Abenteuerfilm | USA 2018 | 113 Minuten

Regie: Rich Moore

Fortsetzung des Animationsfilms „Ralph reicht's“, in der die Welt der digitalen Figuren durcheinandergewirbelt wird, als der Betreiber der Spielhalle einen Internetzugang einrichtet. Auf ihrer Erkundungstour durch das Netz erkennt die Rennfahrerin Vanellope, wie sehr sie sich nach mehr Freiheit sehnt, während ihr Freund Randale-Ralph die altvertrauten Strukturen seines bisherigen Lebens schätzt und braucht. Die humorvolle Auseinandersetzung mit Mechanismen der Online-Welt verwandelt sich darüber zu einer berührend-klugen Geschichte über Freundschaft und wie viel Nähe und Übereinstimmung sie braucht. - Sehenswert ab 12.

Filmdaten

Originaltitel
RALPH BREAKS THE INTERNET
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2018
Regie
Rich Moore · Phil Johnston
Buch
Phil Johnston · Pamela Ribon
Musik
Henry Jackman
Schnitt
Jeremy Milton
Länge
113 Minuten
Kinostart
24.01.2019
Fsk
ab 6; f
Pädagogisches Urteil
- Sehenswert ab 12.
Genre
Abenteuerfilm | Animationsfilm | Komödie
Diskussion

In der Fortsetzung von „Ralph reicht’s“ drohen sich die Spielefiguren auf einer Tour durchs Internet im Rausch der Möglichkeiten zu verlieren. Glücklicherweise bleibt die humorvolle Auseinandersetzung mit den Mechanismen der Online-Welt in eine berührende Freundschaftsgeschichte eingebunden.

„Es ist neu. Es ist anders. Wir sollten uns davor fürchten.“ Für die digitalen Bewohner der Spielhalle, die fließend zwischen den unterschiedlichsten Spielautomatenwelten wechseln, ist das Internet Neuland. Doch nicht alle sind so abweisend wie der Aufpasser, der die technische Neuerung vorsichtshalber gleich absperrt. Der liebenswerte, aber etwas ungelenke Randale-Ralph und die Rennfahrerin Vanellope stecken voller Entdeckungsdrang. Vor allem aber sind die Möglichkeiten des Internets für sie die Rettung. Denn nur dort wird bei einem Online-Auktionshaus ein Ersatzlenkrad für den in die Jahre gekommenen Spielautomaten von Vanellopes Heimat-Game „Sugar Rush“ angeboten, der durch ein Missgeschick von Ralph kaputtgegangen ist und nun auf dem Schrotthaufen zu landen droht.

Die Fortsetzung von „Ralph reicht’s“, wo es um einen Game-Schurken ging, der eigentlich lieber ein Held sein wollte, beginnt inmitten eines popkulturellen Zitate-Kosmos: Da wird über den Spieleklassiker Pac-Man geredet, der Megadrive-Held Sonic taucht kurz als Stichwortgeber auf, nach Feierabend trifft man sich auf einen Absacker in der Bar des Spiels „Tapper“. Und als die Verbindung zum World Wide Web erst einmal steht, lässt es sich der Film nicht nehmen, mit Icons, Verweisen und Wortspielen die Mechanismen der realen Onlinewelt auf die Schippe zu nehmen und in aberwitzige Bilder zu packen, von der Search Bar über virale Videos bis hin zu lästigen Pop-ups.

Eine Geschichte, die zu Herzen geht

Wenn es „Chaos im Netz“ dabei belassen hätte, wäre der Film in die gleiche Falle getappt wie „Emoji - Der Film“. Doch die Inszenierung schlägt bald eine andere Richtung ein, die sich auf die große Stärke der Disney-Animationsfilme besinnt: eine Geschichte, die zu Herzen geht. Denn bald geht es um die Frage, wie man in einer Freundschaft mit Veränderungen umgehen kann.

Nachdem Ralph und Vanellope auf ihrer Erkundungstour durch das Netz, das hier eine konkret begehbare Welt und kein abstrakter Raum ist, versehentlich die Kaufsumme fürs neue Lenkrad auf eine utopische Summe hochgehandelt haben, müssen sie in kürzester Zeit im Internet das Geld dafür aufzutreiben. Als sie sich auf einen dubiosen Dealer virtueller Gegenstände einlassen, geraten sie in ein extrem düsteres Rennspiel, das Vanellopes Herz höher schlagen lässt. Genau so etwas hatte sie sich immer gewünscht. Neue Herausforderungen, mehr Freiheit, weniger Vorherbestimmung, Risiko – das Gegenteil von den immer gleichen, altbekannten Rennstrecken in ihrem eigenen Game. Während Ralph diese Welt schnell wieder verlassen will, beginnt Vanellope zu zweifeln. Will sie wirklich zurück? Oder wäre es nicht an der Zeit, ein neues Leben zu beginnen?

Aus dieser Frage erwächst eine handfeste Krise zwischen Ralph und Vanellope. Ralph fühlt sich verraten und will die Entscheidung seiner Freundin nicht akzeptieren. Beim Versuch, sie zu manipulieren, macht er mit der Hilfe eines Virus einen Fehler, der die gesamte Online-Ordnung in Chaos versinken lässt.

Ralph reift an seinen Fehlern

Bemerkenswert ist dabei, wie berührend der perfekt animierte CGI-Animationsfilm plötzlich wird und wie gut es ihm auf einmal gelingt, die Anspielungen und Internet-Gags mit dem Konflikt der Figuren zu verknüpfen. Vor allem Ralph darf Fehler machen, durch die er reift und wahrhaftig wirkt – und seinem Namen Randale-Ralph dabei alle Ehre macht.

Während die Zitate und selbstreferenziellen Witze sich eher an ein älteres Publikum richten – zu einem Highlight wird eine Begegnung von Vanellope mit allen Disney-Prinzessinnen von Schneewittchen bis zu Eiskönigin Elsa, die keineswegs mehr auf ihren Prinzen warten – finden durch die Freundschaftsgeschichte auch jüngere Zuschauer einen Zugang. „Chaos im Netz“ erzählt ziemlich klug und vielschichtig über eine Freundschaft im Wandel und wie Freunde sich verhalten sollten. Nach dem technisch zwar überzeugenden, aber inhaltlich eher belanglosen Anfang findet der Film so sein Kernthema, das weit über das Filmende hinaus nachhallt. Auch eine Freundschaft kann einen in ein Neuland führen. Und das ist nicht das schlechteste.

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