Lampenfieber (2019)

Dokumentarfilm | Deutschland 2019 | 96 Minuten

Regie: Alice Agneskirchner

Dokumentarfilm, der fünf Kinder während der Entstehung des neuen Kinderstücks „Spiel mit der Zeit“ im Berliner Friedrichstadt-Palast, dem Theater mit dem größten Kinder- und Jugendensemble Europas, begleitet. Dabei werden nicht nur Casting, Proben und die Premiere verfolgt, sondern die jungen Darsteller auch in ihrem häuslichen Umfeld begleitet. Unaufgeregt beobachtet der eher an Fernsehkonventionen ausgerichtete Film, der sich vor allem an Kinder und Jugendliche richtet, das Geschehen, ohne einschlägigere Fragestellungen zu verfolgen. - Ab 12.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2019
Regie
Alice Agneskirchner
Buch
Alice Agneskirchner · Julia Penner
Kamera
Marcus Winterbauer
Musik
Benjamin Schlez · Berend Intelmann · Thomas Funk · Karsten Höfer
Schnitt
André Nier
Länge
96 Minuten
Kinostart
14.03.2019
Fsk
ab 0; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 12.
Genre
Dokumentarfilm
Diskussion

Doku über fünf Kinder, die an dem quietschbunten Stück „Spiel mit der Zeit“ am Friedrichstadt-Palast in Berlin mitwirken.

Die 12-jährige Maya steht bei den Tanzproben mitunter etwas verträumt in der Gegend herum. In der Elternsprechstunde wird ihr fehlender Ehrgeiz dann auch gleich angesprochen. Christina Tarelkin, die Direktorin des jungen Ensembles am Friedrichstadt-Palast in Berlin, will wissen: „Wo siehst du dich in zwei Jahren?“ – „Keine Ahnung“, meint Maya so aufrichtig wie altersgerecht. Diese Antwort kommt eher nicht gut an: „Was wünschen wir uns? Man sagt dazu auch Selbstbewusstsein.“

280 Kinder im Alter von sechs bis 16 Jahren erhalten am Friedrichstadt-Palast eine Bühnenausbildung. Jedes Jahr bewerben sich Hunderte auf die begehrten Plätze im größten Kinder- und Jugendensemble Europas; nur 20 bis 30 werden angenommen. In „Lampenfieber“ begleitet die erfahrene Dokumentar-, Image- und Werbefilmerin Alice Agneskirchner fünf Kinder während der Entstehung eines neuen Stücks.

Steinzeitmensch mit Dreadlocks

„Spiel mit der Zeit“ heißt die quietschbunte Show, die Ende 2017 uraufgeführt wurde. Drei Berliner Kids beamen sich mit ihrer defekten Spielkonsole versehentlich in andere Zeiten und Welten. Sie landen unter anderem im Wilden Westen, in der Wiener Klassik, im alten Ägypten und in der Zukunft. Maya sieht man als Steinzeitmensch mit Dreadlocks und orangefarbenem Kostüm in Flammenform über die Bühne stampfen, die 16-jährige Alex mit monströser Perücke und einem Reifrock, der sie wie eine Plastikfigur aussehen lässt.

Der Film betreibt selbst ein Spiel mit der Zeit, in Gestalt einer Countdown-Erzählung, angefangen bei den Castings über die Proben bis hin zu der Premiere vor 2000 Zuschauern. „7 Monate bis zur Premiere“, ist in bunten Kinderbuchstaben zu lesen, „2 Monate ...“, „1 Woche ...“.

Anfangs sind die Kinder nur Nummern in einer anonymen Masse – „Fangen wir an mit Nummer Drei“, heißt es bei der Casting-Besprechung. Im Laufe des Films lernt man die Kinder und Jugendlichen besser kennen; die Regisseurin folgt ihnen auch in ihr häusliches Umfeld, das bei einigen von Krankheit und der Erfahrung von Verlusten geprägt ist.

Ossi Glossy trifft Maya aus Syrien

Nicht alle treten so bescheiden wie Maya auf, die mit ihrer Familie von Syrien nach Deutschland migriert ist. Der exzentrische Oskar genießt in Youtube-Kreisen Celebrity-Status; er produziert als „Ossi Glossy“ Make-Up-Tutorials, manchmal schon sehr früh am Morgen, noch bevor er zur Schule geht. Sein Selbstbewusstsein – „Es gibt keine Jungen und Mädchen, nur Charaktere und Kopien“ – ist auch bei den Proben spürbar. Einmal kritisiert er Teile einer Choreografie als „albern“.

„Lampenfieber“ ist eine unaufgeregte, dem Format von Fernsehdokumentationen nahestehende Beobachtung. Die komödiantischen Musikeinsätze und die Typografie zielen eindeutig auf ein jugendliches Publikum. Eine wirkliche Fragestellung wird nicht verfolgt. Das titelgebende Gefühl spielt eher eine untergeordnete Rolle; auch das immer wieder artikulierte Begehren, auf der Bühne stehen zu wollen, wird nicht näher erforscht. Eher nebenbei fängt der Film eine Atmosphäre ein, in der die Mechanismen und Sprechweisen von Casting-Shows subtil widerhallen.

Kommentar verfassen

Kommentieren