Abenteuer | Frankreich/Japan/USA 2019 | 86 Minuten

Regie: Chris Renaud

Weiteres Animationsabenteuer um neurotische New Yorker Haustiere. Trotz einer perfekten technischen Umsetzung leidet das Trickfilmspektakel an einem Überangebot an Stories, Schauplätzen und Figuren, die sich angesichts des hohen Tempos kaum entfalten können. Da sich dadurch auch Spannung und Originalität in Grenzen halten und die Gags weit weniger oft zünden, bleiben als Höhepunkte nur der Auftakt, in dem im Schnelldurchlauf von einem neugeborenen Menschenbaby erzählt wird, mit dem alle Probleme der Tiere beginnen, plus ein paar gruselige Wölfe, die zwischendurch und im Finale ein wenig Schrecken verbreiten. - Ab 10.

Filmdaten

Originaltitel
THE SECRET LIFE OF PETS 2
Produktionsland
Frankreich/Japan/USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Chris Renaud · Jonathan del Val
Buch
Brian Lynch
Musik
Alexandre Desplat
Schnitt
Tiffany Hillkurtz
Länge
86 Minuten
Kinostart
27.06.2019
Fsk
ab 0; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 10.
Genre
Abenteuer | Animation | Komödie | Tierfilm
Diskussion

Weiteres Animationsabenteuer um die neurotischen New Yorker Haustiere, die sich mit menschlichen Nachwuchs und anderen Herausforderungen arrangieren müssen.

Im Sommer 2016 gelang dem Team um den Animationsfilmproduzenten Christopher Meledandri mit dem Action-Comedy-Abenteuer Pets ein Kassenschlager, der allein in Deutschland knapp vier Millionen Kinobesucher anlockte. In der Fortsetzung knüpft Regisseur Chris Renaud (zusammen mit Co-Regisseur Jonathan del Val) inhaltlich wie formal an den Vorgänger über neurotische Haustiere an, mit im Stakkato-Stil vorgetragenen Gags, flotten Verfolgungsjagden und einer Fülle von Hunden, Katzen, Kaninchen und anderem Getier, dessen mehr oder weniger ausgeprägte Macken der erste Film etablierte.

Der Plot des Nachfolgers von Brian Lynch kreist um drei Geschichten. Die eine erzählt vom Terrier-Mischling Max, der bei einem Ausflug zum Bauernhof einigen seltsamen Individuen aus der Fauna begegnet. Die zweite handelt vom putzigen Kaninchen Snowball, das zum Superhelden mutiert, als es der aparten Shih-Tzu-Dame Daisy einen Gefallen erweisen und einen weißen Tiger aus den Klauen eines miesen Dompteurs befreien will. Nummer Drei dreht sich um die übergewichtige Katze Chloe, die der Zwergspitz-Hündin Gidget beibringen will, wie man sich als schnurrendes Samtpfötchen benehmen muss.

Überangebot an Schauplätzen und Charakteren

„Pets 2“ leidet darunter, dass seine Macher zu viel wollen. Einem Überangebot an Stories steht ein Überangebot an Charakteren gegenüber. Die mögen mitsamt ihren Schrullen und Grillen durchaus witzig sein, nicht zuletzt auch dank prominenter deutscher Synchronsprecher, die von populären Comedians (Mario Barth als kesser Mops Mel, Dieter Hallervorden als weiser Oldie Pops, Martina Hill als Chloe) bis hin zu gestandenen Schauspielern (Jan Josef Liefers als Max, Fahri Yardim als Snowball, Dietmar Bär als brummeliger Riesenhund Duke) interpretiert werden. Doch da die Inszenierung ein affenartiges Tempo an den Tag legt, bleibt kaum Zeit, um die Figuren zu entfalten.

Auch die wenigen Pausen zwischen den Dialogen, deren Wortwitz nicht so häufig wie im Vorgänger zündet, werden mit einem Off-Kommentar und einem peppig-penetranten Pop-Score zugemüllt. So gibt es weder für die Augen noch für die Ohren irgendwelche Erholungspausen. Formal ist dem Film nichts vorzuwerfen; die Bewegungen der Tiere sind wie auch Mimik und Gestik perfekt, jedes Fell, jedes Haarbüschel oder auch eine flatternde Hundezunge im Fahrtwind sind Fotorealismus pur, und die fröhlich-grellbunten Farben sorgen für eine durchwegs optimistisch-positive Grundstimmung. Doch diese hält nur während des gelungenen Auftakts an. Da wird, von einem lässigen Rap-Song unterlegt, im Schnelldurchlauf vor der einzigartigen New Yorker Kulisse erzählt, wie ein Baby bei den Besitzern von Max Einzug hält und nach und nach die hart erkämpften Privilegien des Haustieres untergräbt.

Ein sehenswerter Showdown

Erst am Schluss, wenn einer Handvoll grimmiger Wölfe der Garaus gemacht wird und der Film mit einem sehenswerten Showdown auf dem Dach eines rasenden Zuges endet, findet „Pets 2“ kurz zu seiner eingangs angedeuteten Stärke zurück. Doch der Film dazwischen entbehrt nahezu jeglicher Spannung, jeglichen Humors und jeglicher Originalität.

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