Der Andere (2008)

Drama | USA/Großbritannien 2008 | 88 Minuten

Regie: Richard Eyre

Ein Mann findet heraus, dass seine Frau einen Geliebten hat, und reist nach Italien, um dort seinen Rivalen inkognito zu treffen. Kammerspielartiges Eifersuchtsdrama nach einer Kurzgeschichte von Bernhard Schlink, das sich in Redundanzen und wenig glaubhaften Gefühlsbehauptungen verliert. Trotz interessanter Ansätze bleibt die geschilderte Dreiecksbeziehung ohne Spannung. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
THE OTHER MAN
Produktionsland
USA/Großbritannien
Produktionsjahr
2008
Regie
Richard Eyre
Buch
Richard Eyre · Charles Wood
Kamera
Haris Zambarloukos
Musik
Stephen Warbeck
Schnitt
Tariq Anwar
Darsteller
Liam Neeson (Peter) · Antonio Banderas (Ralph) · Laura Linney (Lisa) · Romola Garai (Abigail) · Laurence Richardson (Mark)
Länge
88 Minuten
Kinostart
01.07.2010
Fsk
ab 12; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Drama | Literaturverfilmung

Diskussion
Manchmal korrespondieren Figuren aus unterschiedlichen Filmen auf seltsame Weise miteinander. Hatte man Liam Neeson in Atom Egoyans „Chloe“ (fd 39 833) noch als der Untreue verdächtigten Ehemann einer eifersüchtigen, von einer Midlife-Crisis geplagten Frau gesehen, scheinen sich in „Der Andere“ die Rollen vertauscht zu haben. Nun spielt er den eifersüchtigen Part, den bei Egoyan Julianne Moore innehatte. Als verzweifelter Ehemann, der mit dem plötzlichen Auftauchen eines „Anderen“ konfrontiert ist, hetzt er aufgelöst durch den Film, dem Doppelleben seiner Frau auf der Spur. Peter und Lisa sind seit 25 Jahren verheiratet; ihre gemeinsame Tochter ist ausgezogen und führt ihr eigenes Leben. Beide sind beruflich erfolgreich und pflegen einen kultivierten Lebensstil: geschmackvolle Einrichtung, elegante Klamotten, gutes Essen; allem Anschein nach sind sie glücklich. Die Exposition nimmt sich Zeit, das Milieu als stabil zu etablieren – und gleichzeitig werden, wenn auch etwas zu offensichtlich, Zweifel an genau dieser Stabilität gestreut. Angekündigt, aber doch überhastet, entwickelt sich die Geschichte zielstrebig zu einem mysteriösen Eifersuchtsdrama. Plötzlich ist Lisa verschwunden, ein unbekannter Anrufer säuselt sehnsüchtig etwas ins Telefon, im Computer der Ehefrau findet sich ein mit „Love“ betitelter Ordner, und als das Kennwort endlich gefunden ist, betritt „er“ schließlich die Bildfläche: Ralph, gut aussehend (Typ Gucci), lebenshungrig und in der Vergangenheit zweifellos Lisas Liebhaber. Peter beginnt in ihrem Namen mit dem Fremden eine E-Mail-Korrespondenz und reist schließlich nach Mailand, um ihn dort „under cover“ aufzusuchen – in einem Schachcafé, dem für ein „Duell“ geradezu prädestinierten Schauplatz. „Der Andere“ ist eine Verfilmung von Bernhard Schlinks Kurzgeschichte „Liebesfluchten“; bei der Übersetzung von einem Medium ins andere ist dabei aber ganz offensichtlich einiges schief gelaufen. Man wird den Eindruck nicht los, dass hier eine Geschichte, der es an Stoff mangelt, künstlich aufgeblasen wird. Ein Großteil des Films wirkt daher wie unambitioniertes Füllmaterial. So verbeißt sich Peter beispielsweise wieder und wieder in die Fotos, die ein gemeinsames Liebeswochenende von Ralph und Lisa dokumentieren, doch aus dieser Wiederholung entwickelt sich schlichtweg nichts, weder Suspense noch emotionale Dramatik. Was bleibt, ist hingegen Redundanz und das Gefühl, sich orientierungslos durch eine etwas unmotivierte Erzählung zu bewegen – mit Figuren, deren exponierte Gefühle man kaum nachvollziehen kann. Auch die Idee, die Auflösung der Geschichte als spannungsvolles Thriller-Element zu nutzen, taugt nicht recht. Aus der Begegnung der beiden Kontrahenten entsteht keine wirkliche Reibung, ihr Verhältnis bleibt trotz Peters permanent behaupteter Aufgeregtheit seltsam lau. Dabei hätte die Figur des Liebhabers eigentlich ein interessantes Gegenüber abgeben können; denn Ralph ist eine Doppelgängerfigur und damit Lisa scheinbar gar nicht so unähnlich. Nach außen gibt er das Bild eines eleganten und weltmännischen Erfolgstypen ab, lebt in Wirklichkeit aber als Hausmeister in einer schäbigen Kellerwohnung. Mit Peter ist er auf komplizierte Weise verstrickt. Er vertraut sich ihm an, erzählt ihm von seiner Geliebten und entwirft damit eine Liebesgeschichte, die sich als reine Erzählung vermittelt, was übrigens auch eine Koinzidenz mit „Chloe“ ist. Zum anderen wird sein Begehren durch Peter erst richtig befeuert, der in Lisas Namen die Kommunikation fortführt und damit als „Autor“ an der Liebesgeschichte mitschreibt. Allerdings weiß der Film mit diesen Konstellationen dramaturgisch nichts anzufangen und flüchtet sich stattdessen in elegante Dekors und mondäne Drehorte. Selten haben Eifersucht und Verletzungen im Kino so langweilig und öde ausgesehen.

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