Friedhof der Kuscheltiere (2019)

Horror | USA 2019 | 101 Minuten

Regie: Kevin Kölsch

Der Umzug aufs Land soll einer vierköpfigen Arztfamilie ein ruhiges, erfüllteres Leben bringen. Doch die Idylle im ländlichen US-Bundesstaat Maine zeigt Risse, als die Katze der achtjährigen Tochter überfahren wird. Der Vater lässt sich vom alten Nachbarn überreden, das Tier an einem indianischen Kultort zu begraben, von dem die Toten lebendig zurückkehren sollen. Das setzt durch eine Verkettung der Umstände eine fatale Kettenreaktion in Gang. Die Neuverfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Stephen King kleidet die Mischung aus Zombie-Horror und okkulter Indianer-Folklore zunächst in subtilen Schrecken, setzt im weiteren Verlauf aber allzu sehr auf die schematischen Elemente des Horror-Genres. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
PET SEMATARY
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Kevin Kölsch · Dennis Widmyer
Buch
David Kajganich · Jeff Buhler
Kamera
Laurie Rose
Musik
Christopher Young
Schnitt
Sarah Broshar
Darsteller
Jason Clarke (Louis Creed) · Amy Seimetz (Rachel Creed) · John Lithgow (Jud Crandall) · Jeté Laurence (Ellie Creed) · Maria Herrera (Marcella)
Länge
101 Minuten
Kinostart
04.04.2019
Fsk
ab 16; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Horror | Literaturverfilmung
Diskussion

Neuverfilmung des gleichnamigen Horror-Klassikers von Stephen King, in dem sich ein Arzt überreden lässt, die tote Katze seiner Tochter auf einer indianischen Kultstätte zu beerdigen, von der die Verstorbenen zurückkehren sollen.

Stephen King ist „in“. Seit mit dem Remake „Es“ (2017) einer der Klassiker des Horror-Schriftstellers bei der Filmkritik wie dem Publikum punktete, schauen sich die Produzenten genauer an, welche Stephen-King-Stoffe die Aufarbeitung lohnen.

Im Jahr 1989 hatte die Regisseurin Mary Lambert schon einmal die unheimlichen Vorkommnisse im ländlichen Maine fürs Kino adaptiert, stieß aber mit dem kruden „Friedhof der Kuscheltiere“ auf wenig Gegenliebe; und das, obwohl King persönlich fürs Drehbuch verantwortlich zeichnete. Ein neuer Versuch soll es nun richten und die Mischung aus indianischer Folklore und Zombie-Horror ins 21. Jahrhundert retten.

Louis zieht es mit seiner Frau Rachel und den beiden Kindern Ellie und Gage aufs Land. Als Arzt hat er im nahen Krankenhaus eine gut dotierte Stelle, und das Haus der Familie samt weitläufigem Grund ist geradezu eine Befreiung im Vergleich zur beengten Großstadt. Da nimmt man die vorbeidröhnenden Trucks der nahen Landstraße in Kauf. Schließlich stehen die Creeds als moderne Familie mitten im Leben und streben kein Dasein als Einsiedler an wie ihr Nachbar Jud Crandall, der nach dem Tod seiner Frau der Einsamkeit huldigt.

Das Unheil schleicht in die Idylle

Doch das Unheil schleicht sich in die Idylle. Das ist eine der Spezialitäten des Horrormeisters Stephen King. Es passiert mit zwingender Konsequenz und läutet mitunter sogar das Ende der Welt ein.

Die Regisseure Kevin Kölsch und Dennis Widmyer zelebriert dies in ihrer Vision vom „Friedhof der Kuscheltiere“ zunächst so subtil wie archaisch. Die stoische Prozession, die ihre Teilnehmer ins Dickicht der Creedschen Waldschonung führt, ist eine großartige Reminiszenz an das stille Entsetzen aus „The Wicker Man“. Hier sind es Kinder, die mit selbstgebastelten Tiermasken und begleitet von sonorem Klingklang einen ihrer Lieblinge – ja, wohin eigentlich – begleiten. Wie die achtjährige Ellie später von dem recht umgänglichen Jud erfährt, befindet sich auf dem Grundstück ein Tierfriedhof, über dessen Eingang ein von Kindern falsch geschriebenes Schild „Pet Sematary“ prangt (im Englischen müsste es richtigerweise „Pet Cemetery“ heißen). Das wirkliche, unerhörte Geheimnis lauert aber, von Dornenbüschen gut gesichert, hinter dem Friedhof. Ein Pfad führt durch fauliges Gelände entlang toter Bäume zu einer rituellen Stätte des Untodes. Wer hier begraben wird, der kehrt in den Kreis der Lieben zurück, fast so, als wäre nichts gewesen...

Das von Naturwissenschaft und Rationalismus geprägte Weltbild des Arztes bekommt ob dieser Stätte schon bald Risse. Zunächst zwingt ihn die Liebe zu seiner Tochter zum Glauben ans Übernatürliche. Das Kind soll nicht unter dem Tod seiner Katze leiden, die auf der Landstraße überfahren wurde. Der Vater fühlt sich schuldig, weil er die Gefahr hätte kommen sehen müssen. Doch einen Tag später ist „Church“ wieder da. Zottelig und voller Erde, aber lebendig. Ellies neuer Freund Jud hat dem Vater gezeigt, wie es geht.

Vielversprechende Ansätze

Bevor „Friedhof der Kuscheltiere“ allzu sehr in der Seichtigkeit des Hollywood-Horrors versinkt, macht die Neuadaption vieles richtig: Unheimliche Andeutungen, eine scheinbare Idylle, die Wachträume der Familie, die die rationale Welt wegzuwischen drohen, als eigentlich noch nichts passiert ist.

Jason Clarke spielt den Arzt nuancenreich als den liebenswerten Zweifler und später umso Verzweifelteren. John Lithgow erfüllt in einer eindrücklichen Altersrolle den schrulligen Jud Crandall mit Charakter, was im Roman gar nicht vorgesehen ist. All das sind Anzeichen dafür, dass die beiden Regisseure, aber auch die Drehbuchautoren Jeff Buhler und David Kajganich den Stoff ernst nehmen. Hinzu kommen die atmosphärische Kamera und der sanfte Schrecken der Filmmusik, die von der Genre-Größe Christopher Young orchestriert wurde.

Doch es geht eine eigentümliche Wendung in diesem so vielversprechenden Werk vor sich. All die richtigen Ansätze funkeln nur auf, ohne wirklich ausgearbeitet zu werden. Die Prozession vom Anfang verpufft, weil die seltsamen Riten nicht hinterfragt werden und die Masken des Schreckens liegenbleiben. Ebenso ergeht es der anfangs so virtuosen Spannungskurve. „Schaut her, wir wissen, wie es geht, aber wir machen es dann doch anders“, scheint das unausgesprochene Postulat der Macher zu lauten. So zerbröselt peu à peu das, was anfangs fesselt und fasziniert, und es bleibt beim soliden Horror von der Stange.

Die Mythologie bleibt Staffage

Die im Roman so stimmungsvoll und erschreckend ausgebreitete Indianer-Mythologie gelangt nicht über die Staffage hinaus. Der dornige Weg zum Altar der Wiederbelebung und die ihn flankierenden Monster werden nur angedeutet. So bleibt es bei den üblichen Ingredienzien, die bei verkappten Zombiefilmen für Schockmomente sorgen. Denn natürlich ist die Katze Church nicht die einzige Tote, die es wiederzubeleben gilt.

Das alles ist solide, aber nicht sonderlich originell. Dass man das Finale gegenüber Roman und der ersten Verfilmung variiert, ist ein schöner Kniff, aber letztendlich nur eine „Pointe“, die nicht nachhaltig verstört. Unterm Strich stellt „Friedhof der Kuscheltiere“ deshalb einen letztlich verschenkten Versuch dar, einen Stephen-King-Klassiker für die Leinwand zu adaptieren.

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