Serie | USA 2019 | Minuten

Regie: Phillip Noyce

Eine Thriller Serie mit Renée Zellweger um ein junges Paar in finanzieller Bedrängnis, das sich auf das unmoralische Angebot einer steinreichen Geschäftsfrau mit dubiosen Absichten einlässt: Diese bietet sich als Investorin für das innovative medizinische Forschungsunternehmen der Frau an, wenn diese ihren Mann für eine Nacht an sie "verkauft". Ein Handel, der dem Paar und seiner Familie zwar materiell den Hals rettet, aber eine Saat des Zweifels in der Beziehung sät, die das Paar in seinen Grundfesten erschüttert. An dieser wie an einigen Nebenhandlungen rund um Bekannte und Verwandte des Paares entfaltet sich ein moralisches Drama um das, was naiven, wohlmeinenden jungen Menschen im wert-neutralisierten Dschungel einer kapitalistisch-materialistischen Gesellschaft an Versuchungen begegnen kann. Dabei ist die Inzenierung oft etwas prätenziös und sind die Dialoge etwas platt, die Handlung ist aber spannend genug aufgebaut, um als Mischung aus Krimi und Soap Opera zu unterhalten.

Filmdaten

Originaltitel
WHAT/IF
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Phillip Noyce · Jessika Borsiczky · Maggie Kiley · Jill Maxcy · David Rodriguez
Buch
Mike Kelley
Kamera
Jeffrey C. Mygatt
Musik
Fil Eisler
Schnitt
Adam Bluming · Mark Manos · Greg Babor · Leah Breuer
Darsteller
Renée Zellweger (Anne) · Dave Annable (Dr. Ian Harris) · Juan Castano (Marcos) · Louis Herthum (Foster) · Blake Jenner (Sean)
Länge
Minuten
Kinostart
-
Genre
Serie | Thriller
Diskussion

Eine Mischung aus Krimi und Soap Opera rund um ein junges Paar in Bedrängnis, das sich auf das unmoralische Angebot einer steinreichen Geschäftsfrau mit dubiosen Absichten einlässt.

Wie in diesem schlechten Film aus den 1990er-Jahren, meint Lisa (Jane Levy), nachdem sie ihren Freund Sean (Blake Jenner) mit dessen Einverständnis für eine Nacht an die Milliardärin und erfolgreiche Geschäftsfrau Anne (Renée Zellweger) verkauft hat. Mit dieser Referenz meint Lisa wohl Adrian Lynes „Ein unmoralisches Angebot“ (1992), in dem Robert Redford eine Million Dollar für eine Nacht mit Demi Moore springen ließ. Die Moral von der arg klischeehaften Geschichte war damals, dass Liebe mit Geld nicht aufzuwiegen ist und dass mephistophelische Sex-Deals mit älteren Geldsäcken nie zum Guten ausschlagen. Vielleicht hätte sich Lisa besser vor als nach dem Handel mit Anne daran erinnern sollen. Denn es kommt natürlich genau so wie in Lynes Film vorexerziert: Zwar hat die junge Wissenschaftlerin, die ein innovatives medizinisches Forschungsunternehmen leitet, mit Anne nun endlich eine potente Investorin an Bord, die die kleine Firma (und nebenbei auch Lisas Familie) vor dem Ruin rettet; die Traumpaar-Dynamik zwischen ihr und Sean gerät jedoch nach besagter Nacht ebenso nachhaltig in eine Schieflage wie weiland diejenige zwischen Demi Moore und Woody Harrelson.

Die Saat des Zweifels

Bei einer Wiederauflage von Lynes kreuzbravem Erotik-Drama will es die Netflix-Serie aber nicht ganz belassen. Und so macht sie schnell klar, dass im Fall von Lisa und Sean der eigentliche Stein des Anstoßes keineswegs der Sex mit Anne ist, bei dem gar nicht klar ist, ob er überhaupt stattgefunden hat. Problematisch ist vielmehr eine Klausel in dem „Kaufvertrag“, die besagt, dass Sean keinesfalls und mit keinem Menschen (was Lisa einschließt) über das sprechen darf, was in jener Nacht passiert ist; ansonsten geht der Besitz von Lisas Firma komplett an Anne über. Womit in der Beziehung eine Saat des Zweifels und der Unsicherheit gesät ist, die langsam, aber sicher aufgeht: Was hat Sean in jener Nacht so aufgeregt, dass am nächsten Morgen an seinem Handrücken Abschürfungen waren, als hätte er auf irgendjemand oder irgendetwas eingeschlagen?

Problematisch ist außerdem, dass Anne nach dem vollzogenen Deal nicht einfach aus dem Leben des Paares verschwindet, sondern nun Anteils-Eignerin von Lisas Firma ist und flugs anfängt, sich heftig einzumischen – was Lisa mit gemischten Gefühlen hinnimmt, weil die gewiefte Investorin das Unternehmen zwar einerseits zu Lisas Freude kräftig voranbringen und Hürden aus dem Weg räumen kann, andererseits aber auch die permanente Angst bleibt, dass Anne ganz eigene, sinistere Pläne verfolgt.

Das Maskenhafte ihres Gesichts kommt Renée Zellweger in der Rolle zupass

Was, daraus macht die Serie von Anfang an keinen Hehl, natürlich auch der Fall ist! Für Renée Zellweger, die in den letzten Jahren mehr als Opfer schlechtberatener Beauty-Eingriffe denn als Schauspielerin von sich reden machte, ist die Serie ein gutes Ventil: Dass ihre Gesichtszüge etwas irritierend Maskenhaftes haben und ihre etwas zu durchtrainierte Figur, ihre unnatürliche Schönheit allzu angestrengt und etwas gruselig wirken, passt hier bestens zur Rolle der großen Manipulatorin, die gleich zu Beginn der Serie in einem Monolog eine nietzscheartige Übermensch-Theorie als Erfolgsmantra von sich gibt, bei der aber unterschwellig stets mitschwingt, wie ungemein kräftezehrend der Zwang ist, niemandem zu vertrauen und die Fassade absoluter Perfektion und Kontrolle ständig aufrechtzuerhalten.

Was sich hinter dieser Fassade an Abgründen verbirgt, deutet sich u.a. dezent an, wenn Julian Sands einen herrlich schrägen Auftritt als Über-Nemesis hinlegt und klar wird, dass Anne wohl nicht ganz so autonom ist, wie sie gerne wäre. Irgendwas ist da passiert, irgendeine schuldhafte Verstrickung – in einer  Serie, in der es in diversen Nebenhandlungen von schuldhaften Verstricklungen bald nur so wimmelt.

Eine Krimi-Soap-Opera über Versuchung und Schuld

Dieser Moritat über das, was netten, wohlmeinenden jungen Menschen im wert-neutralisierten Dschungel einer kapitalistisch-materialistischen Gesellschaft an Versuchungen begegnen und an bösen WölfInnen über den Weg laufen kann (in einer Parallelhandlung auch nochmal durchgespielt anhand eines mit Sean und Lisa befreundeten Paares, bei dem sich die Frau auf eine Affäre mit ihrem Chef einlässt), gibt „What/If“ leider oft einen allzu dick aufgetragenen, prätentiösen Anstrich. Da wird das Liebesglück zwischen Sean und Lisa mit allen rosaroten Klischees ausgemalt, die das Handbuch für Standardsituationen im Liebesfilm hergibt, bevor dann prophetisch-platt die Hochzeitsvase zu Bruch geht. Da spiegeln sich diabolisch die Blitze eines violett leuchtenden Gewitterhimmels in Annes Augen, und die Dialoge der Figuren hören sich so an, als würden sie gerade ihr eigenes Drehbuch diktieren. Trotzdem ist der Plot spannend und undurchsichtig genug entwickelt, um auch beim Publikum eine hartnäckige Neugier zu wecken – ähnlich wie in Lisa, die nicht aufhören kann, sich um jene fatale Nacht Gedanken zu machen. Kein wirkliches Serienhighlight, aber als „guilty pleasure“ durchaus genießbar.

Kommentar verfassen

Kommentieren