Drei Schritte zu Dir

Drama | USA 2019 | 117 Minuten

Regie: Justin Baldoni

Eine Jugendliche leidet an der unheilbaren Stoffwechselkrankheit Mukoviszidose und muss zu allen Menschen einen Sicherheitsabstand einhalten. Das gelingt ihr ganz gut, bis sie sich im Krankenhaus in einem rebellischen Gleichaltrigen verliebt, der sich nicht um Regeln schert. Die herbsüße Romanze lebt über weite Strecken von der realitätsnahen Darstellung des Alltags und der glaubhaften Schilderung der Gefühle der Protagonisten. Im letzten Drittel aber wechselt der Film seine Tonart und wandelt sich inszenatorisch wie erzählerisch zum rührseligen, tränenreichen Melodram. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
FIVE FEET APART
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Justin Baldoni
Buch
Mikki Daughtry · Tobias Iaconis
Kamera
Frank G. DeMarco
Musik
Brian Tyler · Breton Vivian
Schnitt
Angela M. Catanzaro
Darsteller
Haley Lu Richardson (Stella) · Cole Sprouse (Will) · Moises Arias (Poe) · Kimberly Hebert Gregory (Schwester Barb) · Parminder Nagra (Dr. Noor Hamid)
Länge
117 Minuten
Kinostart
20.06.2019
Fsk
ab 6; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Drama | Komödie | Liebesfilm
Diskussion

Herbsüße Jugendromanze um ein Mädchen, das an der unheilbaren Stoffwechselkrankheit Mukoviszidose leidet und zu allen Menschen einen Sicherheitsabstand einhalten muss. Doch dann verliebt es sich im Krankenhaus in einen rebellischen Gleichaltrigen.

Justin Baldoni ist vor allem bekannt als gutaussehender Schauspieler, der in Fernsehserien („Jane the Virgin“) und gelegentlich auch in Kinofilmen (Con Man) auftaucht. Doch er produziert auch Filme und führt Regie. „Drei Schritte zu Dir“ ist sein erster Spielfilm, in dem er von einer Romanze zwischen zwei Teenagern erzählt, die an zystischer Fibrose leiden. Der Film ist gewissermaßen ein Spin-off der von Baldoni mitproduzierten Fernsehdoku-Serie „The Last Days“ über Menschen mit einer unheilbaren Krankheit.

Für Stella (Haley Lu Richardson) ist das Saint Grace Hospital so etwas wie ein zweites Zuhause. Die 17-Jährige leidet an Mukoviszidose, einer Stoffwechselkrankheit, die bis heute nicht heilbar ist und sich in der Kurzatmigkeit und einer verminderten körperlichen Belastungsfähigkeit zeigt. Aktuell hat sich Stella eine Bronchitis eingefangen; da jede Erkrankung ein zusätzliches Risiko darstellt, muss sie mal wieder für eine Weile ins Krankenhaus. Sie kennt hier jeden und alles. Schwester Barb (Kimberly Hebert Gregory), die sie seit Jahren betreut, ihre Ärzte, aber auch alle Räume: die Cafeteria, das schicke Schwimmbad, den Mediationsraum, die Neonatologie. Hierhin, wo eigentlich nur Angehörige ihren winzigen Frühchen durch dicke Scheiben im Brutkasten zuschauen dürfen, wie sie ihrem Leben entgegenschlummern, zieht Stella sich am liebsten zurück.

Menschliche Berührungen: ausgeschlossen

Obwohl sie es sehr bedauert, sich wieder einmal von ihren Freundinnen verabschieden zu müssen und nur via Social Media an deren Leben und Liebesabenteuern teilzunehmen, hat sie diesmal eigentlich Glück. Denn auch Poe (Moises Arias) ist wieder im Krankenhaus, ihr Freund aus Kindheitstagen, der wie sie an Mukoviszidose leidet. Die beiden sind fast wie Schwester und Bruder.

„Drei Schritte zu Dir“, der streckenweise aus der Tagebuch-Perspektive von Stella erzählt, setzt mit einem Eintrag über den „human touch“ ein – die (menschliche) Berührung, die eigentlich Grundlage jeder intimen Begegnung sein sollte. „Du bist mein bester Freund, aber ich habe dich nie umarmt“, klagt Stella. Was ist das für ein Leben, in dem Menschen sich nicht berühren dürfen, ohne dabei in Todesgefahr zu geraten?

Stella, die nicht nur an Mukoviszidose, sondern auch an einer leichten Zwangsneurose leidet, meistert dieses Leben sehr gut. Sie schreibt täglich ellenlange To-Do-Listen und hält auf ihrem Medikamentenwagen feinsäuberlich Ordnung. Sie hat eine App kreiert, mittels der sie ihre Medikation kontrolliert, und sie betreibt einen gut frequentierten Blog, in dem sie über ihre Krankheit und ihr Leben berichtet. Sie ist so etwas wie ein „most popular girl“, wird von allen geliebt und von Schwestern und Ärzten für ihren souveränen Umgang mit ihrer Krankheit bewundert.

Rebellion gegen Gott und das System

Doch diesmal ist jemand im Krankhaus, den Stella noch nicht kennt: Will (Cole Sprouse), ein nur wenige Monate älterer Junge, gut aussehend, aber zu Tode krank und so rebellisch, dass alles, was er mutwillig tut – die Medikamente vergessen, die Hygiene-Vorschriften missachten, die Vorgaben der Ärzte und des Pflegepersonals nicht befolgen – sein Lebenszeit noch mehr zu verkürzen droht. Will flirtet. Stella verliebt sich. Nicht ganz, aber fast, auf den ersten Blick. Und sie kämpft. Dafür, dass Will besser auf sich schaut, seine Medikamente nimmt. Sie kämpft aber auch gegen ihre Gefühle. Gegen all das, was (nicht nur junge) Menschen in solchen Momenten gern tun, und ihr und – dem zunehmend ernsthaft verliebten – Will zu tun „verboten“ ist: sich näher kommen, berühren, umarmen, küssen: „Six Feet“ ist der Mindestabstand, den Patienten im Spital zueinander einhalten müssen; die Verkürzung auf „five feet“ ist Stellas Rebellion, ihr Zugeständnis an ihre Gefühle und eine Beziehung, die nach ärztlichem Ermessen nicht sein darf.

Justin Baldoni inszeniert insbesondere den Alltag im Krankenhaus relativ unbeschönigt und realitätsnah; empfindsame Zuschauer machen bei zwei etwas drastischeren Szenen im Operationssaal lieber die Augen zu. Auch die Gefühle, vor allem die von Stella, aber auch jene von Will, der sich weniger als Rebell denn als freiheitsliebende und freidenkende Künstlernatur entpuppt, erscheinen durchaus adäquat. Das ist wohl nicht nur den Drehbuchautoren Mikki Daughtry und Tobias Iaconis zu verdanken, sondern auch der Erfahrung, die Baldoni als Co-Produzent und Co-Regisseur der Doku-Serie „My Last Days“ gesammelt hat.

Das jugendliche Schauspieler-Trio leistet gute Arbeit. Haley Lu Richardson spielt Stella einnehmend und meistert auch die abrupten emotionalen Wechsel mit spielerischer Leichtigkeit. Moises Arias spielt den schwulen besten Freund mit herzerwärmendem Charme und frechem Witz. Und Cole Sprouse mausert sich glaubhaft vom arroganten Schönling zum fürsorglichen Freund. Zu erwähnen ist auch Kimberly Hebert Gregory, die als Schwester Barb den stürmischen Überschwang der Jugendlichen mit beherzter Bodenständigkeit in die Schranken weist.

Dann brennen die Sicherungen durch

„Drei Schritte zu Dir“ bewegt sich in der Nachfolge von Filmen wie Das Schicksal ist ein mieser Verräter oder Du neben mir und überzeugt als herbsüße Jugendromanze unter erschwerten Bedingungen. Im letzten Drittel brennen den Autoren allerdings „die Sicherungen“ durch. Spätestens, wenn die bis dato so vernünftige Stella mit Will im eiskalten Winter aus dem Krankenhaus abhaut und beide auf einem zugefrorenen See in Lebensgefahr geraten, findet man sich völlig unverhofft in einem dramatisch unnötig überhöhten und ätzend schmalzigen Melodram wieder.

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