Den Sternen so nah

Drama | USA 2017 | 121 Minuten

Regie: Peter Chelsom

Der erste Mensch, der auf dem Mars geboren wurde, kommt als 16-jähriger Teenager auf die Erde und reist mit seiner Internet-Freundin auf der Suche nach seinem unbekannten Vater durch den US-amerikanischen Südwesten. Mitunter amüsante, über weite Strecken aber allzu vorhersehbare Science-­Fiction-Romanze, die sich nach einem überlangen Prolog auf dem Mars zur Kaspar-Hauser-Geschichte eines einsamen Marsmenschen wandelt, der die Liebe entdeckt. Während die hanebüchenen naturwissenschaftlichen Details verschmerzbar wären, stören die vielen logischen Ungereimtheiten erheblich. - Ab 12.

Filmdaten

Originaltitel
THE SPACE BETWEEN US
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2017
Regie
Peter Chelsom
Buch
Allan Loeb
Kamera
Barry Peterson
Musik
Andrew Lockington
Schnitt
David Moritz
Darsteller
Asa Butterfield (Gardner Elliot) · Britt Robertson (Tulsa) · Gary Oldman (Nathaniel Shepherd) · Carla Gugino (Kendra) · B.D. Wong (Tom Chen)
Länge
121 Minuten
Kinostart
09.02.2017
Fsk
ab 6; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 12.
Genre
Drama | Science-Fiction

Heimkino

Die Extras enthalten u.a. ein Feature mit im Film nicht verwendeten Szenen, inklusive eines alternativen Filmendes (16 Min.).

Verleih DVD
Tobis/Universum (16:9, 2.35:1, DD5.1 engl./dt.)
Verleih Blu-ray
Tobis/Universum (16:9, 2.35:1, dts-HDMA engl./dt.)
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Science-Fiction-Teenie-Romanze von Peter Chelsom

Diskussion
Der Mars ist ein unwirtlicher Planet. Roter Sand, so weit das Auge reicht. Inmitten dieser Wüste erheben sich jedoch gläserne Kuppeln: die erste menschliche Siedlung. „Den Sternen so nah“, inszeniert von Peter Chelsom, beginnt als Science-Fiction-Film. Ein Entrepeneur hat das möglich gemacht. Die Besiedelung des Mars war Nathaniel Shepherds Lebensprojekt. Seine Figur ist offenkundig vom „Virgin“-Milliardär Richard Branson inspiriert. Der hat die Entwicklung des SpaceShipTwo für bemannte Touristenflüge ins All möglich gemacht. Gespielt wird er von Gary Oldman; auch optisch ist die Figur dem Vorbild angeglichen: knapp schulterlange Haare, Vollbart und ein unkonventionelles Auftreten. In der Regel durchmisst der Visionär in Jogginghosen die weiten Hallen des NASA-Hauptquartiers. Eine schöne Astronautin führt die erste Mission an, die vier Jahre dauern soll. Doch es kommt anders. Während des Flugs stellt sich heraus, dass die junge Frau schwanger ist. Das Baby kommt kurz nach der Landung zur Welt, doch die Mutter stirbt bei der Geburt. Das Kind kann nicht auf die Erde, weil seine Knochen, so der Plot, dem Eintritt in die Atmosphäre nicht standhalten würden. All das wird recht atemlos, in wissenschaftlichen Details hanebüchen und viel zu ausführlich erzählt, bis eine Schrifteinblendung das Geschehen 16 Jahre später verortet. Das Kind ist zum 16-jährigen Gardner herangewachsen. Sein bester Freund ist ein selbstgebauter Roboter. Gardner findet sich schlafwandlerisch sicher in der Raumstation zurecht, ist technisch und wissenschaftlich absolut auf der Höhe und hat in der Astronautin Kendra eine Ziehmutter. Sein Tor zur Welt – zur Erde – ist neben Filmen wie „Der Himmel über Berlin“ (fd 26 452), die die Wissenschaftler dort liegenlassen, das Internet. Über dieses hat Gardner eine terrestrische Freundin gefunden: die gleichaltrige Tulsa, eine Schulrebellin, die von ihren Klassenkameraden gemobbt wird. Ihr erzählt er, dass er an der Glasknochenkrankheit leide und deshalb an sein New Yorker Apartment gefesselt sei. Nach einer Operation darf Gardner doch noch auf die Erde. Der überlange Science-Fiction-Einstieg diente allerdings nur dazu, eine Kaspar-Hauser- oder Crocodile-Dundee-Geschichte vorzubereiten. Schon die Schwerkraft ist für Gardner gewöhnungsbedürftig; ihr ist sein staksiger Gang geschuldet. Gegen das helle Sonnenlicht trägt er eine Sonnenbrille. Gestelzt und gleichzeitig unverstellt geht er auf die Menschen zu. Dies sorgt für witzige Momente, ist allerdings eine eigenartige Setzung und wie der wissenschaftliche Überbau inkonsistent. Doch die Inszenierung spekuliert auf die Bereitschaft des Publikums, zugunsten der Teenie-Romanze alle logischen Ungereimtheiten zu ignorieren. Gardner und Tulsa begeben sich auf einen Road Trip quer durch den amerikanischen Südwesten, um Gardners Vater zu suchen. Auf dem Weg lernt der Marsmensch dann auch die Liebe kennen. Große Naturbilder zeigen das Paar in einer Landschaft, in der sie ganz alleine sind, was auf Gardners Herkunftsgeschichte referiert, aber auch die Gefühlswelt der beiden Teenager spiegelt. Asa Butterfield als Gardner spielt den Kaspar Hauser vom Mars überzeugend; sein Gegenüber Britt Robertson als Tulsa kann da nicht ganz mithalten. Der über weite Strecken recht vorhersehbare und mit zwei Stunden auch zu lange Film löst die Geschichte um Gardners Vater in einer lieblosen, fast schon unfreiwillig komischen Szene auf. Eine Konzentration auf das Road Movie beziehungsweise die romantische Komödie hätte der Inszenierung gut getan. Am Ende mündet alles in einer patriotisch-amerikanischen Feier der Familie und der Heimat: Roter Sand, so weit das Auge reicht.
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