A Star is Born (2018)

Drama | USA 2018 | 136 Minuten

Regie: Bradley Cooper

In einer Bar entdeckt eine berühmte Country-Musik-Ikone eine Sängerin. Nach anfänglichen Unsicherheiten verlieben sich beide ineinander, und der Star ebnet ihr den Weg zur großen Musikkarriere. Doch die Beziehung bleibt für den von Alkohol und Drogen gefährdeten Mann letztlich folgenlos. Ein weiteres Remake der ebenso archetypischen wie melodramatischen Geschichte von den Unbilden des Showgeschäfts. Der in die Jetztzeit transferierte Film versäumt es, die angedeuteten Statements gegen das erbarmungslose Musikbusiness auszuformulieren. Stattdessen kokettiert die Inszenierung mit dem Glamour und dem Kultstatus seiner Hauptdarstellerin Lady Gaga. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
A STAR IS BORN
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2018
Regie
Bradley Cooper
Buch
Eric Roth · Bradley Cooper · Will Fetters
Kamera
Matthew Libatique
Schnitt
Jay Cassidy
Darsteller
Lady Gaga (Ally) · Bradley Cooper (Jackson Maine) · Sam Elliott (Bobby) · Dave Chappelle (Noodles) · Anthony Ramos (Ramon)
Länge
136 Minuten
Kinostart
04.10.2018
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Drama | Musikfilm
Diskussion

Wodurch wird man ein Star? Durch Talent, Zufall, Beziehungen? Es ist wohl eine Mischung aus allem, zumindest wenn man der ewig aktuell erscheinenden Geschichte von „A Star is Born“ Glauben schenken will. Im Grunde handelt es sich dabei um den Märchenstoff vom verkannten „hässlichen Entlein“, das seiner Passion als Sängerin dort frönt, wo die Rettung in Gestalt eines Prinzen, der den Weg zu Ruhm und Ehre ebnet, eigentlich gar nicht nahen kann. Doch das Schicksal nimmt oft wundersame Wege. In der archetypischen Hollywood-Erfolgsgeschichte wird das Märchenhafte aber um den zynisch-bitteren Part des Musikgeschäfts erweitert, in dem es nur fremdbestimmte Karrieren gibt, Alkohol und Drogen den Ton angeben und Happy Endings teuer erkauft werden.

Die Kellnerin Ally ist schon gestresst genug, als sie am Abend in der Bar ihres Freundes ausgerechnet in der „Drag-Queen-Night“ auch noch ihr „La vie en rose“ ins Mikrofon improvisiert. Der Song findet jedoch das Gehör des Country-Musikers Jackson Maine, der sich hier nach einem erfolgreichen Konzert ein paar Drinks genehmigen will. Für die unbekannte Ally und den berühmten Jackson endet der Abend unverhofft. Die Misstrauische und der Misanthrop kommen sich näher, weniger physisch denn seelisch – und vor allem musikalisch. Es dauert nicht lange, bis Ally Vertrauen gefasst und Jacksons Zuneigung gefunden hat. Er nimmt die Hobby-Singer-Songwriterin mit auf die Bühne und singt zusammen mit ihr ihren Song. Doch während Ally immer selbstbewusster wird, funktioniert Jackson weiterhin nur mit Alkohol und Tabletten.

Was dann kommt, ist Geschichte – könnte man meinen. Denn bereits 1937 erzählte William A. Wellman in „Ein Stern geht auf“ von einer ganz ähnlichen, wenngleich gar nicht so märchenhaften Hollywood-Karriere. 1954 übersetzte sie George Cukor mit „Ein neuer Stern am Himmel“ in ein melodramatisches Musical vom Aufstieg eines Revuestars (Judy Garland) beim gleichzeitigen Abstieg ihres Geliebten (James Mason), der hier noch ein Filmstar ist. Und 1976 transformierte Frank Pierson die Story in „A Star is Born“ schließlich ein weiteres Mal in jene Tragödie zweier Sänger (Barbra Streisand und Kris Kristofferson) die der aktuellen, von und mit Bradley Cooper inszenierten Fassung von 2018 zum Verwechseln ähnlich ist.

Nichts gegen Remakes. Ohne sie wäre das Musiktheater nicht und das Kino nur schwerlich denkbar. Ohne sie hätte es Sternstunden wie Cukors „Ein neuer Stern am Himmel“ und dessen grimmige „New Hollywood“-Variante von 1976 nicht gegeben. Doch was macht die aktuelle Version zur schwächsten aller bisherigen Neuverfilmungen? Der Regisseur, der besser nur Schauspieler geblieben wäre, weil er sich in einen Alkoholiker so viel besser hineindenken kann als in einen Dramaturgen, der die Fäden zu einem virtuosen Ganzen verknüpfen muss? Der fehlende Mut, der die Geschichte in eine diffuse Jetztzeit transferiert, ohne sie wirklich weiterzubringen?

Wie wunderbar wäre es gewesen, wenn die Ansätze im Drehbuch der viel zu vielen Autoren (Will Fetters, Bradley Cooper, Eric Roth, Irene Mecchi, Stephen J. Rivele, Christopher Wilkinson) mutig zu Ende erzählt worden wären: von der Sängerin und Songschreiberin, die vom Country-Star entdeckt wird, Erfolg in der Liebe und im Beruf hat und mit dem Auftritt eines Erfolgsproduzenten zum Star avanciert, dabei aber innerlich verbogen und korrumpiert wird.

Der Bruch in dem anfangs überzeugenden und mitunter sogar ergreifenden Film beginnt in dem Moment, wenn die Inszenierung die Hauptfigur hintertreibt: als der Musikproduzent Rez hopplahopp die Szenerie betritt, um die Seele aus dem Singer-Songwriter-Girl herauszuproduzieren und aus ihr einen Popstar mit Musikvideos und Background-Tänzern zu machen.

Wenn die Inszenierung mutig gewesen wäre, hätte sie den Star daran zerbrechen lassen. Doch die Vorlage erzählt eine andere Geschichte. Und die passt auch viel besser zu jener Schauspielerin, die Ally im Film verkörpert: Lady Gaga, jene Pop-Ikone der 2000er-Jahre, die neben ihren unstrittigen gesanglichen Qualitäten vor allem als politisch nicht immer korrekte Glamour-Figur eine Weltkarriere gemacht hat. Diesem Star opfert der Film das letztes Drittel und damit seine Integrität. Es ist klar, dass eine Figur, die ähnliche Konzerte gibt und ähnliche Musik wie Lady Gaga macht, an diesem künstlerischen „U-Turn“ nicht zerbrechen darf. Deshalb muss man als Zuschauer dabei zusehen, wie andere zerbrechen. Die erzählerischen Ansätze, wie das Musikbusiness Talente zynisch verbrennt, werden bald fallengelassen. Rez ist nicht schlecht, weil er in einem schlechten System funktioniert; er ist schlecht, weil er ein schlechter Mensch ist.

All das gibt Coopers „A Star is Born“ einen faden Beigeschmack und erzählt letztendlich mehr über die Regeln, innerhalb der erfolgreiche Hollywood-Produktionen funktionieren (müssen), als über das eigentliche Zentrum der Handlung. „A Star ist Born“ (2018) ist zuallererst ein „Lady-Gaga-Film“ für Lady-Gaga-Fans, die ihr Idol für ein, zwei Momente gegen den Strich gebürstet erleben dürfen. Ein wenig zu kurz kommt Bradley Cooper, der als Regisseur zwar versagt, aber als Darsteller „Oscar“-reif spielt. Zu wenig Raum erhält auch Altmeister Sam Elliott in der kleinen, aber feinen „Supporting Role“ als Jacksons Halbbruder Bobby, der als Ausputzer allen Eskapaden und Verletzungen seines von Drogen zerfressenen Bruders widersteht. Nichts gegen Remakes, aber das hier ist eines der verschenkten Möglichkeiten.

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