Die Wahlkämpferin

Komödie | USA 2015 | 108 Minuten

Regie: David Gordon Green

Eine ehemalige geniale Wahlkampf-Strategin lässt sich überreden, dem früheren Präsidenten Boliviens zur Wiederwahl zu verhelfen. Einer der Gründe für ihr Engagement liegt darin, ihrem ewigen Rivalen, der die Opposition berät, eins auszuwischen. Auf den Spuren des Dokumentarfilms „Der gelenkte Präsident“ sowie wahrer Begebenheiten aus dem bolivianischen Wahlkampf 2002 bricht die Inszenierung den Stoff unterhaltsam-komisch auf eine Privatfehde herunter, vermag es aber nicht, die politischen und sozialen Hintergründe Boliviens sowie die Mechanismen des Polit-Geschäfts in den Blick zu nehmen. So steuert der Film vorhersehbar und schematisch auf ein pathetisches Ende zu. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
OUR BRAND IS CRISIS
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2015
Regie
David Gordon Green
Buch
Peter Straughan
Kamera
Tim Orr
Musik
David Wingo
Schnitt
Colin Patton
Darsteller
Sandra Bullock (Jane) · Billy Bob Thornton (Pat Candy) · Anthony Mackie (Ben) · Joaquim de Almeida (Castillo) · Ann Dowd (Nell)
Länge
108 Minuten
Kinostart
21.01.2016
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Komödie | Satire

Heimkino

Die BD enthält eine Audiodeskription für Sehbehinderte, allerdings nur in englischer Sprache.

Verleih DVD
Warner (16:9, 1.78:1, DD5.1 engl./dt.)
Verleih Blu-ray
Warner (16:9, 1.78:1, dts-HDMA engl., DD5.1 dt.)
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Sandra Bullock soll als Wahlkampf-Managerin dem bolivianischen Ex-Präsidenten zurück ins Amt verhelfen.

Diskussion
„Calamity“ Jane Bodine war einmal eine geniale Wahlkampf-Strategin. Doch schon ihr Spitzname deutet darauf hin, dass etwas gehörig schief gegangen sein muss. Seitdem lebt Jane in selbstauferlegter Inklusion in einer Blockhütte. Doch nun werden ihre Dienste benötigt. Pedro Castillo, der ehemalige Präsident von Bolivien, kann seine Wiederwahl eigentlich abschreiben: Er liegt in den Umfragen an fünfter Stelle, 28 Prozentpunkte hinter dem Favoriten. Jane hat überhaupt keine Lust, ihr Refugium zu verlassen. Doch ihr Erzrivale, Pat Candy, berät die bolivianische Opposition, und dies wäre die Chance, ihm nach vier Pleiten endlich zuvorzukommen. Nach der Überwindung anfänglicher Akklimatisierungsschwierigkeiten hat Jane das Problem erkannt. Castillo besitzt weder Charme noch Charisma. „Our Brand is Crisis“ (so der Originaltitel des Films), „Unser Markenzeichen ist die Krise“, bestimmt sie deshalb. Castillo solle fortan in Diskussionen und auf Veranstaltungen die sozialen und politischen Missstände in Bolivien gnadenlos anprangern, sich also auf die Themen konzentrieren. Allerdings hat Jane in Pat Candy einen Gegner, der jede Finte und jeden Winkelzug kennt. Aber auch Jane hat das ein oder andere As im Ärmel. Der neue Film des 40-jährigen Texaners David Gordon Green, der mit „Prinz Avalanche“ (fd 41 941) einen veritablen Indie-Hit landete, ist eine fiktionale Aufbereitung des im Original gleichnamigen Dokumentarfilms von Rachel Boynton, der als „Der gelenkte Präsident“ (gemeint ist Gonzalo Sanchez de Lozada) in Deutschland auf arte lief. Boynton setzte sich darin dezidiert mit den amerikanischen Einflussversuchen während des bolivianischen Wahlkampfes 2002 auseinander. „Die Wahlkämpferin“ beginnt allerdings ganz anders, amüsant nämlich, und für einige Minuten hegt man die Hoffnung, es mit einer bösen, aufklärerischen Satire à la „Tanner 88“, jener ingeniösen Mini-Serie von Robert Altman, zu tun zu haben. Für die Komik sorgt zunächst Sandra Bullock, die in Folge ihrer Höhenkrankheit durchaus in einen Eimer kotzt oder wehleidig auf der Couch hängt, während jeder klare Anweisungen von ihr erwartet. Bullock wandelt hier auf dem schmalen Grat zwischen befremdlich und liebenswert, herrisch und einnehmend, und manchmal kann man herzhaft über sie lachen. In Billy Bob Thornton hat sie einen ebenbürtigen Antagonisten, mit dem sie sich geschliffene Scharmützel liefert. Ihre widersprüchliche Beziehung ist das eigentliche Zentrum des Films. Zu dumm nur, dass sie den Wahlkampf in Bolivien, die Manipulation der Bevölkerung und die „Einordnung“ des Präsidenten auf eine Privatfehde herunterbricht. Man sollte darum nicht meinen, dass man hier etwas über die wahren Mechanismen des Polit-Geschäfts oder die gezielten Interessen der Amerikaner in Südamerika erführe. Green und sein Drehbuchautor Peter Straughan nehmen zwar die Perspektive der Wahlkämpfer ein, beschreiben diese aber als seelenlose Zyniker, die im Hintergrund die Fäden ziehen und die Politiker wie Marionetten dirigieren. Ihnen ist nichts heilig. Mit der politischen Wirklichkeit hat das wenig zu tun, mit der Boliviens schon gar nicht. Die Filmemacher interessieren sich gar nicht für das Land, seine Innenpolitik oder die Bevölkerung. Da nützen auch jene Szenen nichts, in denen Jane einen einheimischen Assistenten in dessen Favela besucht und anschließend mit ihm und seinen Freunden das Nachtleben unsicher macht. Dieses herablassende Interesse steht dem Film ihm Weg. Überdies endet er so vorhersehbar wie schematisch – mit einem Pathos, das man nur als große Enttäuschung empfinden kann. Deutsche Zuschauer dürfte überdies die Zweckentfremdung eines Fotos von Klaus Barbie irritieren, ein vermeintliches Zitat aus Goethes „Faust“ und die Darbietung der deutschen Nationalhymne. So wie hier hat man sie bestimmt noch nicht gehört.
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