Glam Girls - Hinreißend verdorben

Komödie | USA 2019 | 94 Minuten

Regie: Chris Addison

Eine übergewichtige und reichlich tollpatschige Trickbetrügerin freundet sich an der Côte d’Azur mit einem weltläufigen Party-Girl an, das im Verbund mit einer Lokalpolizistin und einem älteren Butler millionenschwere Lebemänner ausnimmt. Ihr Bündnis gerät in eine Schieflage, als es beide auf einen Silicon-Valley-Millionär abgesehen haben. Das Remake erfolgreicher Vorgängerfilme verkehrt die Geschlechterseiten, da bislang stets Frauen die Opfer waren. Die temporeiche Situationskomödie entpuppt sich trotz guter schauspielersicher Leistungen auf Dauer aber als auf Spielfilmlänge ausgewalzte Sketchparade. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
THE HUSTLE
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Chris Addison
Buch
Stanley Shapiro · Paul Henning · Dale Launer · Jac Schaeffer
Kamera
Michael Coulter
Musik
Anne Dudley
Schnitt
Anthony Boys
Darsteller
Anne Hathaway (Josephine Chesterfield) · Rebel Wilson (Penny) · Tim Blake Nelson (Portnoy) · Casper Christensen (Mathias) · Alex Sharp (Thomas Westerburg)
Länge
94 Minuten
Kinostart
09.05.2019
Fsk
ab 6; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Komödie
Diskussion

Sketchparade um zwei extrem gegensätzliche Frauen, die an der Côte d’Azur schwerreiche Lebemänner ausnehmen, bis sie sich dasselbe Opfer ausersehen.

Es fällt nicht auf den ersten Blick ins Auge, dass Penny (Rebel Wilson) eine Trickbetrügerin ist. In einem Irish Pub trifft die übergewichtige Frau mit dem hautengen schwarzen Kleid einen liebesbedürftigen Mann, der sich übers Internet mit einer Frau verabredet zu haben glaubt. Unter dem Vorwand, nur die beste Freundin des Blind Dates zu sein, die für eine kosmetische Operation dringend Geld brauche, bringt sie den Mann dazu, ihr 500 Dollar zu überweisen. Bald sieht sich Penny jedoch mit Polizisten konfrontiert und versteckt sich nach einer Verfolgungsjagd zwischen Mülltonnen. Sie muss die USA verlassen und probiert ihr Glück schließlich in Südfrankreich. Dort kommt sie der weltläufigen Josephine (Anne Hathaway) in die Quere, die zusammen mit einer Lokalpolizistin millionenschwere Lebemänner übers Ohr haut.

Schon der verspielte Zeichentrickvorspann der Gaunerinnenkomödie von Regisseur Chris Addison lässt an Filme wie Der rosarote Panther denken. So nimmt es auch nicht wunder, dass es sich bei „Glam Girls“ (Originaltitel: „The Hustle“) um ein Remake von Zwei hinreißend verdorbene Schurken (1988) mit Steve Martin und Michael Caine handelt, der seinerseits an Zwei erfolgreiche Verführer“ (1964) mit Marlon Brando und David Niven anknüpfte. Ging es damals noch um zwei rivalisierende Gauner, die attraktive Frauen ausnehmen, kommt nun den Damen die Rolle der blendenden Betrügerinnen zu.

Ein paar Kleidernummern größer

Die australische Komikerin Rebel Wilson besetzt in Hollywood eine Marktlücke, die eine Generation über ihr und ein paar Kleidergrößen darunter Melissa McCarthy ausfüllt. Meist spielen beide Darstellerinnen ebenso derbe wie schlagfertige Frauen, deren wuchtiges Äußeres noch die eleganteste Bewegung tollpatschig aussehen lässt. So wie McCarthy diesen molligen Slapstick  in Tammy oder Spy perfektioniert hat, bedient sich auch Wilson sehr erfolgreich dieser Methode: In ihren bekanntesten Filmen aus der „Pitch-Perfect“-Reihe sticht sie unter ihren normschlanken Freundinnen stets heraus. Das andere Glam Girl ist in Gestalt der von Anne Hathaway betont mondän verkörperten Josephine mehr dem Typ entsprechend besetzt. Das ist eine Art Culture Clash der Etikette: dick steht für direkt und ungehobelt, schlank für subtil und raffiniert.

Da Penny den Verhaltenskodex an der Côte d’Azur nicht beherrscht, muss sie zunächst bei Josephine in die Lehre gehen. Deren Credo versteht sie schnell: „Männer sind ideale Ziele. Sie gehen niemals davon aus, dass eine Frau schlauer als sie sein könnten.“ Als Trickbetrügerinnen schlüpfen die beiden ständig in neue Rollen, etwa in die einer südafrikanischen Exotensammlerin oder einer genialen österreichischen Therapeutin. Zum erbitterten Streit kommt es dann, als beide um einen nerdigen Silicon-Valley-Millionär buhlen.

Tanzbär auf Wienerisch

Auch wenn das Sprachenwirrwarr für das Synchronstudio sicherlich herausfordernd war, hätte es sich eine Peinlichkeit erspart, wenn es statt dem exaltierten Idiom, das man unmöglich für Wienerisch halten kann, bei Hochdeutsch geblieben wäre. Selbst wenn man Hathaway und Wilson gerne beim Bitch Fight zusieht, wirkt „Glam Girls“ insgesamt wie eine auf Komödienlänge ausgewalzte Sketchparade. Denn letztlich bleibt Rebel Wilson als Penny ein dicker Freak, der dem Publikum wie ein Tanzbär beständig Kunststücke vorführt.

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