Manhattan Queen

Romantische Komödie | USA 2018 | 105 Minuten

Regie: Peter Segal

Eine engagierte Mitarbeiterin eines Supermarktes im New Yorker Stadtteil Queens geht bei der Besetzung des Chefpostens leer aus, weil sie keinen High-School-Abschluss besitzt. Erst als der Sohn einer Freundin ihren Lebenslauf inklusive einem gefälschten Facebook-Auftritt frisiert, steigt sie zur erfolgreichen Marketingberaterin auf. Die verkitschte, mit viel Zuckerguss überzogene Aschenbrödel-Komödie verschenkt allerdings die Chance, etwa über Bildung und Aufstiegschancen von Frauen in einer erfolgsorientierten Gesellschaft zu erzählen. Besonders ärgerlich ist, dass die Bildungsferne der Hauptfigur als authentisch und erstrebenswert geschildert wird. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
SECOND ACT
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2018
Regie
Peter Segal
Buch
Justin Zackham · Elaine Goldsmith-Thomas
Kamera
Ueli Steiger
Musik
Michael Andrews
Schnitt
Jason Gourson
Darsteller
Vanessa Hudgens (Zoe) · Jennifer Lopez (Maya) · Milo Ventimiglia (Trey) · Treat Williams (Anderson Clarke) · Dave Foley (Felix Herman)
Länge
105 Minuten
Kinostart
17.01.2019
Fsk
ab 0; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Romantische Komödie
Diskussion

Aschenbrödel-Komödie um eine Angestellte eines New Yorker Supermarktes, die mit einem frisierten Lebenslauf zur erfolgreichen Marketingberaterin aufsteigt.

Die US-amerikanische Sängerin und Schauspielerin Jennifer Lopez besitzt ein Faible für Sozialmärchen und verbreitet auch in ihrer Musikclips gerne, dass sie „still Jenny from the block“ sei. Das soll wohl besagen, dass sie sich als Privatperson wie auch als Entertainerin als Frau aus der Unterschicht versteht, die ihre Wurzeln nicht verleugnet, auch wenn sie nicht auf den Mund gefallen ist. „Street smart“, nennen die US-Amerikaner das, und meinen damit eine Gewieftheit, die mit der Kunst verbunden ist, sich auf den Straßen der Großstädte zu behaupten. Dummerweise geht diese ruppige Lebensklugheit aber meist mit einer unerträglichen Portion Anti-Intellektualismus einher, die Lopez in „Manhattan Queen“ eine falsche Überlegenheit verleiht. Für Bildungsbürger, die „ihre Kinder nach Früchten benennen und auf den Kilimandscharo steigen“, hat sie in dem Film nur Verachtung übrig.

Lopez ist auch die Produzentin des Films. Der Umstand, dass sie sich wie schon in der Komödie „Manhattan Love Story“ (2002) als Aschenbrödel verkauft, das es ganz nach oben schafft, ist bezeichnend für ihr Selbstverständnis – in Amerika kann es jeder schaffen, ob mit Schulabschluss oder ohne. Lopez hat dies als Tochter puertoricanischer Einwanderer vorgelebt. Dass sie sich mit der Verherrlichung dieses Mythos, der so gar nicht der Lebenswirklichkeit vieler US-Amerikaner entspricht, vom Publikum entfernt, hat die Schauspielerin dabei offenbar nicht bedacht.

Den Chefposten bekommt ein anderer

Lopez spielt Maya. Die ist Anfang 40 und schuftet seit Jahren als stellvertretende Filialleiterin in einem Supermarkt in Queens. Sie macht ihre Arbeit gut und umsichtig, und zu den Kollegen hat sie ein herzliches Verhältnis. In gewissem Sinne ist sie die Seele des Ladens, und eigentlich wäre es endlich Zeit für eine Beförderung. Doch den Posten des Chefs bekommt ein anderer, ein Mann mit Diplom und zahlreichen Fortbildungen. Maya hingegen besitzt kein Abitur. In ihrer Verärgerung kündigt sie fristlos und ist erst einmal arbeitslos. Bis der Sohn ihrer besten Freundin ihren Lebenslauf frisiert, inklusive einem gefälschtem Facebook-Auftritt. Prompt wird Maya zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen und erhält den Job einer Marketing-Beraterin bei einer Kosmetikfirma, weil sie so sachkundig daherredet. Ihr Boss (Treat Williams) formt aus seinen Angestellten zwei Teams, die im Wettkampf um die Entwicklung des besseren Produkts gegeneinander antreten. Fortan stolziert Maya in engen Pencil-Röcken die Büroflure entlang und sprudelt nur so vor Ideen – bis ihre falsche Identität auffliegt.

Das alles ist zu schön, um wahr zu sein. Natürlich muss eine Filmkomödie nicht durchgängig realistisch sein. Doch man darf das Publikum auch nicht für dumm verkaufen. Dass die Personalräte einer großen Firma wichtige Details im Lebenslauf übersehen und der Boss die neue Angestellte mit einem schicken Appartement und Kreditkarten überhäuft, ist ebenso an den Haaren herbeigezogen wie die neue Hautcreme-Formel, die Maya angeblich in kürzester Zeit entwickelt und in ein marktgerechtes Produkt verwandelt.

Fahrlässige Bildungsferne

Dabei hätte es hier um sehr viel mehr gehen können, um Bildung und den Aufstieg von Frauen in einer erfolgsorientierten Gesellschaft oder um die psychischen Folgen einer falschen Identität. Einmal erzählt Maya sogar von ihrer prekären Kindheit in Queens, von Armut und Leid. Doch der Film findet dafür keine Bilder. Stattdessen gibt es verlogenen Kitsch und Zuckerguss. Noch schlimmer aber ist die Behauptung, dass man mit großer Klappe und pfiffigen Ideen weiter kommt als mit einer anständigen Schullaufbahn. Die Bildungsferne, die hier so fahrlässig propagiert wird, besitzt nichts Attraktives.

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