„Mir ist es egal, wenn wir als Barbaren in die Geschichte eingehen.“

Historienfilm | Rumänien/Bulgarien/Deutschland/Frankreich/Tschechische Republik 2018 | 139 Minuten

Regie: Radu Jude

Eine resolute Theaterregisseurin will mit einer „Volkstheater“-Aufführung eine Debatte über Rumäniens Beteiligung am Holocaust unter General Ion Antonescu anstoßen. In Form eines Reenactments soll das Massaker von Odessa im Jahr 1941 in das kollektive Bewusstsein zurückgeholt werden. Reaktionär gesinnte Komparsen und der Widerstand von Entscheidungsträgern machen ihr jedoch die Arbeit schwer. Komplexer, hochdiskursiv aufgebauter Geschichtsaufarbeitungsfilm über den marginalisierten oder schlicht geleugneten Antisemitismus Rumäniens. Die selektive Erinnerungspolitik ist in dem brillanten, vor Materialfülle nur so berstenden Film ebenso Thema wie das Scheitern von politischer Kunst. - Sehenswert ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
ÎMI ESTE INDIFFERENT DACA ÎN ISTORIE VOM INTRA CA BARBARI
Produktionsland
Rumänien/Bulgarien/Deutschland/Frankreich/Tschechische Republik
Produktionsjahr
2018
Regie
Radu Jude
Buch
Radu Jude
Kamera
Marius Panduru
Schnitt
Catalin Cristutiu
Darsteller
Ioana Iacob (Mariana Marin) · Alex Bogdan (Traian) · Alexandru Dabija (Movila) · Ilinca Manolache · Serban Pavlu (Stefan)
Länge
139 Minuten
Kinostart
30.05.2019
Pädagogisches Urteil
- Sehenswert ab 16.
Genre
Historienfilm | Tragikomödie
Diskussion

Eine Theaterregisseurin stößt mit einem Projekt über die rumänische Beteiligung am Holocaust auf Widerstand. Komplexer, hochdiskursiv aufgebauter Geschichtsaufarbeitungsfilm über den marginalisierten oder schlicht geleugneten Antisemitismus Rumäniens.

„Wie würden Sie rennen, wenn man Sie anzünden würde?“, will die junge Theaterregisseurin Mariana Marin von einem Komparsen wissen, während seine Frau ein weinendes, um Gnade flehendes Opfer mimen soll. Was im ersten Moment nach recht bizarren Regieanweisungen klingt, fügt sich in Radu Judes Geschichtsschreibungsfilm – es ist das Making-Of eines Reenactments eines zeitgeschichtlichen Ereignisses – nach und nach zu einem hochdiskursiven, aus unzähligen Fragmenten bestehenden Historienbild.

Gegenstand von „Mir ist es egal, wenn wir als Barbaren in die Geschichte eingehen“ ist die oft relativierte, marginalisierte oder schlicht totgeschwiegene Beteiligung Rumäniens am Holocaust. Zwischen 1941 und 1944 deportierte und ermordete die rumänische Armee unter General Ion Antonescu über 300 000 Juden und Roma aus Rumänien und den besetzten Gebieten. Allein nach der Einnahme von Odessa im Oktober 1941 fielen in nur wenigen Tagen mehrere zehntausend Juden einem Massaker zum Opfer, ein Bombenattentat sowjetischer Part

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