Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln

Abenteuer | USA 2016 | 108 Minuten

Regie: James Bobin

Verfilmung von Lewis Carrolls zweitem "Alice"-Roman, konzipiert als Fortsetzung des Kinofilm "Alice im Wunderland" (2010) von Tim Burton. Als es Alice erneut in die magische Welt verschlägt, bekommt sie es mit der Zeit in Gestalt eines wunderlichen Potentaten zu tun. Um den Verrückten Hutmacher zu retten, will sie die Vergangenheit ändern, was die Zeit verhindern will. Das Fantasy-Epos baut Carrolls Figuren und Geschichten sowie das zauberhafte Set- und Creature-Design aus "Alice im Wunderland" originell aus und unterhält mit einer Fabel, in der es mehr um Lernprozesse als um eindimensionale Gut-Böse-Konstellationen geht. - Ab 10.

Filmdaten

Originaltitel
ALICE THROUGH THE LOOKING GLASS
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2016
Regie
James Bobin
Buch
Linda Woolverton
Kamera
Stuart Dryburgh
Musik
Danny Elfman
Schnitt
Andrew Weisblum
Darsteller
Mia Wasikowska (Alice Kingsleigh) · Johnny Depp (Verrückter Hutmacher) · Helena Bonham Carter (Rote Königin) · Anne Hathaway (Weiße Königin) · Sacha Baron Cohen (Zeit)
Länge
108 Minuten
Kinostart
26.05.2016
Fsk
ab 6; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 10.
Genre
Abenteuer | Fantasy

Heimkino

Die Standardausgabe (DVD) enthält keine erwähnenswerten Extras. Die umfangreichen BD Editionen enthalten indes einen Audiokommentar des Regisseurs sowie ein vom Regisseur kommentiertes Feature mit fünf im Film nicht verwendeten Szenen (9 Min.). Die BD enthält eine Audiodeskription für Sehbehinderte, allerdings nur in englischer Sprache.

Verleih DVD
Walt Disney (16:9, 1.85:1, DD5.1 engl./dt.)
Verleih Blu-ray
Walt Disney (16:9, 1.85:1, dts-HDMA7.1 engl., dts-HDMA dt.)
DVD kaufen
Diskussion
Zeit ist Geld!? Diese Behauptung, zu der sich eine Figur versteigt, kann Alice mit Fug und Recht abschmettern. Alice hat Zeit da nämlich schon persönlich kennengelernt: einen Potentaten in Gestalt von Sacha Baron Cohen, der in einem riesigen Schloss residiert und in dessen Brust eine nimmermüde Uhr tickt. Man kann ihm einiges unterstellen – einen verwegenen Modegeschmack, einen wunderlichen Akzent, eine fragwürdige Schwäche für die grausame Herzkönigin – aber nicht, dass er Geld ist. Dann vielleicht eher schon ein Dieb: Das ist das, was Alice zunächst von Zeit hält. Schließlich entreißt er den Menschen das, was sie lieben; in Alices Fall ihren Vater. Als es die junge Frau, die nach den Abenteuern im ersten »Alice im Wunderland«-Film (fd 39 777) zur verwegenen Seefahrerin wurde, wieder ins Wunderland verschlägt, legt sie sich denn auch prompt mit Zeit an. Sie glaubt, die Vergangenheit verändern zu müssen, um ihren Freund, den Verrückten Hutmacher, zu retten. Der ist in tödliche Schwermut verfallen, weil er um seine Familie trauert, die einst dem Jabberwocky zum Opfer fiel. Um ihm den Lebenswillen zurückzugeben, will Alice den Lauf der Zeit manipulieren und den Tod des Hutmacher-Clans verhindern. Zeit will das mit allen Mitteln verhindern. Das Sequel von Tim Burtons »Alice im Wunderland« kann, was sein Set- und Creature Design angeht, auf den Schultern eines Giganten stehen: Es greift die bezaubernde Gestaltung des Originals auf und spinnt sie fantasievoll weiter – was für den Filmgenuss schon die halbe Miete ist: Regisseur James Bobin inszeniert seinen »Alice«-Film als Augen-Kino, bei dem man von kleinen Requisiten-Details bis zu großen Effektsequenzen, wenn Alice verwegen durch den Ozean der Zeit segelt, in purer Schaulust schwelgen kann. Erzählerisch gelingt es sogar, das Original in mancher Hinsicht zu übertreffen. Das liegt am Drehbuch von Linda Woolverton, die auch schon Teil 1 geschrieben hat, sich nun aber mehr Freiheiten erlaubt: Wo Teil 1 im Kern eine simple Story vom Kampf einer guten Heldin gegen eine böse Tyrannin war, erlaubt sich Teil zwei mehr Komplexität; die Fronten zwischen Gut und Böse sind unklarer. Letztlich geht es nicht um den Sieg gegen einen Feind, sondern um Reifungsprozesse und ums Klären zwischenmenschlicher Beziehungen: Alice muss kapieren, dass man manche Dinge nicht mehr ändern, aber vielleicht von ihnen lernen kann, und ihre Freunde im Wunderland, der Hutmacher und die weiße Königin, müssen ihren familiären Ballast aufarbeiten. Während in Burtons Film ein gewisser Widerspruch herrschte zwischen Burtons Lust am Schrullig-Makabren und der cleanen Gut-Böse-Fabel, wirken hier der Look des Films und der Erzähltonfall insgesamt stimmiger. Was dem Film gelegentlich fehlt, ist allenfalls etwas Zeit. Mehr von Sacha Baron Cohens schräger Figur, die den charmantesten Cast-Zugang darstellt, und etwas mehr epischer Atem, um die vielen Ideen und visuellen Schmankerl des Films richtig würdigen zu können, hätten das Gute noch besser gemacht.
Kommentar verfassen

Kommentieren