Auf der Jagd - Wem gehört die Natur?

Dokumentarfilm | Deutschland 2017 | 100 Minuten

Regie: Alice Agneskirchner

Ausgesprochen differenzierter und aufwändig produzierter Dokumentarfilm über Jagd, Jäger und die Verantwortung für die Natur in Deutschland. In lose miteinander verbundenen Kapiteln wird das Verhältnis von Jagd und Landschaft, Tieren und Nahrungsmitteln, Wolf und Jäger sowie dem Naturschutz generell ausgelotet. Befürworter wie Gegner der Jagd kommen gleichermaßen zu Wort; außerdem geht es um kulturelle Bilder und Überformungen im Spannungsfeld zwischen Moralisierung und Infantilisierung der Natur.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2017
Regie
Alice Agneskirchner
Buch
Alice Agneskirchner
Kamera
Johannes Imdahl · Owen Prümm
Schnitt
André Hammesfahr
Länge
100 Minuten
Kinostart
10.05.2018
Fsk
ab 6; f
Genre
Dokumentarfilm
Diskussion
Die Natur kann eigentlich nicht meckern. Zumindest nicht über den deutschen Film. Denn die Zahl der Dokumentarfilme, die sich in den letzten Jahren vehement auf ihre Seite schlugen, ist mehr als beachtlich. In der Regel kommt die Natur dabei gut weg, da zumeist die menschliche Kreatur als Ursache allen Übels am Pranger steht. Angesichts der vorherrschenden Schwarz-Weiß-Malerei und dem Hang, gängige Vorurteile zu bestätigen, könnte man über diese fraglos gut gemeinten Beiträge allerdings doch ins Grübeln kommen. Vor diesem Hintergrund überrascht der aufwändig produzierte Film „Auf der Jagd“ durch seinen unvoreingenommenen Blick aufs Thema. Denn zumindest vordergründig geht es hier dezidiert um Jäger, die allzu oft pauschal als skrupellose Bambi-Killer gebrandmarkt werden. Natürlich kommen hier Vertreter dieser Spezies zu Wort, die sich bei ihrem Tun aufs archaische Recht der Nahrungsbeschaffung berufen, in der nächsten Sequenz aber mit SUVs vorfahren, um voller Stolz die Trophäen der von ihnen erlegten Tiere vorzuführen. Auf der anderen Seite ist aber auch von amtlichen Abschussquoten die Rede, die dem Schutz des Nutzwaldes oder Maßnahmen gegen Lawinenabgänge dienen sollen. Die von den Bundesländern festgelegten Quoten richten sich danach, in welchem Maße Wildtieren die Interessen der menschlichen Zivilisation beeinträchtigen. Der Film von Alice Agneskirchner stellt die Aussagen von Befürwortern und Gegnern solcher Maßnahmen unkommentiert nebeneinander und überlässt es den Zuschauern, sich selbst eine Meinung zu bilden. Am stärksten ist er aber gerade dort, wo er die Protagonisten außen vor lässt und per Insert ein paar Fakten einstreut. Etwa, dass Jäger hierzulande Jahr für Jahr etwa 1,2 Millionen Tiere erlegen, während im selben Zeitraum in der industriellen Massentierhaltung über 600 Millionen Schweine, Hühner und Rinder geschlachtet werden, die, wie eine Jägerin erklärt, gewiss kein so gutes Leben hatten wie das von ihr erlegte Wild. Zwischendurch wartet der Film immer wieder mit Exkursen auf. Etwa mit Sequenzen über lebenslustige kanadische Algonquin-Indianerinnen, die auf ihrem traditionellen Recht der Jagd auf Elche beharren, inzwischen aber auch mit dem Geländewagen auf die Pirsch fahren. In Deutschland spielt sich das filmisch präsentierte Waidwerk vorwiegend in den Bayerischen Alpen und in Brandenburg ab, wo die Rückkehr des Wolfes ein Thema ist. Auch hier kommen Befürworter wie Gegner der Wiederansiedlung von Wölfen mit plausiblen Argumenten zu Wort. In ruhigen Einstellungen zeichnet der Film auf diese Weise ein differenziertes Bild der Jägerei, die zwischen lächerlich anmutenden Ritualen, Mythen und behördlich verordneten Abschussquoten ihren Platz behauptet. Auf der anderen Seite wird die Natur aber auch nicht zum kuscheligen Bambi-Paradies verklärt. So wie die Kamera den Abschuss von Wildschweinen und Gämsen verfolgt, ist sie gleichfalls dabei, wenn Wölfe ein Reh erlegen.
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