Was Männer wollen (2019)

Romantische Komödie | USA 2019 | 117 Minuten

Regie: Adam Shankman

Überdrehtes Remake der Komödie „Was Frauen wollen“ (2000), in dem jetzt eine erfolgreiche afro-amerikanische Sportmanagerin durch einen Zaubertrank in die Lage versetzt wird, die Gedanken der Männer in ihrem Umfeld zu hören. Das hilft ihr beruflich enorm, verkompliziert aber gleichzeitig ihre Versuche, endlich einen Partner zu finden. Die romantische Komödie ist allerdings zu sehr auf die augenblickliche historische Situation hin konzipiert und mit politischen Ballast überfrachtet; zudem spart sie nicht mit schwer verdaulichen Gags und Anzüglichkeiten und stellt ihre „Blackness“ viel zu klischeebehaftet aus. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
WHAT MEN WANT
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Adam Shankman
Buch
Tina Gordon · Peter Huyck · Alex Gregory
Kamera
Jim Denault
Musik
Brian Tyler
Schnitt
Emma E. Hickox
Darsteller
Taraji P. Henson (Ali Davis) · Tracy Morgan (Joe "Dolla" Barry) · Aldis Hodge (Will) · Wendi McLendon-Covey (Olivia) · Josh Brener (Brandon Wallace)
Länge
117 Minuten
Kinostart
14.03.2019
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Romantische Komödie
Diskussion

Überdrehtes Remake der Komödie „Was Frauen wollen“ (2000), in dem nun eine erfolgreiche afro-amerikanische Sportmanagerin durch einen Zaubertrank die Gedanken der Männer hören kann.

In gewissem Sinne hat die westliche Welt auf diesen Film gewartet – oder ihn befürchtet, das kommt ganz auf den Standpunkt an. Auf jeden Fall hat sie ihn verdient. Nun ist er da, und man muss sich zu ihm verhalten.

Das Remake von Nancy Meyers’ Überraschungserfolg „Was Frauen wollen“ (mit einem sehenswerten Mel Gibson in einer ungewohnten Rolle) ist allzu sehr auf den augenblicklichen historischen Moment kalkuliert, auf das gesellschaftliche Klima dieser Tage, um als eigenständiges Werk bestehen zu können; das ist ein kardinaler Fehler des Films – und nicht sein einziger. „Was Männer wollen“ ist zu laut, zu übertrieben in fast allem, was er erzählen möchte, und – das Todesurteil für eine romantische Komödie – kaum jemals wirklich komisch. Sein Humor ist platt, zielt meistens auf das Eine und wirkt sehr ausgerechnet.

Die „gläserne Decke“ weißer Netzwerke

Alison „Ali“ Davis (Taraji P. Henson) ist eine schwarze Frau „in ihren besten Jahren“, selbstbewusst, extrovertiert, eine erfolgreiche Sportmanagerin. Sie sieht sich nur mit zwei Problemen konfrontiert. In ihrer Karriere ist sie schon öfters heftig gegen die sogenannte „gläsernen Decke“ gestoßen, ist also, wie sie es empfindet, Opfer der Undurchdringlichkeit weißer, männlicher Netzwerke und Codes geworden, die ihr trotz unbestreitbarer Topleistung („Wir sind hier eine Meritokratie“) verwehren, in den illustren Zirkel der Partner ihrer Agentur aufzusteigen. Und sie ist Single, was in ihr entgegen jedem aufgeklärten Feminismus ein nagendes Gefühl der Leere und Nutzlosigkeit auslöst.

Hier wird das im Grunde konventionelle Bild, das der Film vom zeitgenössischen Geschlechterverhältnis zeichnet, „zur Kenntlichkeit entstellt“ (Ernst Bloch). Sie funktioniere eben „nicht gut mit Männern“, heißt es im Job über Alison. Solches bespricht sie ausgiebig mit ihrem Kreis bester Freundinnen, die mit ihren widersprüchlichen Ratschlägen allerdings keine wirkliche Hilfe sind. Bis ihnen in Partylaune die Schnapsidee kommt, eine echte afrikanische Schamanin zurate zu ziehen, die nach viel albernem, haarsträubend klischeehaftem Hin und Her mit einem Zaubertrank aufwartet, der die aus dem Vorgängerfilm bekannten Wirkungen zeitigt – und Konsequenzen nach sich zieht: Ali kann fortan die ungefilterten, oft kindischen, in den meisten Fällen nicht druckreifen Gedanken der Männer in ihrer Umgebung „hören“ – auch die ihres ungemein schwulen Assistenten (Josh Brener), bei dem das für gesteigertes Augenrollen und mehrfach herunterklappenden Unterkiefer sorgt.

Im Überschwang des ersten Erfolgs

Mit dieser Superkraft gelingt es Ali im Handumdrehen, auf beruflichem Felde gründlich aufzuräumen und ihre männlichen Kollegen in Erstaunen zu versetzen, mit welch magischer Leichtigkeit sie versteht, was die Kunden (alles Männer) wollen.

So weit, so gut. Wäre da nicht der im Überschwang ihres neuen Erfolges nach ein paar Drinks abgeschleppte Barkeeper Will (Aldis Hodge), zu dem und dessen kleinen Sohn eine unter diesen Umständen äußerst unglaubwürdige Beziehung beginnt.

Bezeichnenderweise hilft Ali ihre Gabe im Bereich der zwischenmenschlichen Kommunikation zunächst wenig; der Segen droht vielmehr wie im Märchen zum Fluch zu entarten, und das unvermeidliche Happy End baut auf einem solchen Durcheinander von Indiskretionen, Vertrauensbrüchen und falschen Vorstellungen auf, dass auch den optimistischsten Geist Zweifel überfallen. Davor hat eine böse Fee jedoch jede Menge für den europäischen Geschmack schwer verdaulicher Gags und für US-amerikanische Filmbewerter ungeheuerliche Sex-, Fluch- und Kirchenszenen gesetzt (für Regisseur Adam Shankman der erste „R-Film“).

Überlastet durch Zeitkritik & politischen Ballast

„Was Männer wollen“ überfrachtet als um- und überdrehtes Remake die durchaus belastbare Vorlage mit tendenziell unkomischer Zeitkritik und im weitesten Sinne politischem Ballast. Der Plot ist zu eindimensional angelegt, der Film zu hektisch, bisweilen geradezu hysterisch und in all seiner „Blackness“ auch zu klischeebehaftet, um in seinem Genre überzeugen zu können. Andererseits bietet er nicht genug an, um in ihm mehr sehen zu können als eine missratene romantische Komödie. Taraji P. Henson überspielt in ihrer teils schrillen Bombastik die wenigen erträglichen Momente des Drehbuchs und stellt Verweise auf zeitgenössische schwarze Popkultur zu stark aus; auch Nebendarsteller wie etwa Richard Roundtree als leidgeprüfter, aber stets besonnener Vater haben gegen sie keine Chance.

Alle sind jedenfalls erleichtert, als sich Ali irgendwann den Kopf stößt, womit der Bann gebrochen ist: Sie hat ihr Leben wieder!

Gibt es eine Moral von der Geschicht’? Lässt sich aus ihr etwas Sinnvolles für den Alltag einer Working Mom entnehmen? Wohl kaum. Und wie das seit „Tristan und Isolde“ so ist mit märchenhaften Zaubertränken: Sie können nichts erreichen, was die Berauschten nicht schon in sich tragen und von selbst vermöchten; anderenfalls lösen sie jenen panischen Schrecken aus, der Ali zu Beginn ihrer „Verwandlung“ ergreift: eine Horrorvorstellung!

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