Horrorfilm | USA/Norwegen/Kanada 2017 | 88 Minuten

Regie: Lars Klevberg

Eine Schülerin entdeckt, dass die Menschen, die sie mit einer alten Polaroid-Sofortbildkamera fotografiert, aus unerklärlichen Gründen dem Tod geweiht sind. Um vier Freunde, die sie auf einer Party abgelichtet hat, vor diesem Schicksal zu bewahren, versucht sie dem Geheimnis der Kamera auf die Spur zu kommen. Der nach einem Kurzfilm entstandene Horrorthriller verliert sich trotz einiger vielversprechender Ansätze in Redundanzen und vermag aus der Geschichte eines mit einem Fluch beladenen Lifestyle-Artefaktes weder Spannendes noch Verstörendes zu generieren. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
POLAROID
Produktionsland
USA/Norwegen/Kanada
Produktionsjahr
2017
Regie
Lars Klevberg
Buch
Blair Butler
Kamera
Pål Ulvik Rokseth
Musik
Philip Giffin
Schnitt
Peter Gvozdas
Darsteller
Kathryn Prescott (Bird Fitcher) · Tyler Young (Connor Bell) · Samantha Logan (Kasey) · Davi Santos (Tyler) · Katie Stevens (Avery)
Länge
88 Minuten
Kinostart
10.01.2019
Fsk
ab 16; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Horrorfilm
Diskussion

Horrorthriller um eine alte Polaroid-Kamera, die den von ihr abgelichteten Menschen den Tod bringt.

Technologie, ein unbekanntes Wesen? Bei der Polaroid-Fotografie spielen Physik, Chemie und Elektronik auf eigentümliche Weise ineinander und ergeben etwas, was auch ganz ohne Hokuspokus nicht ganz von dieser Welt zu sein scheint. Das quadratische Bild, das nach Betätigung des roten Sensor-Auslösers mit einem eigentümlichen Knarzen aus dem Apparat schnellt, gibt nach minutenlangem Ausbelichten an der frischen Luft peu à peu das nicht sonderlich scharfe oder farbechte Konterfei des gerade Aufgenommenen preis.

Das Verfahren wurde in den 1970er- und 1980er- Jahren nach der Firma benannt, die unter anderem jene legendäre faltbare Sofortbildkamera produzierte, die in dem Horrorfilm „Polaroid“ die tragende Rolle übernimmt.

 

Zufällige Schatten oder Vorboten des nahenden Todes

Dieser wunderbare schwammige Schnappschuss, der sich so wundersam vor den Augen des Betrachters entwickelt, ist geradezu prädestiniert fürs unheimliche Sujet. Denn wer weiß schon, was dieses „Teufelswerk“ noch so alles ausbelichtet, das hinter den Aufgenommenen in den dunklen Ecken kauert? Zufällige Schatten, Vorbeihuschendes oder die Vorboten des nahenden Todes?

Die junge Bird Fitcher hat die Polaroid SX-70 Kamera von einem Kollegen des Antiquitätenshops erhalten, in dem sie schon eine Weile jobbt. Der Apparat, dessen Herkunft nicht geklärt ist, übt eine große Faszination auf die introvertierte Künstlerin aus, die damit ein altes, inzwischen wieder äußerst hippes Ausdrucksmedium für sich entdeckt. Doch irgendetwas ist mit diesem sperrigen Artefakt aus der prädigitalen Phase des Bildermachens nicht in Ordnung. Zumindest bringt es den Abgelichteten kein Glück, wie sich Bird schon bald zusammenreimt. Denn alle sterben binnen Stunden eines gewaltsamen Todes.

Je genauer sich Bird ihre Schnappschüsse anschaut, desto mehr glaubt sie Schemen hinter ihren Freunden zu erkennen, die von einem Bild zum anderen wandern. Ist es ein böser Geist aus der Maschine? Und wenn ja, wie kann sie ihre vier Freunde warnen, die sie zuletzt auf einem Polaroid abgelichtet hat?

 

Unheimliches in den Ecken

Bilder, in denen sich etwas Unheiliges verewigt und die den Betrachter zum Mitwisser von etwas Schrecklichen machen, sind beliebte Ingredienzien von „gothic novels“. In „Ringu“ legte ein totbringendes VHS-Video sogar den Grundstein zur Hausse des japanischen Geister-Horrors. Da verwundert es nicht, dass auch andere Schauervarianten mit totbringender Multimediatechnik durchdekliniert werden.

Etwa eine Sofortbildkamera, die einer Gruppe junger Erwachsener ein Monster auf den Hals hetzt. Das hätte Horror im Stil der „Final Destination“-Reihe oder eines Klassikers wie „Der Fluch des Dämonen“ werden können. Doch in „Polaroid“ ergehen sich eine einfallslose Drehbuchautorin und ein wenig visionärer Regisseur darin, einen originellen Kurzfilm auf Spielfilmlänge zu dehnen.

Anstatt es dabei zu belassen, den Todesbringer „Fotoapparat“ im Diffusen, Unerklärlichen zu belassen, wird der Kamera durch einen wahnsinnigen Vorbesitzer eine wenig befriedigende „Vergangenheit“ verpasst. Und die Inszenierung „versuppt“ den mit einigen prägnanten, vor allem akustischen Gruselideen versehenen Film durch einen nebulösen Schleier, der um billiger Geisterbahn-Effekte willen selbst einen hell erleuchteten Raum in annähernde Dunkelheit taucht.

So stellt sich in dieser ermüdenden Aneinanderreihung relativ unspektakulärer Todesfälle innerhalb eines aus wenig interessanten Protagonisten bestehenden Freundeskreises letztendlich nur eine Frage: nämlich die nach dem Lichtschalter.

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