Horrorfilm | USA 2018 | 106 Minuten

Regie: David Gordon Green

Vierzig Jahre, nachdem der Psychopath Michael Myers in eine geschlossene Anstalt gesperrt wurde, gelingt dem personifizierten Bösen die Flucht. Ziel seines Blutdurstes ist einmal mehr eine Frau, die einst zu den wenigen Überlebenden zählte und seitdem als Einsiedlerin lebt. Zum 40-jährigen Jubiläum eines langlebigen Horror-Franchise entstandener Film, der sich allein auf den 1978 von John Carpenter inszenierten ersten Teil der Reihe bezieht. Ein Mangel an originellen Ideen wirkt dabei durchaus interessanten Ansätzen entgegen, sodass das banale Drehbuch am Ende auch die Heldin der Einfallslosigkeit preisgibt.

Filmdaten

Originaltitel
HALLOWEEN
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2018
Regie
David Gordon Green
Buch
Jeff Fradley · Danny McBride · David Gordon Green
Kamera
Michael Simmonds
Musik
John Carpenter
Darsteller
Jamie Lee Curtis (Laurie Strode) · Judy Greer (Karen Strode) · Andi Matichak (Allyson Strode) · Will Patton (Hawkins) · Virginia Gardner (Vicky)
Länge
106 Minuten
Kinostart
25.10.2018
Fsk
ab 16; f
Genre
Horrorfilm
Diskussion

Zum 40-jährigen Jubiläum des langlebigen Horror-Franchise, das John Carpenter 1978 mit "Halloween" begründete, muss es Laurie Strode (Jamie Lee Curtis) noch einmal mit dem Killer Michael Myers.

Alles auf Anfang! Zumindest fast. Wenn sich nach John Carpenter bereits acht Regisseure an zehn Sequels, Spin-offs und/oder Reboots des Klassikers „Halloween“ versucht haben, kann man leicht die Übersicht verlieren. Die Macher der 2018er-Neuverfilmung sehen das indes ganz entspannt. Geht es nach ihnen, soll der Zuschauer einfach alles, was seit 1978 in dem Franchise geschah, tunlichst ignorieren.

Für den Einstieg reicht das Vorwissen, dass Michael Myers, jene sagenumwobene Manifestation des Bösen, bereits in seiner Jugend mordete und als Erwachsener im besagten Jahr 1978 an Halloween in Haddonfield, Illinois, ein Massaker anrichtete. Danach wanderte er in die geschlossene Psychiatrie, wo er seither sein Dasein gefristet hat. Laurie Strode, die als eine der wenigen, die mit Michael Kontakt hatten, überlebte, hat in der Zwischenzeit eine Tochter, Karen, bekommen und auch bereits eine nahezu erwachsene Enkelin, Allyson. Doch für die nahe Verwandtschaft findet sie kaum mehr Zeit, da sie sich seit nunmehr vierzig Jahren auf einen einzigen Tag vorbereitet, nämlich jenen, an dem das Böse wieder freikommt. Sie will vorbereitet sein, um ihrerseits das zu töten, was ihr Leben so zur Hölle gemacht hat.

Laurie Strode wartet auf das Unvermeidliche: Die Rückkehr des Killers

Jamie Lee Curtis, die der Reihe über die Jahrzehnte in fünf Auftritten ein eindrücklicheres Profil gab als der psychopathische Maskenträger Michael, ist erneut in die Rolle von Laurie geschlüpft. Nun auch als ausführende Produzentin tätig, gibt sie ihrer Figur die Anmutung einer alten Einsiedlerin, die sich in einem abgelegenen Grundstück inmitten einer Schonung eingezäunt hat, um ihr Schicksal zu erwarten. Nur noch vagen Kontakt zu ihrer Familie haltend, gilt sie eher als Irre, die das Familienleben auf dem Gewissen hat; als Opfer, dem Mitleid und Linderung gebührt, wird sie von Tochter Karen längst nicht mehr gesehen.

Dann aber entwickelt sich alles, wie es für den Zuschauer vorauszusehen war: Klar, dass Michael Myers ausgerechnet zum Halloween-Fest verlegt wird. Klar, dass der Transport nie am vorgesehenen Ziel ankommt. Klar auch, dass die Behörden den über Jahrzehnte wenig kommunikativen Hünen unterschätzt haben. Klar schließlich, dass dieser nur daran denkt, sein Werk von einst blutig zu vollenden.

Inhaltlich wird also ganz und gar nicht alles auf Anfang gestellt, und das gleiche gilt auch für die Inszenierung. Zwar haben sich um Regisseur David Gordon Green neben Jamie Lee Curtis noch einige andere „Halloween“-Veteranen versammelt. Selbst John Carpenter gibt sich als ausführender Produzent und Ideengeber die Ehre sowie als filmmusikalischer Geist, der seinem Sohn Cody die eigene Partitur als Steinbruch für mannigfaltige Variationen überließ. Green zitiert zwar fleißig die Musik und ikonenhafte Kameraeinstellungen aus den vergangenen Filmen, doch kann er beides nicht zu jenem minimalistischen, archaischen Horror zusammenfügen, der Carpenter einst gelang. Suggestion verschwindet hier zugunsten von banalem Geisterbahnspuk.

So viel Frauenpower hätte eine würdigere Inszenierung verdient

Dass am Ende alles so kommt, wie es Laurie Strode prophezeit hat, ist der Regel des Franchises geschuldet und nicht der inneren Logik des Films. Die Polizisten sind erwartungsgemäß völlig überfordert, dürfen sich auf möglichst unappetitliche Weise abschlachten lassen und halten sich ansonsten aus allem heraus. Hier wäre eine Chance gewesen, die als starke und selbstbewusste Figur angelegte Laurie noch aufzuwerten, doch das Drehbuch schickt seine Heldin uninspiriert durch die enttäuschend schlichte Geschichte. Umrahmt von bräsigen Dialogen der Nebenfiguren verwandelt auch sie sich schließlich in eine absurde Karikatur. Mögen Drehbuchsätze wie „Ich bin Arzt, verriegeln sie die Tür“ oder Erkenntnisse wie, „Polizist verletzt, vermutlich tot“ im Angesicht eines leblosen Körpers mit zermalmtem Kopf noch unfreiwillig komisch wirken, ist die finale Auseinandersetzung zwischen Laurie und Michael eine einzige Zumutung: Wie ignorant müssen die drei Autoren von „Halloween“ (2018) sein, um für eine Frau, die sich vierzig Jahre lang auf die Konfrontation mit ihrem Erzfeind vorbereitet hat, nur eine solch dilettantische Festung zu erdenken! Deren Gitter keine Hindernisse darstellen, die außen hell erleuchtet, innen aber von chronischem Lichtausfall geplagt ist. Eine Festung, in der die drei Eingeschlossenen Laurie, Karen und Allyson nach allen Regeln der Logik Opfer werden müssten, angesichts der übermenschlichen Züge, mit denen Michael Myers auch in der 2018er-Version versehen ist.

Einem Film zum „Halloween“-Jubiläum, der mit derart viel Frauenpower aufwartet, hätte man zumindest einen klügeren, ernsteren, verstörenderen Abgang gewünscht. Denn im Gegensatz zum Werk von 1978 ist die Version von 2018 vor allem eines nicht: spannend!

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