Drama | Irland/USA 2018 | 98 Minuten

Regie: Neil Jordan

Eine junge Frau, die vor kurzem ihre Mutter verloren hat, freundet sich mit einer älteren Klavierlehrerin an, nachdem sie deren Handtasche in der U-Bahn gefunden hat. Als sie aber herausfindet, dass die verlorene Tasche nur ein Trick war, um sie anzulocken, muss sie sich einer psychopathischen Stalkerin erwehren. Die elegant inszenierte Mischung aus Thriller und dunklem Märchen setzt eher auf simple Versatzstücke als auf raffinierte Wendungen und bewegt sich damit in allzu bekannten Bahnen. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
GRETA
Produktionsland
Irland/USA
Produktionsjahr
2018
Regie
Neil Jordan
Buch
Ray Wright · Neil Jordan
Kamera
Seamus McGarvey
Musik
Javier Navarrete
Schnitt
Nick Emerson
Darsteller
Isabelle Huppert (Greta Hideg) · Chloë Grace Moretz (Frances McCullen) · Maika Monroe (Erica Penn) · Jane Perry (Tierheim-Mitarbeiterin) · Jeff Hiller (Maitre D' Henri)
Länge
98 Minuten
Kinostart
16.05.2019
Fsk
ab 16; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Drama | Mystery-Film | Thriller
Diskussion

Als Arthouse-Thriller verkleidetes B-Movie von Neil Jordan um zwei einsame Seelen, die zwischen Brooklyn und Manhattan unfreiwillig zu einer Art Schicksalsgemeinschaft zusammenwachsen.

Es ist nicht auszuschließen, dass es sich bereits beim Titel des neuen Films von Neil Jordan um ein „Fake“ handelt, denn es wird nie zweifelsfrei geklärt, ob die in New York lebende Klavierlehrerin wirklich eine Französin namens Greta Hideg (Isabelle Huppert) ist. Oder nicht vielmehr eine aus Ungarn stammende Psychopathin. Immerhin kann sie Klavier spielen. Chopin und ähnliches.

Frances McCullen (Chloe Grace Moretz), so könnte man meinen, begegnet Greta rein zufällig. Die nach dem überraschenden Tod ihrer Mutter etwas orientierungslose junge Frau jobbt als Kellnerin in Manhattan. Als sie in der U-Bahn eine auffällige Designer-Handtasche mit etwas Bargeld und einer Adresse in Brooklyn findet, schlägt ihr ihre Freundin Erica vor, sich mit dem Geld einen schönen Nachmittag im Spa zu gönnen. Doch Frances ist eine ehrliche Haut. Sie macht sich alleine auf den Weg in den tiefen Wald namens „Brooklyn“, wo die Besitzerin der Handtasche in einem kleinen, verwunschenen Häuschen in einem Hinterhof wohnt.

Ein Schrank voller Taschen

Man darf sich daran erinnern, dass die Karriere der früheren Brit-Film-Legende Neil Jordan mit einem Märchen für Erwachsene unter dem Titel Die Zeit der Wölfe an Fahrt aufnahm und dass er eine richtig große Nummer im Filmgeschäft war, den Sprung von Großbritannien in die USA wagte, wo er nach einigen Anlaufschwierigkeiten erfolgreiche Filme wie The Crying Game, Interview mit einem Vampir oder auch Die Fremde in dir drehte. Byzantium, Jordans letzter Kinofilm, liegt allerdings schon ein paar Jahre zurück.

Im Brooklyner Hinterhof trifft die trauernde Frances auf die einsame Witwe Greta, deren Tochter in Paris studiert. Unter waidwunden Seelenverwandten winkt eine Freundschaft als Finderlohn, was wiederum die hippe Erica nahezu fassungslos macht. Wie kann man für die Betreuung einer alternden Witwe auf all die tollen Partys verzichten? Für ihre Ersatzmutter Greta fungiert Frances kurzzeitig als Ersatztochter, bis sie eines Tages in einem Schrank eine ganze Reihe identischer Handtaschen entdeckt, alle versehen mit Namen und Telefonnummern, die von Greta offenbar gezielt als Köder eingesetzt werden, um sich jungen Frauen zu nähern.

Das Wichtigste im Leben

Für Frances bricht eine Welt zusammen, doch in der Folge erfährt sie am eigenen Leib, wie ernst es Greta meinte, als sie sagte: „Das Wichtigste im Leben eines Menschen ist eine Mutter!“ Als Frances schockiert den Kontakt abbricht, beginnt Greta sie zu stalken und mit Textnachrichten und Anrufen zu terrorisieren.

Mit geradezu diabolischer Lust findet Jordan immer neue Bilder, um das Smartphone als Terror- und Manipulationsinstrument in Szene zu setzen. Allerdings bedarf es schon einer etwas naiven und leicht zu ängstigenden Figur wie Frances, damit Gretas simple Präsenz solche Wirkung zeigen kann. Man könnte das Telefon ja auch ausschalten oder sich eine neue Nummer geben lassen. Nach kurzer Zeit liegen Frances’ Nerven blank, obschon eigentlich nichts wirklich Bedrohliches passiert.

Mit altmeisterlicher Eleganz

Mit geradezu altmeisterlicher Eleganz inszeniert Jordan die Reise der Protagonistin in die Hysterie und gönnt ihr sogar eine effektvolle doppelte Traumsequenz. Geradezu albtraumhaft bleiern entwickelt sich auch die Handlung des Films, der sich nicht recht entscheiden kann, ob er als Thriller mit Anteilen einer „dark comedy“ oder als dunkles Märchen gedacht sein will. Diese durchaus reizvolle Unschärfe stellt sich auch deshalb ein, weil Frances zu jung ist, um sich an Filme wie Eine verhängnisvolle Affäre oder Weiblich, ledig, jung sucht zu erinnern, Isabelle Huppert ihre Rolle aus Elle um eine koboldartige Komponente erweitert und Neil Jordan sich irgendwann entschlossen hat, es dem Zuschauer einfach zu machen und simplen Genreregeln zu folgen.

So kommt es zu Entführung und Gefangenschaft, Disziplinierung, Manipulation, Nachforschung und einem Finale, das mit einer letzten Überraschung aufwartet. Nicht einmal eine Fortsetzung der Geschichte ist ausgeschlossen, weil abgesehen von ein paar Nebenfiguren in diesem als Arthouse-Thriller verkleidetem B-Movie eigentlich niemand zu Schaden gekommen ist.

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