Western | USA 2015 | 169 Minuten

Regie: Quentin Tarantino

Ein Kopfgeldjäger und seine Gefangene landen mit der Postkutsche in einem verschneiten Städtchen in Wyoming, wo sie ein Schneesturm in eine Hütte zwingt, in der sechs undurchsichtige Gestalten sie in ein Wortgefecht verstricken, das auf eine gewaltsame Eruption zusteuert. Was als (Schnee-)Western beginnt, erinnert in der kunstvollen Mischung aus Klaustrophobie, Paranoia und gegenseitigen Verdächtigungen immer mehr an eine Agatha-Christie-Verfilmung. Die Inszenierung betont durch ihr extremes Breitwandformat die bedrängende Enge, die detailreichen Bilder zeigen jede Pore, die Darsteller haben sichtlich Freude an ihren überzeichneten Rollen. Trotz solch formaler Originalität haftet dem Film ein ernüchternder Beigeschmack an: Noch bombastischer lässt sich ein Kammerspiel kaum noch aufblasen.

Filmdaten

Originaltitel
THE HATEFUL EIGHT
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2015
Regie
Quentin Tarantino
Buch
Quentin Tarantino
Kamera
Robert Richardson
Musik
Ennio Morricone
Schnitt
Fred Raskin
Darsteller
Samuel L. Jackson (Major Marquis Warren) · Kurt Russell (John Ruth) · Jennifer Jason Leigh (Daisy Domergue) · Walton Goggins (Sheriff Chris Mannix) · Tim Roth (Oswaldo Mobray)
Länge
169 Minuten
Kinostart
28.01.2016
Fsk
ab 16; f
Genre
Western

Heimkino

Verleih DVD
Universum (16:9, 2.75:1, DD5.1 engl./dt.)
Verleih Blu-ray
Universum (16:9, 2.75:1, dts-HDMA engl./dt.)
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Diskussion
Der beliebteste Einspruch gegen die Postmoderne lautet, dass sie immer nur Aufgewärmtes hervorbringe. Alles war schon mal da, und hat früher überdies besser geschmeckt: frischer, authentischer, unverwechselbarer. Eine Zeit lang war das auch ein gängiges Argument gegen Quentin Tarantino: Seine Filme präsentierten nicht das Leben, sondern nur dessen x-ten Aufguss, mehrfach gefiltert durch mehr als hundert Jahre Kinogeschichte. Nicht, dass eine solche Einschätzung grundsätzlich falsch wäre oder sich daran etwas geändert hätte. Doch der amerikanische Regisseur hat mit seinem unendlichen Enthusiasmus und seiner kindlichen Freude am Kino wohl auch den letzten Kritiker zumindest von seiner persönlichen „Authentizität“ überzeugt; und überdies gibt es im US-Kino des letzten Vierteljahrhunderts paradoxerweise nur sehr wenige, deren Filme derart unverwechselbar wie die von Tarantino sind. Doch um es gleich vorwegzunehmen: „The Hateful 8“ wirkt wie ein Endpunkt seiner Ästhetik. Es dauert nur wenige Einstellungen, bis der erste „Tarantino-Moment“ kommt: Eine Kutsche rauscht durch ein Schneetreiben in den Gebirgsregionen Wyomings. Hinter einer Wegbiegung stoppt ein Mann den Sechsspänner und will mitgenommen werden. Der Afroamerikaner steht ganz allein in der Wildnis – sieht

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