar
Länge
90 Minuten
Kinostart
-
Fsk
-
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.

Diskussion
Gern inszenierte sich Orson Welles als mysteriös wirkende Erscheinung mit Cape, Hut und Zigarre. Diese geheimnisvolle Figur bildete im Gegenlicht jene Silhouette, die fast zu seinem Markenzeichen avancierte. Individuelle Mythenbildung war ohne Zweifel eine wichtige Facette seiner immensen Begabung. Zu diesen erfolgreich in die Welt gesetzten Mythen gehört kurioserweise sogar das eigene Scheitern: Welles, das Wunderkind, der Frühvollendete, das verkannte Genie, das von neidischen Studiobossen um sein Lebenswerk gebracht wurde. Schließlich Welles, der Magier – unverzagt vor leerem Saal auf der Bühne stehend, ein Kaninchen nach dem anderen aus seinem Zylinder zaubernd und zuletzt selbst in einer Rauchwolke verschwindend. Oder haben all jene Stimmen recht, die ihn als größenwahnsinnigen Tüftler beschrieben, der sich in Kleinigkeiten verhedderte und unfähig war, den Überblick zu wahren? Der stets davonlief, wenn schwierige Entscheidungen anstanden und der deshalb nie etwas zu Ende brachte? War er selbst jener Zauberer, den er im unvollendeten Film „The Magic Show“ spielte: mit der zersägten Jungfrau im Scheinwerferlicht stehend und nicht mehr wissend, wie die Einzelteile wieder zusammen zu setzen sind? Fest steht, dass seine eher schmale Werkbiografie lange Schatten wirft. Bald werden mehr Filme über Orson Welles existieren als dieser selbst realisieren konnte. In den letzten Jahren gab es derer mindestens fünf. So stellte Richard Wilson 1993 die mit Interviews aufgefütterte Rekonstruktion von Welles’ Brasilien-Abe

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