Drama | Österreich/Frankreich/Deutschland 2009 | 99 Minuten

Regie: Jessica Hausner

Eine an Multipler Sklerose erkrankte junge Frau erlebt bei einer Pilgerreise mit einer von Maltesern betreuten Gruppe in Lourdes am eigenen Leib eine "Wunderheilung". Diese provoziert bei ihr wie auch bei ihren Mitreisenden widersprüchliche Gefühle. Der streng komponierte Film fängt mit distanziertem Blick das Treiben am Wallfahrtsort Lourdes und die Dynamik innerhalb der Pilgergruppe ein. Dabei scheinen satirische Spitzen angesichts der ritualisierten und kommerzialisierten Religionsausübung auf, ohne dass die Ernsthaftigkeit der Sinn- und Heilssuche der Gläubigen diskreditiert würde. Am Schicksal der eindringlich gespielten Protagonistin entfaltet sich eine doppelbödige, herausfordernde Reflexion über die "Zumutung" des Glaubens angesichts von Leid und Unglück. (Kinotipp der katholischen Filmkritik) - Sehenswert ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
LOURDES
Produktionsland
Österreich/Frankreich/Deutschland
Produktionsjahr
2009
Regie
Jessica Hausner
Buch
Jessica Hausner
Kamera
Martin Gschlacht
Schnitt
Karina Ressler
Darsteller
Sylvie Testud (Christine) · Léa Seydoux (Maria) · Gilette Barbier (Frau Hartl) · Gerhard Liebmann (Pater Nigl) · Bruno Todeschini (Kuno)
Länge
99 Minuten
Kinostart
01.04.2010
Fsk
ab 0; f
Pädagogisches Urteil
- Sehenswert ab 14.
Genre
Drama

Heimkino

Verleih DVD
EuroVideo (16:9, 1.85:1, DD5.1 frz./dt.)
Verleih Blu-ray
EuroVideo (16:9, 1.85:1, dts-HDMA frz./dt.)
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Diskussion
Auf Roland Barthes geht die Vorstellung zurück, dass ein Text mit jeder Lektüre neu geschrieben wird. Text, Sinn und Leser befinden sich in einem prozessualen und instabilen Verhältnis zueinander. Was das konkret bedeutet und wofür es fruchtbar zu machen ist, das zeigt ein Film wie „Lourdes“, der auf einer prinzipiellen Polyperspektivität des Blicks beharrt. Ins Zentrum des „Verstehens“, der Sinnzuschreibung rückt somit der Zuschauer, der sich mitsamt seinem ideologischen Apparat ins Verhältnis zu den Bildern und der Handlung setzen muss. Ausgemacht ist hier gar nichts: Man sollte sich nicht vorschnell in Sicherheit wähnen. Damit verdoppelt „Lourdes“ auf produktive Weise strukturell das, wovon er handelt. Hält ein Film das aus? Zunächst ist da eine dichte Beschreibung der Durchmischung von katholischem Ritual und Kommerzialisierung des Wunderglaubens am französischen Wallfahrtsort Lourdes. Das ist durchaus böse, vielleicht, aber man kann auch neugierig werden. Oder sogar Vertrautes entdecken. Das hängt ganz davon ab, wie es subjektiv um das Verhältnis des Zuschauers zum Glauben bestellt ist. Dann integriert der Film in seine Ortsbeschreibung eine Gruppe von Pilgern, die, von karitativen Dienstleistern betreut, nach Lourdes angereist sind und s

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