Channel Zero: No-End House

Horror | USA 2017 | 334 (Staffel 2, 6 Folgen) Minuten

Regie: Steven Piet

Zweite Staffel einer Horror-Anthologieserie, die auf Geschichten des Fiction-Portals creepypasta beruht. (Staffel 1: „Channel Zero: Candy Cove“). Eine junge Frau, die vor nicht allzu langer Zeit ihren Vater verloren hat, lässt sich dazu hinreißen, mit ihrer besten Freundin und anderen Jugendlichen als abenteuerlichen Höhepunkt einer Party-Nacht ein angebliches Spukhaus zu erkunden. Der Horror darin entpuppt sich bald als sehr real und manifestiert sich perfide in einer Weise, die mit den größten Ängsten und Sehnsüchten der Jugendlichen ein böses Spiel treibt, wobei für die Heldin die Trauer um ihren Vater im Zentrum steht. Dank einer soliden Inszenierung und einer psychologisch stimmigen Ausarbeitung der Hauptfigur eine trotz einiger loser Erzählfäden fesselnde Variation des Haunted-House-Motivs.

Filmdaten

Originaltitel
CHANNEL ZERO: NO END HOUSE
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2017
Regie
Steven Piet
Buch
Nick Antosca · Brian Alan Russell
Kamera
Isaac Bauman
Musik
Jeff Russo
Schnitt
Michelle Harrison · Greg O'Bryant
Darsteller
Amy Forsyth (Margot Sleator) · Aisha Dee (Jules Koja) · Jeff Ward (Seth Marlowe) · John Carroll Lynch (John Sleator) · Seamus Patterson (J.D. Shields)
Länge
334 (Staffel 2, 6 Folgen) Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16 (Staffel 2, 6 Folgen)
Genre
Horror | Serie

Heimkino

Verleih DVD
Universal
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Diskussion

Wenn die größten Wünsche zum Albtraum werden: Die zweite Staffel einer Horror-Anthologieserie um die Gruselstoffe eines Fanfiction-Portals

„Be careful what you wish for“, heißt es im Englischen. Die Horror-Story, um die es in „No-End House“ geht, macht aus dieser Binsenweisheit ein inszenatorisch durchaus eindrucksvolles Schreckensszenario: Im Zentrum der 2. Staffel der Anthologieserie „Channel Zero“ steht ein Spukhaus, das seinen Besuchern auf perfide Weise so lange ein  unerträgliches Zerrbild ihrer größten Wünsche vorhält, bis von diesen buchstäblich nichts mehr übrig ist.

Zunächst beginnt die Serie, deren Grundidee wie bei der 1. Staffel ("Channel Zero: Candle Cove") aus dem Horror-Fanfiction-Portal www.creepypasta.com stammt, wie so oft im Horror-Genre mit einer Gruppe Teenager, die sich auf einer Party mit lauter Musik, Alkohol und jugendlichen Flirts zusammenfindet. Nach und nach erhalten die meisten Partygäste sowie Jugendliche aus der Umgebung  auf ihren Smartphones mysteriöse Videos über ein „Haunted House“, das in der Nähe auf sie warte. Dieser Einladung können und wollen die wenigsten widerstehen. Auch Margot Sleater (Amy Forsyth), die ca. ein Jahr zuvor ihren Vater verloren hat, macht sich zusammen mit ihrer beste Freundin Jules Koja (Aisha Dee) und ein paar weiteren Jugendlichen zu später Stunde auf den Weg, um den Abend mit einem Abenteuer ausklingen zu lassen. Gerüchte über das Haus, das dunkel und unheilschwanger am Ende einer langen Straße steht, besagen, dass alle, die es bis zum 5. Raum  geschafft haben, spurlos verschollen seien.

Psychologisch grundierter Grusel statt brachiale Schocks

Schon in den ersten Räumen wird Margot und ihren Freunden klar, dass sie es hier nicht dem leicht konsumierbaren Grusel standardisierter Escape-Room-Events zu tun haben, sondern mit etwas, was sich rationalen Erklärungen entzieht. Für dieses „etwas“ haben die Macher eine Form gefunden, die dem inflationär gebrauchten Horror-Motiv „Geisterhaus“ eine  interessante, psychologisch grundierte Volte verpasst: Margot trifft in ihrem 5. Raum, den die Jugendlichen einzeln und nacheinander betreten, mitnichten irgendwelche  Gespenster oder Dämonen vor – sondern eine detailgetreue Nachahmung des heimischen Wohnzimmers, wo sie auf dem Sofa ihren kürzlich verstorbenen Vater sieht, grotesk aufgebläht, leichenblass und nach Luft röchelnd. Eine traumatische Situation, die Margots schlimmstes Erlebnis herauf beschwört und ihr nun seltsam verzerrt und dabei erschreckend detailgetreu wieder vor Augen führt.

Trotzdem schafft sie es, aus dem Raum und dem Haus zu entkommen. Dass das Grauen mit dem Verlassen des No-End-Houses noch nicht zu Ende ist, ahnt sie erst am nächsten Morgen, als sie zuhause aufwacht und in der Küche ihren Vater trifft, der ihr pfeifend und sichtlich entspannt ein Frühstück zubereitet. So sehr Margot sich ihren Vater zurück gesehnt hat – sie ahnt, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht, und den anderen Jugendlichen, die mit ihr in dem Haus waren, geht es ähnlich...

Trotz einiger Schwächen eine solide, durchaus originelle Variation des „Haunted House“-Horror

 Ähnlich wie bereits in „Candle Cove“, der ersten Staffel „Channel Zero“, ist es den Machern von No-End-House mit einfachen Mitteln gelungen, das „Haunted House“-Motiv dicht und spannungsgeladen zu variieren , nicht zuletzt indem sie mit dem Verlust eines geliebten Menschen und der Trauer um ihn ein emotional starkes Motiv ins Zentrum stellen. So entfaltet der Sechsteiler eine erdrückende Atmosphäre, die sich primär daraus speist, dass man die Unsicherheit der jungen Protagonisten, das Kippen von Wunsch- in Albträume bestens nachfühlen kann. Was auch ohne spektakuläre Special-Effects oder effekthascherische Gewaltszenen für einen Spannungsbogen sorgt, der sich konstant steigert.

Angesichts dieser Stärke lässt sich gut darüber hinweg sehen, dass das ein oder andere Detail auf der Strecke bleibt und sowohl die Handlung als auch die Nebenfiguren nicht immer in der Tiefe ausgearbeitet sind. So bleibt zum Beispiel bis zum Schluss unklar, was genau es mit Jules 'Albtraum-Szenario, das immer wieder angerissen wird, auf sich hat. Dennoch: Freunde des subtilen Horrors werden sicherlich auf ihre Kosten kommen.

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