Der Junge, der den Wind einfing

Drama | Großbritannien 2019 | 113 Minuten

Regie: Chiwetel Ejiofor

Ein 13-jähriger Bauernsohn aus Malawi interessiert sich Anfang des 21. Jahrhunderts brennend für Physik und Elektronik. Doch nach Missernte und Trockenheit kann sein Vater das Schulgeld nicht mehr bezahlen. Der Junge muss auf den vertrockneten Feldern arbeiten, obwohl er eine Windmühle bauen und Brunnenwasser auf die Ackerflächen pumpen will. Ein packendes Drama nach einer authentischen Begebenheit, das zunächst aufmerksam die dörflichen Lebensbedingungen beschreibt, ehe es mit den Mitteln des Gefühlskinos vom Kampf des Jungen um eine Verbesserung der Lebensumstände erzählt. Der Tonfall ist mitunter zwar arg anrührend-versöhnlich, doch das leidenschaftliche Plädoyer für die Macht der Bildung nimmt für sich ein. - Ab 12.

Filmdaten

Originaltitel
THE BOY WHO HARNESSED THE WIND
Produktionsland
Großbritannien
Produktionsjahr
2019
Regie
Chiwetel Ejiofor
Buch
Chiwetel Ejiofor
Kamera
Dick Pope
Musik
Antonio Pinto
Schnitt
Valerio Bonelli
Darsteller
Maxwell Simba (William Kamkwamba) · Chiwetel Ejiofor (Trywell Kamkwamba) · Aïssa Maïga (Agnes Kamkwamba) · Lily Banda (Annie Kamkwamba) · Joseph Marcell (Häuptling Wembe)
Länge
113 Minuten
Kinostart
-
Pädagogisches Urteil
- Ab 12.
Genre
Drama
Diskussion

Ein 13-jähriger Bauernjunge aus Malawi kämpft darum, mit einem Windrad Wasser auf die vertrockneten Äcker zu pumpen und damit die Lebensbedingungen seines Dorfes zu verbessern.

Chiwetel Ejiofor kennt man vor allem als attraktiven Schauspieler mit charismatischer Ausstrahlung, sowohl in Blockbustern als auch in Arthouse-Filmen (12 Years a Slave). Jetzt legt der 1977 in London geborene Sohn nigerianischer Eltern sein Regiedebüt vor. Dabei war es für den Regisseur selbstverständlich, nach Afrika zurückzugehen und dort nach einer Geschichte zu suchen, die sich mit spezifisch afrikanischen Problemen auseinandersetzt –  mit den Auswirkungen des Klimawandels etwa oder der wachsenden Industrialisierung, aber auch mit Armut und mangelnder Bildung. Ejiofor wurde fündig – bei einer wahren Begebenheit.

Schauplatz ist ein kleines Dorf in Malawi im Jahr 2001. Hier wohnt der 13-jährige William Kamkwamba mit seinen Eltern, die von der Landwirtschaft leben, sowie seiner größeren Schwester. William ist ein aufgeweckter Junge, der sich für Physik und Elektronik interessiert. Für die Nachbarn repariert er kaputte Radios, auf dem Schrottplatz sammelt er alte Batterien, Drähte und Kupfer. Stolz geht er zur Schule und verbringt seine Freizeit in der dazu gehörigen Bibliothek, um Physikbücher zu verschlingen. 

Es drohen Hunger und Trockenheit

Doch dann vernichtet ein Regen die Ernte. Trockenheit und Hungersnot bedrohen das Dorf; die ersten Bewohner ziehen weg. Schlimmer noch: Williams Vater, dargestellt von Ejiofor selbst, kann das Schulgeld nicht mehr bezahlen, William muss auf den vertrockneten Feldern helfen. Von der Schule verwiesen, schleicht er sich heimlich in die Bücherei. Ein US-amerikanisches Buch für Achtklässler hat es ihm besonders angetan: „Using Energy“. William will nämlich eine Windmühle bauen, um mit der so erzeugten Kraft das Wasser von einem Brunnen auf die Felder zu pumpen. Wegen des Dynamos, der Kurbeln und der Kette braucht er dafür das Fahrrad seines Vaters. Doch der hat für die Flausen seines Sohnes kein Verständnis.

Zu Beginn entdeckt man die Welt des Jungen aus Williams Augen; man sieht das, was er sieht: die Streitereien in der Familie, die Diskussion ums Geld, die harte Arbeit auf den Feldern, die Strapazen des Alltags, das Abwandern der Dorfbewohner, eine verbotene Liebesgeschichte zwischen Williams Schwester und seinem Klassenlehrer.

Hilfe und Empathie gelten wenig

Der Film beleuchtet auch die politischen und sozialen Zusammenhänge und Hintergründe. Einmal lässt ein eitler Lokalpolitiker auf einer Wahlveranstaltung einen missliebigen Gegenredner einfach verprügeln; es geht also auch um Korruption und Machtmissbrauch. In diesen Szenen ist der Film äußerst aufschlussreich, weil er ein brüchiges staatliches Gefüge beschreibt, in dem Hilfe und Empathie für die Notleidenden nichts gelten. Mit der Hungersnot ändert sich der Ton des Films; Plünderer bedrohen das Dorf, die Schule muss schließen. Für die Not der Menschen findet Ejiofor allerdings nur wenige Bilder und Szenen; die Schauspieler selbst dürfen den körperlichen Verfall kaum zeigen.

Fortan konzentriert sich die Inszenierung auf die Bewährung des jungen Helden. Als Zuschauer wünscht man sich förmlich, dass der sture Vater endlich nachgibt und der Junge mit seinem angelesenen Wissen und den erworbenen Fähigkeiten Erfolg hat.

Die Macht der Bildung

Ein wenig zu anrührend, zu versöhnlich und auch zu konventionell steuert der Film auf das Happy End zu, an dem es keinen Zweifel gibt. Doch weil es hier um mehr geht, um die Macht der Bildung, um Selbsthilfe und das Festhalten an sich und seinen Träumen, aber auch um die Versöhnung der Generationen, kann man dem Regisseur nicht böse sein. Er weiß, dass Afrika Erfolgsgeschichten wie diese dringend braucht.

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