Spider-Man: Far from Home

Action | USA 2019 | Minuten

Regie: Jon Watts

Auf einer Klassenreise durch Europa legt Peter Parker alias Spider-Man in Venedig einem riesigen Wassermonster das Handwerk. Hilfe erhält er dabei von einem neuen Superhelden namens Quentin Beck, der fortan von den italienischen Medien als Mysterio gefeiert wird. Doch der verfolgt trotz seiner scheinbaren Hilfsbereitschaft eine eigene Agenda. Die anfangs oberflächlich-belanglose Komödie über Teenager-Befindlichkeiten und erste Liebeserfahrungen wandelt sich durch die Herausforderungen der neuen Figur zu einem überraschend reizvollen und perfekt animierten Actionfilm, in dem unterschwellig Themen wie Vertrauen, Wahrheit und die Suche nach einem Ersatzvater verhandelt werden. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
SPIDER-MAN: FAR FROM HOME
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Jon Watts
Buch
Chris McKenna · Erik Sommers
Kamera
Matthew J. Lloyd
Musik
Michael Giacchino
Schnitt
Leigh Folsom Boyd · Dan Lebental
Darsteller
Tom Holland (Peter Parker / Spider-Man) · Zendaya (Michelle Jones) · Jake Gyllenhaal (Quentin Beck / Mysterio) · Cobie Smulders (Maria Hill) · Samuel L. Jackson (Nick Fury)
Länge
Minuten
Kinostart
04.07.2019
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Action | Comicverfilmung | Fantasy

Heimkino

Verleih DVD
Sony
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Auf einer Klassenfahrt nach Europa muss sich Peter Parker aka Spider-Man nicht nur mit Liebeskummer, sondern auch mit einem Wassermonster und einem neuen Superhelden herumschlagen, der sich perfekt auf Illusionen versteht.

Diskussion

Auf einer Klassenfahrt nach Europa muss sich Peter Parker aka Spider-Man nicht nur mit Liebeskummer, sondern auch mit einem Wassermonster und einem neuen Superhelden herumschlagen, der sich perfekt auf Illusionen versteht.

Weit weg von Zuhause, wie es der englischsprachige Untertitel verheißt, ist Peter Parker in der Tat: Gemeinsam mit seinem Kumpel Ned und seinem großen Schwarm Michelle Jones, kurz MJ gerufen, geht es auf Klassenfahrt nach Europa. Für einen Moment wähnt man sich in einer Pauker-Klamotte mit hilflos-doofen Lehrern, aufgeregten Schülern und ersten amourösen Annäherungen. Peters ganzes Bestreben zielt nämlich darauf ab, während des achtstündigen Flugs nach Venedig neben MJ zu sitzen – was prompt schiefgeht.

Regisseur Jon Watts, der schon den Vorgänger Spider-Man: Homecoming inszenierte, nimmt sich zuviel Zeit, um der Dynamik zwischen den jugendlichen Charakteren und den komischen Folgen von Schüchternheit und Sprachlosigkeit nachzuspüren, bevor endlich der zentrale Konflikt etabliert wird. Denn kaum in Venedig angekommen, macht ein riesiges Wassermonster die Stadt unsicher und lässt mit seinen Wasserkaskaden einiges zu Bruch gehen. Glücklicherweise hat Tante May (Marisa Tomei), den Spider-Man-Anzug mit in den Koffer gelegt; so kann Spider-Man dem Ungetüm das Handwerk legen.

Hilfe erhält er dabei von Quentin Beck (Jake Gyllenhaal), einer Art Iron-Man aus einer vorgeblich zweiten Welt. „Beck ist von der Erde, nur nicht der unseren“, sagt jemand. Die italienischen Medien titulieren Beck wegen seiner unbekannten Identität "Mysterio"; Kenner der Spider-Man-Comics wissen, dass diesem neuen MCU-Superhelden nicht zu trauen ist: Trotz seiner scheinbar selbstlosen Hilfsbereitschaft verfolgt er eine eigene Agenda und weiß sie trickreich durchzusetzen.

Edith - Even Dead I’m The Hero

Mit Auftreten von Mysterio führt der Film ein weiteres Thema ein: die Suche nach einem Vaterersatz. Peter Parker ist Waise und lebt ohne männliche Vorbild-Figur bei seiner Tante. In „Spider-Man: Homecoming“, Avengers: Infinity War und Avengers: Endgame hatte sich Tony Stark zunächst eher unwillig des nach seiner Aufmerksamkeit und Anerkennung geradezu lechzenden Jungen angenommen, unterstützt von seinem „Mädchen für alles“ Happy Hogan (Jon Favreau). Doch nun ist Tony Stark tot. Zu Beginn des Films erinnert eine Gedenktafel, begleitet von Whitneys Houstons Song „I Will Always Love You“, an ihn. Und weil Stark aka Iron-Man auch im Tod ein arroganter Mistkerl bleibt, hinterlässt er sein über eine Brille zu steuerndes Sicherheitssystem, dem in „Spider-Man: Far From Home“ noch eine große Bedeutung zukommen wird: es heißt „Edith“ – eine Abkürzung für „Even Dead I’m The Hero“.

Happy Hogan ist zunächst noch abwesend. Spider-Man vertraut darum Mysterio. Er wehrt sich gegen die Ansprüche von Nick Fury (Samuel Jackson), dem Chef von S.H.I.E.L.D., und beantwortet nicht einmal dessen Telefonanrufe. Spider-Man versteht sich nicht als Superheld; er muss seine Aufgabe als Beschützer der Menschen erst noch akzeptieren. Mysterio hingegen ist ein genialer Illusionist. Er schafft parallele Welten, in denen seine Gegner schattenboxend ins Leere laufen.

Perfektes Spiel mit Illusionen

Es geht in „Spider-Man: Far From Home“ also auch um die Rückeroberung der Realität und somit der Wahrheit – eine deutliche Anspielung auf die Verfälschung von Tatsachen mittels „Fake News“ und das damit einhergehende gesellschaftliche Klima in den USA. Auf der visuellen Ebene machen Mysterios Illusionen den Reiz des Films aus: Sie sind originell, überraschend, nie vorherzusehen und dabei perfekt animiert. Von Venedig geht es so über Österreich nach Prag, Berlin und London. Für wiedererkennbare Schauwerte ist damit gesorgt. Der Showdown ist hingegen angenehm zurückgenommen. Hier dominiert nicht das maßlose Spektakel, sondern die körperliche Geschicklichkeit von Spider-Man, der die Waffen seines Gegners „einspinnt“ und gleichzeitig intuitiv erspüren muss, wie er Mysterios Illusionen brechen kann.

Auch für „Spiderman: Far From Home“ gilt, was für die Vorgänger galt: bis zum Ende des Abspanns ausharren. Denn nicht nur Mysterio, sondern auch Nick Fury hat noch ein As im Ärmel.

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