Wine Country

Komödie | USA 2019 | 103 Minuten

Regie: Amy Poehler

Eine Gruppe von Freundinnen fährt übers Wochenende ins Napa Valley in Kaliforniens "Wine Country", um einen 50. Geburtstag zu feiern. Die Frauen, die sich schon lange kennen, sind wild entschlossen, sich prächtig zu amüsieren, doch schleppt jede von ihnen etwas an innerem Ballast mit sich herum, was ihre Feierlaune dämpft, was sie aber vor den Freundinnen nicht thematisieren möchte. Dies führt zu allerlei Spannungen - bis der Wein allmählich die Zungen lockert. Eine Hommage auf Frauenfreundschaften, deren bestens aufgelegtes Darstellerinnen-Ensemble aus dem Umkreis der Comedy-Show "Saturday Night Live" es schafft, die Figuren auch über das nicht allzu originelle Drehbuch hinaus mit Leben zu füllen.

Filmdaten

Originaltitel
WINE COUNTRY
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Amy Poehler
Buch
Liz Cackowski · Emily Spivey
Kamera
Tom Magill
Musik
Lisa Coleman · Wendy Melvoin
Schnitt
Julie Monroe
Darsteller
Amy Poehler (Abby) · Maya Erskine (Jade) · Maya Rudolph (Naomi) · Tina Fey (Tammy) · Paula Pell (Val)
Länge
103 Minuten
Kinostart
-
Genre
Komödie
Diskussion

Eine Komödie von und Mit Amy Poehler: Eine Gruppe von sechs Frauen ist wild entschlossen, ein gemeinsames Wochenende anlässlich eines 50. Geburtstags aus vollen Zügen zu genießen - wenn da nur nicht der innere Ballast wäre, den jede von ihnen mit sich rumschleppt. Damit der aufgearbeitet werden kann, muss erst der Wein die Zungen lockern...

Noch vor der obligatorischen Weinprobe ist eine der ersten Bespaßungen, die Abby (Amy Poehler) für das Wochenende mit ihren besten Freundinnen im „Wine Country“ Napa Valley in Kalifornien vorgesehen hat, eine Sitzung mit einer Wahrsagerin. In einem herrlich giftigen Auftritt verpasst Schauspielerin Cherry Jones als mit Tarot-Karten bewaffnete Hexe der aufgedrehten Lady-Clique einen Dämpfer, indem sie zunächst jeder einzelnen und schließlich der Gruppe als ganzer gehörig mehr die Leviten als die Karten liest. Zu viel Unausgesprochenes würde unter den Freundinnen gären; es wäre höchste Zeit, mal Klartext zu sprechen.

Reunion-Party diverser „Saturday Night Live“-Stars

Man muss kein Wahrsager sein, um zu ahnen, dass es in „Wine Country“ genau darum gehen wird, dieses Unausgesprochene aufs Tapet zu bringen. Die sechs Frauen, die sich anlässlich des 50. Geburtstags von Rebecca (Rachel Dratch) versammelt haben, versuchen zwar mit lautstarker Gutgelauntheit an jene Zeiten anzuschließen, in denen sie alle in Chicago in Antonios Pizzeria als Kellnerinnen jobbten, aber diese Zeiten sind lange vorbei. Mittlerweile ist ihnen das Leben passiert, und es hat sie einander nicht unbedingt näher gebracht. Zwar würden alle gerne so wirken, als wären sie noch genauso cool und lebenslustig wie vor zwanzig Jahren, tatsächlich schleppt aber jede von ihnen irgendetwas an innerem Ballast mit sich rum, was die Feierlaune dämpft und dafür sorgt, dass es immer wieder zu Verstimmungen kommt, wenn eine die andere an ihrem sensiblen Punkt erwischt. Dass in „Wine Country“ selbstredend der Wein reichlich fließt, hilft nur bedingt, dies zu übertünchen, da er – in vino veritas! – auch die Zungen löst.

„Wine Country“ ist das Regiedebüt der Komikerin Amy Poehler und eine Art Reunion-Party von ihr und diversen anderen Frauen aus dem Umkreis der TV-Comedy-Show „Saturday Night Live“: Geschrieben wurde der Film von Emily Spivey und Liz Cackowski; zum Cast gehören neben Poehler u.a. Maya Rudolph, Paula Pell, Ana Gasteyer und Tina Fey. Wie diese Personalzusammensetzung vermuten lässt, sind Poehler und die Autorinnen nicht darauf aus, das Szenario in einen veritablen „bitch fight“ münden zu lassen, sondern inszenieren das Ganze letztlich als Hommage auf eine Frauenfreundschaft in guten wie in schlechten Zeiten, die gerade darin ihre Stärke erweist, dass sie einen Rahmen dafür liefert, sich auch unangenehmen Wahrheiten stellen zu können.

Nicht sonderlich originell, aber mit beträchtlichem Wohlfühlfaktor

Einen Teil seiner Komik generiert der Film daraus, dass er genüsslich den Clash zwischen seiner Ex-Kellnerinnen-Bande und dem sich betont nobel-kultiviert gebenden Umfeld der Weingüter in Napa Valley zelebriert – so viel unterschwelliger Groll auch in den Frauen gären mag, so einig sind sie sich in der Missachtung hochnäsiger Sommeliers und pingeliger Bioweinproduzentinnen. Im Zentrum steht aber immer die changierende Chemie unter den Freundinnen selbst.

Dabei ist das Drehbuch zugegebenermaßen nicht sonderlich einfallsreich, wenn es darum geht, den Figuren diverse Probleme an den Hals zu dichten, um Stoff für Konflikte zu schaffen, und bleibt ein bisschen klischeehaft – was teilweise auch mit der Größe der Gruppe zusammenhängen mag und mit dem Versuch, jeder der Protagonistinnen ähnlich viel Raum zu geben, was dafür sorgt, dass keine der Figuren wirklich vertieft wird. Dies wie auch die weitgehende Vorhersehbarkeit des ganzen Wochenendtrips verhindert aber nicht, dass der Film trotzdem einen beträchtlichen Wohlfühlfaktor entfaltet – dank der bestens aufgelegten Darstellerinnen, die ihre Figuren sympathisch mit Leben erfüllen und den tragikomischen Balanceakt zwischen hemmungsloser Albernheit und existenziellen Befindlichkeiten souverän bewältigen.

 

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