Renzo Piano - Architektur des Lichtes

Dokumentarfilm | Spanien 2018 | 65 Minuten

Regie: Carlos Saura

Der spanische Meisterregisseur Carlos Saura begleitet den italienischen Architekten Renzo Piano bei der Vorbereitung und dem Bau des Centro Botin im nordspanischen Santander. Eine filmische Langzeitbeobachtung, in der Pianos Gedanken und Intentionen viel Raum gegeben wird. Der Architekt fühlt sich als eine Art Menschenbesserer, weil seine Bauwerker aus einem Gefühl der Humanität und der Verantwortung für den zivilisatorischen Fortschritt heraus entstehen. Der Regisseur betrachtet ihn als Bruder im Geiste. Diese Wesensverwandtschaft mündet allerdings nicht in ein philosophisches Filmessay, sondern in einem relativ konventionellen Bericht. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
RENZO PIANO - L'ARCHITETTO DELLA LUCE
Produktionsland
Spanien
Produktionsjahr
2018
Regie
Carlos Saura
Buch
Renzo Piano · Carlos Saura
Kamera
Raúl Bartolomé
Länge
65 Minuten
Kinostart
04.04.2019
Fsk
ab 0; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Dokumentarfilm
Diskussion

Dokumentarfilm über den Bau des Centro Botin in Santander, in dem den Gedanken und Intentionen des Stararchitekten Renzo Piano breiter Raum eingeräumt wird.

Als Carlos Saura gebeten wurde, einen Film über Renzo Piano und den Bau des Centro Botin in Santander zu drehen, zögerte er nicht lang. Immerhin eröffnete sich ihm dadurch die Chance, die Entstehung eines modernen, ebenso experimentellen wie funktionalen Bauwerks von der Planungsphase bis zur Indienstnahme zu verfolgen, Fürsprechern und Widersachern Raum zu geben und die Arbeitsweise des renommierten Architekten in Bildern erlebbar zu machen. Die rund siebzig Minuten, die „Renzo Piano – Architekt des Lichts“ dauert, sind für all dies allerdings zu knapp; das Ergebnis, das ein zauberisches Essay hätte werden können, ist am Ende doch nur ein relativ konventioneller Bericht geworden.

Ein neues Wahrzeichen

Zu Beginn fliegt, begleitet von Tönen aus der Fünften Sinfonie von Gustav Mahler, die Kamera über das Centro Botin hinweg, des in der Bucht von Santander errichtete Gebäude, das an der Stelle eines nur zweimal pro Woche geöffneten Parkplatzes entstand und zum neuen Wahrzeichen der nordspanischen Stadt avancierte. Für den italienischen Stararchitekten Renzo Piano, der zuvor unter anderem das Centre Pompidou oder den New York Times Tower in Manhattan verantwortet hatte, ist der Komplex eine „Utopie, die im Hier und Jetzt erschaffen wird“. Der Bau sollte nach seinen Worten einen „feinen roten Faden zwischen Technik und Poesie“ spinnen: Dazu tragen unter anderem jene 270.000 Keramikfliesen bei, bei der jede Kachel das Licht anders reflektiert, was zu einem magischen Flirren zwischen dem Gebäude und den umgebenden Bäumen führt.

Wie in all seinen Werken hat Piano auch hier die Umgebung mitbedacht: die Stadt, deren Seele er sich in langen Spaziergängen erschließt; das Meer, das besondere Licht. Um das 20.000 Tonnen schwere Gebäude gleichsam zum Schweben zu bringen und den Durchblick zum Atlantik zu ermöglichen, entwickelte der Architekt eine Säulenkonstruktion. Hinzu kam ein Tunnel für den Autoverkehr, unterhalb des Baus, der jetzt statt von Straßen von einem Park umgeben ist.

Dokumentieren, wie die Vision lebendig wird

Diese Ideen stießen nicht auf ausschließliche Gegenliebe, was der Film kurz erahnen lässt: In der Anfangsphase kommen Einwohner zu Wort, die das Centro Botin als störend für den Übergang zwischen Land und Wasser empfinden, als Fremdkörper; das „Herz der Stadt“ würde verletzt. Bei solchen Bürgerprotesten hält sich Saura allerdings nur knapp auf, wichtiger ist ihm zu dokumentieren, wie Pianos Vision lebendig wird.

Vom Computermodell der Jahre 2011/12 zu den ersten praktischen Arbeiten ist es nur ein kurzer Schritt. Mit dem Bau wurde schon begonnen, als die Entwürfe noch längst nicht fertig waren. Der während der Bauarbeiten im September 2014 verstorbene Sponsor Emilio Botin, Präsident der Banco de Santander, drängte darauf. Zu Pianos Aufgaben gehörte es, Verzögerungen und Extrakosten zu vermeiden, doch auch über die damit verbundenen Konflikte teilt der Film nur wenig mit.

Dagegen erhalten Pianos philosophische Reflexionen breiten Raum: „Licht ist für mich der wichtigste Baustoff. Ein Stoff, der schwebt und schwingt. Wie Wasser.“ – „Gebäude sind oft am schönsten, wenn sie noch unfertig sind.“ – „Architektur ist eine gemeinnützige Kunst, die dazu beitragen kann, die Welt zu retten.“ – „Orte, an denen Schönheit zelebriert wird, helfen, die Menschen zu bessern und eine Stadt lebenswerter zu machen.“ – Oder auch: „Architekt zu sein ist ein rätselhafter Beruf.“ Einmal erinnert sich Piano an seine Freundschaft mit Roberto Rossellini und dessen Hinweis: „Achte nicht auf dein Gebäude, sondern wie es sich in den Augen der Menschen widerspiegelt.“

Eine Art Testament

Es ist erstaunlich, dass Saura diese Sentenz nicht aufgreift und während der Eröffnung des Centro Botin tatsächlich in die Augen der Besucher blickt. Stattdessen gibt es lange Totalen, meist aus der Vogelperspektive, von Gästen, die sich wie Ameisen, mit einem Glas Sekt in der Hand, auf den Außenflächen des Baus bewegen: entrückt und ohne Gelegenheit zu einem Kommentar.

Renzo Piano und Carlos Saura fühlen sich, das ist offensichtlich, wie Brüder im Geiste. Beide seien Perlentaucher, sagt der Architekt, „ein Beruf, der vom Aussterben bedroht ist“. Künstler, die ihre Arbeit aus einem Gefühl der Humanität heraus betreiben, aus Verantwortung für den zivilisatorischen Fortschritt. Insofern ist dieses Dokument auch ein Resümee, das Carlos Saura für sein Leben und Werk ziehen kann. Ein Wesensverwandter spricht für ihn. Man könnte es eine Art Testament nennen.

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