Science-Fiction | USA 2014 | 113 Minuten

Regie: Doug Liman

Die Menschheit befindet sich im Krieg mit Außerirdischen, deren Invasion sie wenig entgegensetzen kann. Ein anfangs eher verweichlichter US-Major der PR-Abteilung landet unfreiwillig in einem D-Day-Szenario, bei dem die Menschen an der Küste Frankreichs eine letzte vergebliche Schlacht schlagen. Er kommt ums Leben - und wacht immer wieder auf, um in einer Zeitschleife die Schlacht stets neu zu erleben. Mit Hilfe einer mutigen Soldatin sucht er nach einem Weg, die Niederlage in einen Sieg zu verwandeln. Dank interessant konturierter Figuren und einem dramaturgisch geschickten Einsatz von Wiederholung und Variation gerät das martialische Kriegsspektakel nach einer japanischen "Light Novel" zum unterhaltsamen Popcorn-Kino. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
EDGE OF TOMORROW
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2014
Regie
Doug Liman
Buch
Christopher McQuarrie · Jez Butterworth · John-Henry Butterworth
Kamera
Dion Beebe
Musik
Christophe Beck
Schnitt
James Herbert
Darsteller
Tom Cruise (Lt. Col. Bill Cage) · Emily Blunt (Rita Vrataski) · Brendan Gleeson (General Brigham) · Bill Paxton (Master Sergeant Farell) · Noah Taylor (Dr. Carter)
Länge
113 Minuten
Kinostart
29.05.2014
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Science-Fiction

Heimkino

Die Standardausgabe (DVD) enthält keine erwähnenswerten Extras. Die umfangreicheren BD-Editionen enthalten u.a. eine Art "Making of" ("On the Edge mit Doug Liman", 43 Min.) mit Schwerpunkt auf der Arbeit des Regisseurs am Film sowie ein Feature mit im Film nicht verwendeten Szenen (8 Min.).

Verleih DVD
Warner (16:9, 2.35:1, DD5.1 engl./dt.)
Verleih Blu-ray
Warner (16:9, 2.35:1, dts-HDMA7.1 engl./dt.)
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Diskussion
„Hoch mit dir, du Made!“ Das ist nicht die Art von Satz, mit der man gerne geweckt werden möchte. Vor allem nicht, wenn man gerade auf sehr brutale Weise vom Leben zum Tode befördert wurde und völlig verstört davon ist, überhaupt wieder aufzuwachen. Dem amerikanischen Major Bill Cage passiert genau dies, nachdem er bei einem schrecklichen Gemetzel an der Küste Frankreichs, dem letzten vergeblichen Versuch der Menschheit, sich gegen eine Alien-Invasion zu verteidigen, sein Leben gelassen hat. Doch nun ist er wieder quicklebendig und zurück auf einem Militärstützpunkt in Großbritannien am Tag vor dem futuristischen D-Day, wo sich die Truppen sammeln, um in den Kampf zu ziehen. Bald ist er erneut in dem Flugzeug, das von den weißen Klippen Dovers aus auf den Kontinent übersetzt, findet sich wieder im Horror der Schlacht, bei der die Tentakel-bewehrten, blitzschnellen Außerirdischen den Menschen trotz deren hochgerüsteter Kampfanzüge gnadenlos überlegen sind, und muss einmal mehr blutig sterben – nur um wieder von einem Kameraden rüde aus dem Schlaf gebrüllt zu werden. Und wieder und wieder und wieder. Im Fluch der Zeitschleife, in der er offensichtlich gelandet ist, erkennt Cage bald mit Hilfe der mutigen Soldatin Rita die einzige Chance der Menschheit: Jede schmerzhafte Runde, die er drehen muss, ist ein Erfahrungswert, den er beim nächsten Mal nutzen kann – um schließlich einen Weg zu finden, das Blatt zu wenden. Das Kriegsszenario, das Doug Limans Film entfaltet, ist nicht gerade subtil: Es ist eine Art Konglomerat aus Erstem und Zweitem Weltkrieg, bei dem schlicht die Deutschen durch Tentakel-Monster ersetzt werden, die statt vom „Führer“ von einem so genannten Omega geleitet und kontrolliert werden, einer Art Bienenkönigin, von deren Bewusstsein alle ihre Untertanen abhängig sind. Die Implementierung der Zeitschleife-Thematik, interessant konturierte Figuren und eine souveräne Inszenierung machen aus dem abgedroschenen Alien-Invasion-Kriegsstoff höchst unterhaltsames Popcorn-Kino. Jenseits des Pathos, mit dem Tom Cruise in „Oblivion“ eine ähnliche Mission erfüllte, ist seine Figur hier zunächst angenehm unheroisch: Cage ist kein Kämpfer, sondern nur ein gutaussehender, etwas schmieriger PR-Sonnyboy zum Truppenanwerben, der nicht vorhat, sein Leben zu gefährden; als ihn ein britischer General (aus nicht näher erläuterten Gründen) an die Front schickt, leistet er Widerstand, wird als Deserteur in Handschellen zu seiner neuen Truppe geschickt und dort von allen verachtet. Als er in die Zeitschleife gerät, schenkt ihm niemand Glauben – bis er auf Rita trifft. Diese Vorbild-Soldatin hatte bei einer großen Schlacht bei Verdun dieselbe anomale Erfahrung gemacht und diese nutzen können, um den Menschen ihren bisher einzigen Sieg gegen die Aliens zu bescheren – bis sie die „Reset“-Gabe wieder verlor. Nun coacht sie Bill Cage. Und wird für ihn zum ganz persönlichen Grund, das bevorstehende Schicksal, das auch ihren Tod bedeuten würde, verändern zu wollen. Liman ist klug genug, der Chemie zwischen seinen beiden Hauptfiguren genug Raum zu geben, dass die sich langsam anbahnende Liebe zwischen den beiden das Spektakel emotional erden kann. „Edge of Tomorrow“ ist zwar durchaus martialisches Actionkino, das auf raffiniertere Psychologisierungen und nachdenkliche Zwischentöne verzichtet, aber er ist kein krachlederner No-Brainer à la „Battleship“ (fd 41 026), der mit einem Wust an Effekten über ein Nichts an Story hinwegtrösten müsste, sondern clever gebautes Genrekino. Das Spiel mit Wiederholung und Variation, das mit der Zeitschleife-Thematik einhergeht, wird an keiner Stelle ermüdend, vielmehr geschickt zur Figurenentwicklung und zum Spannungsaufbau genutzt; mitunter bleibt auch Raum für erleichternde komische Momente, die ein schönes Gegengewicht zur Tragik der Situation darstellen – wenn Cage mit seinem aus der Wiederholung gewonnenen Wissensvorsprung souverän den Militärapparat austrickst. Übung macht eben den Meister.

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