Spinning Man - Im Dunkel deiner Seele

Literaturverfilmung | USA 2018 | 100 Minuten

Regie: Simon Kaijser

An einem See in der Nähe einer beschaulichen Universitätsstadt verschwindet eine junge Frau spurlos. Ins Visier des ermittelnden Polizisten gerät ein Philosophie-Dozent und Familienvater, dessen Auto am See gesichtet wurde. Rund um den Mann, der sich beruflich mit der Relativität von Wahrheiten und der Unzuverlässigkeit von Erinnerungen befasst, entfaltet sich ein kriminologisches Katz-und-Maus-Spiel, das die Zuschauer in einer spannungsvollen Schwebe aus Unsicherheiten und Verdachtsmomenten hält. Dass die Story des Psychothrillers letztlich etwas arg konstruiert wirkt, trübt angesichts eines herausragenden Hauptdarstellers kaum das Vergnügen an der wendungsreichen Geschichte. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
SPINNING MAN
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2018
Regie
Simon Kaijser
Buch
Matthew Aldrich
Kamera
Polly Morgan
Musik
Jean-Paul Wall
Darsteller
Guy Pearce (Evan Birch) · Pierce Brosnan (Detective Malloy) · Minnie Driver (Ellen Birch) · Odeya Rush (Joyce Bonner) · Alexandra Shipp (Anna)
Länge
100 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Literaturverfilmung | Thriller

Heimkino

Verleih DVD
New KSM
Verleih Blu-ray
New KSM
DVD kaufen
Diskussion

Ein verrätselter Thriller mit Guy Pearce als Philosophieprofessor, der in Verdacht gerät, eine junge Frau getötet zu haben.

Evan Birch (Guy Pearce) arbeitet als Philosophie-Professor an einer kleinen Universität. Dort diskutiert er mit seinen Studenten und Studentinnen über die Relativität von Wahrheiten und die Unzuverlässigkeit von Erinnerungen. Für eine Aufgabe präsentiert er ihnen zum Beispiel einen simplen Schulstuhl und stellt ihnen die Aufgabe, die Existenz dieses Stuhls zu beweisen. Detective Malloy (Pierce Brosnan), der im Zuge eines Falls auf Birch aufmerksam geworden ist, merkt dazu trocken an, dass man das in den Kreisen, mit denen er zu tun hat, ganz einfach löst, indem man seinem Gegenüber den Stuhl über den Kopf zieht. An manchen Tatsachen gibt es nichts zu rütteln, und diese zu finden, ist Malloys Job, genauso wie es Birchs Job ist, Dinge immer wieder zu hinterfragen.

Malloy scheint einen gewissen Gefallen an seinen Gesprächen mit dem jungen Wissenschaftler zu finden, am verbalen Klingenkreuzen, bei dem Birch seinen Fragen ausweicht oder sie mit philosophischen Haarspaltereien kontert. Der Hintergrund dafür ist allerdings ganz und gar nicht spaßig: eine junge Frau ist verschwunden, und es besteht der Verdacht, dass ein Verbrechen vorgefallen sein könnte. Ein Auto, dessen Beschreibung auf das von Birch passt, wurde bei dem See gesehen, an dem das Mädchen verschwand, und auf erste Nachfragen der Polizei reagiert Birch so verdächtig, dass Malloy hellhörig wird, das Alibi des Mannes überprüft und schnell auf Widersprüche stößt.

Ein „Mindfuck“-Movie mit unzuverlässigem (Anti-)Helden

Geschildert wird der auf einem Roman von George Harrar beruhende Stoff nicht wie in den meisten Krimis aus der Sicht des Ermittlers, sondern den Zuschauern wird die Identifikation mit dem potenziellen Täter nahelegt, der sich allerdings als sehr unzuverlässiger erzählerischer Anker erweist. Bevor der Mord ins Spiel kommt, lernt man Birch als sympathischen Ehemann und Vater eines kleinen Sohns und einer kleiner Tochter kennen, der völlig harmlos wirkt; wenn sich immer mehr Verdachtsmomente gegen ihn ergeben, nimmt man nicht nur Anteil daran, wie Birchs Angst vor Malloy zunimmt, sondern auch an den Spannungen, die zwischen ihm und seiner beunruhigten Ehefrau wachsen – vor allem aber an dem wachsenden Misstrauen Birchs sich selbst gegenüber, denn allmählich wird klar: Sollte er tatsächlich mit dem Verschwinden der jungen Frau zu tun haben, dann hat er das wohl so gründlich verdrängt, dass er ihm selbst nur vage bewusst ist.

Simon Kaijsers Film fällt damit ansatzweise in die Kategorie des „Mindfuck“-Movies; je konkreter sich manifestiert, was tatsächlich mit der verschwundenen Joyce und mit Evan passiert ist, umso thesenhafter wirkt dieses Spiel mit der Unzuverlässigkeit von Erinnerung, das Hauptdarsteller Guy Pearce einst in Christopher Nolans Memento so kongenial zelebrierte. Und umso mehr reduziert sich das Drehbuch auf einen küchenpsychologisch unterfütterten Thriller um einen modernen Doktor-Jekyll-Verschnitt, der mit der Furcht kämpft, sein innerer triebhafter Mr. Hyde wäre außer Kontrolle geraten.

Allerdings hat der Film in Guy Pearce einen Trumpf im Ärmel, der dafür sorgt, dass man dem Ganzen doch mit Spannung folgt. Pearce macht aus der formelhaft angelegten Hauptfigur einen Mann aus Fleisch und Blut und balanciert tänzerisch zwischen sympathischem Durchschnittsmenschen und  unterschwelliger Bedrohlichkeit. Er sorgt dafür, dass man Birch von Szene zu Szene immer wieder in neuem Licht sieht und ihm wegen seines Charmes und seiner Intelligenz eigentlich das Beste wünscht, ihm aber auch locker das Schlimmste zutraut. Zusammen mit seinen Co-Darstellern Pierce Brosnan als abgeklärter Cop und Minnie Driver als zunehmend sich entfremdende Ehefrau, die die bodenständigen Reibungsflächen zu dem langsam den inneren Halt verlierenden Antihelden abgeben, mausert sich der Film zum durchaus passablen Psycho-Thriller.

Kommentar verfassen

Kommentieren