Schatzkammer Berlin - Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz

Dokumentarfilm | Deutschland 2017 | 91 Minuten

Regie: Dag Freyer

Ein Einblick in die schönsten Objekte der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, einer der fünf größten Universalsammlungen der Welt. Mit Zeitraffer und Zeitlupe werden einzelne Kunstwerke vorgestellt, ihre Herkunft erläutert und die Bedeutung für die Zeitgeschichte beschrieben. Kuratoren, Forscher und Restauratoren geben Einblicke in ihre Arbeit. Mit Hochglanzbildern, permanenten Erläuterungen und einer beständigen musikalischen Untermalung eher ein abendfüllender Werbeclip als ein künstlerisch verdichteter Dokumentarfilm.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2017
Regie
Dag Freyer
Buch
Dag Freyer
Kamera
Benjamin Wistorf · Johannes Imdahl · Sebastian Hattop · Martin Koddenberg
Schnitt
Philip Kießling
Länge
91 Minuten
Kinostart
17.05.2018
Fsk
ab 0; f
Genre
Dokumentarfilm
Diskussion
Die Kamera umkreist die Büste der ägyptischen Königin Nofretete im Berliner Neuen Museum. Und der Kommentar fasst zusammen, was jährlich Zehntausende Besucher bei ihrem Anblick empfinden: „Die Schöne ist vollkommen.“ Doch diese Nofretete ist nur eine von fünf Millionen Objekten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, einer der fünf großen Universalsammlungen der Welt. 19 Museen gehören zu dieser Stiftung, dazu eine der weltweit größten Bibliotheken sowie Archive und Forschungseinrichtungen. Ein Kompendium der Weltkulturgeschichte. Der Filmemacher Dag Freyer nähert sich dieser überwältigenden Sammlung in „Schatzkammer Berlin“ in Form eines abendfüllenden Werbeclips. Seine bevorzugten Stilelemente sind Zeitraffer und Zeitlupe. Im Sauseschritt geht es von Museum zu Museum, wobei das Berliner Alltagsleben am Betrachter vorbeirast und gelegentliche Luftaufnahmen einen Eindruck von der spektakulären Architektur der Gebäude vermitteln. In Zeitlupe werden dann die einzelnen hervorgehobenen Kunstwerke ins Spiel gebracht. Manchmal lässt der Regisseur die Kopie eines dieser Kunstwerke in künstlich gedrosseltem Tempo durchs Bild tragen, mitten durchs hauptstädtische Gewimmel, gleichsam nach dem Motto: Die Kunst gehört dem Volke. Oder: Die Schönheiten sind unter uns. Aus der Fülle der Schätze, deren Entstehungsgeschichte und kunsthistorische Bedeutung näher erläutert werden, wählten Freyer und sein Team neben der Nofretete unter anderem Hans Holbeins Porträt des Kaufmanns Georg Gisze, das Santa-Cruz-Boot aus der Südsee, die Grafiken Sandro Botticellis zu Dantes „Göttlicher Komödie“, Joseph Beuys’ Hauptwerk „Das Kapital Raum“ und das prunkvolle Empfangszimmer eines syrischen Kaufmanns, das „Aleppo-Zimmer“, aus – also Objekte aus allen Zeiten und Himmelsrichtungen. Mitunter fragt der Film nach der Herkunft und der Legitimität einiger Gegenstände in den Berliner Sammlungen. Gehört der spektakuläre, mit wertvollen Perlen bestückte Königsthron „Mandu Yenu“ aus der ehemaligen deutschen Kolonie Kamerun ins Ethnologische Museum – oder müsste er nicht längst ins Museum des Bamum-Stammes nach Kamerun gebracht werden? Für eine Antwort unternimmt Freyer eine Reise nach Afrika. Er beschreibt die Umstände, unter denen der Thron als Geschenk des damaligen Königs an Kaiser Wilhelm II. nach Berlin kam und erfährt, dass die heutigen Bamum-Repräsentanten den Königsthron als Botschafter ihrer reichen Kultur in Deutschland verstehen. Nicht alle Besitztümer der Stiftung Preußischer Kulturbesitz sind allerdings so unumstritten; der Provenienzforschung, also der Frage nach der Herkunft der Kunstwerke, kommt im Vorfeld der Eröffnung des Berliner Humboldt-Forums eine besondere Bedeutung zu. Allerdings wird dieses Thema hier bestenfalls gestreift. „Schatzkammer Berlin“ lässt in kurzen Statements eine Reihe von Kuratoren, Forschern und Restauratoren zu Wort kommen. Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, der Prähistoriker Hermann Parzinger, wird sogar auf der Suche nach historischen Zeugnissen, die vom „ältesten Schlachtfeld der Geschichte“ am Mecklenburg-Vorpommerschen Fluss Tollense übriggeblieben sind, begleitet. Doch auch hier verbleiben, wie an allen übrigen Orten und Gegenständen, nur ein paar Augenblicke, ehe die Werbeschau zum nächsten Punkt eilt. Als Co-Produzenten von „Schatzkammer Berlin“ sind das Auswärtige Amt, die Deutsche Welle sowie der RBB in Zusammenarbeit mit arte ausgewiesen. Es ist durchaus legitim, im Auftrag dieser Institutionen einen solchen Imagefilm zu produzieren. Wer allerdings auf künstlerische Verdichtung statt auf Hochglanzbilder wartet, auf stille beobachtende Momente des Museumsbetriebs statt auf einen erschöpfenden Kommentar nebst wucherndem Musikteppich, der ist hier an der falschen Adresse.
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