- | Frankreich 2010 | 82 Minuten

Regie: Quentin Dupieux

Ein abgefahrener Lkw-Reifen, der durch pure Willenskraft Dinge zum Explodieren bringen kann, beginnt auf den Spuren einer unbekannten Schönen eine skurrile, zunehmend blutiger werdende Odyssee. Unterhaltsam-anarchistische Groteske, die den verdrehten Nonsense und die dramaturgische Willkür zu Stilprinzipien erhebt und lustvoll mit den Erwartungen des Zuschauers spielt. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
RUBBER
Produktionsland
Frankreich
Produktionsjahr
2010
Regie
Quentin Dupieux
Buch
Quentin Dupieux
Kamera
Quentin Dupieux
Musik
Gaspard Augé · Quentin Dupieux
Schnitt
Quentin Dupieux
Darsteller
Stephen Spinella (Lieutenant Chad) · Jack Plotnick (Buchhalter) · Wings Hauser (Mann im Schaukelstuhl) · Roxane Mesquida (Sheila) · Ethan Cohn (Filmfan Ethan)
Länge
82 Minuten
Kinostart
27.01.2011
Fsk
ab 16 (DVD)
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.

Heimkino

Erhältlich als DVD, BD und "3-Disc Limited Collector's Edition" (BD + DVD + Soundtrack CD). Letztere enthält den Soundtrack zum Film auf separater CD sowie ein informatives 24-seitiges Booklet.

Verleih DVD
Capelight (16:9, 1.78:1, DD5.1 engl./dt.)
Verleih Blu-ray
Capelight (16:9, 1.78:1, dts-HDMA engl./dt.)
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Diskussion
„Warum ist der Außerirdische in Steven Spielbergs ,E.T.‘ braun?“ „Warum verlieben sich die Protagonisten in ,Love Story‘ ineinander?“ „Warum wird in Oliver Stones ,JFK‘ der Präsident plötzlich von einem Fremden ermordet?“ Mit solchen ironischen Fragen beginnt „Rubber“. Gestellt werden sie von einem Polizisten, der mitten in der kalifornischen Wüste aus dem Kofferraum eines Autos steigt, das davor im Zickzack-Kurs auf die Kamera zu und eine Reihe Stühle über den Haufen fuhr. Das gemahnt an groteskes Theater, auch weil der Polizist seine Fragen auch gleich beantwortet: „No reason“, für all das gebe es keinen Grund. In der Folge führt er aus, dass eben diese „Grundlosigkeit“ eines der wirksamsten Stilmittel der Filmkunst sei und „Rubber“ eine Hommage darauf. Das sich selbst deklarierende „Non-Sense-Movie“ ist der dritte Film von Quentin Dupieux, der sich nahtlos in dessen bisheriges – auch musikalisches – Schaffen eingliedert. Der unter dem Pseudonym Mr. Oizo bekannt gewordene Franzose landete 1999 mit dem Musikstück „Flat Beat“ einen riesigen Hit. Wie das dazugehörige Video und Berichte über seine früheren Filme „Nonfilm“ (2001) und „Steak“ (2007) nahe legen, ist das „No reason“ – oder das „grand n’importe quoi“ („großes Irgendwas“) – ein dupieuxsches Stilprinzip. Dem Genre nach ist „Rubber“ ein Thriller. Sein Held ist ein abgefahrener Lkw-Reifen namens Robert, der sich vor den Augen des staunenden Publikums, das in „Rubber“ den Dreharbeiten zu einem Film beiwohnt, aus dem Sand erhebt. Nach anfänglichem Zögern rollt Robert los und entdeckt alsbald, dass er eine besondere Fähigkeit besitzt: Er kann durch reine Willenskraft Dinge explodieren lassen, was er erst an einem Kaninchen und später an einem Raben ausprobiert, um dann einer jungen Schönheit im knallroten Cabriolet stracks ins nächste Motel zu folgen. Doch das ist bloß der Anfang eines Films, der zunehmend grotesker, abstruser, auch blutiger wird, und dessen Regisseur offensichtlich mit spitzbübischer Lust mit dem Medium und den Erwartungen des Zuschauers spielt. Ob man das als Gaudi empfindet oder ob man sich verschaukelt fühlt, lässt sich nicht voraus nehmen. Mit einer entsprechenden Grundhaltung kann man Dupieux’ Film als überaus spaßig empfinden. Eine zweite Sichtung des Films löst sogar Bewunderung aus: darüber, wie Dupieux lediglich mit einer digitalen Fotokamera Robert zum Rollen brachte und woher dieser Mann seine köstlich verdrehten Ideen hat.
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