Drama | USA 2019 | 102 Minuten

Regie: Nisha Ganatra

Eine seit 28 Jahren als Gastgeberin einer spätabendlichen Talk-Show in ihren Scherzen und ihrer Arroganz erstarrte Engländerin verliert mehr und mehr den Kontakt zur jungen Generation. Erst eine freche Außenseiterin, die frisches Blut unter die von Männern beherrschte Autorenschar der Sendung bringt, verschafft der Sendung einen Aufschwung. Die von trefflichen Darstellern getragene Komödie unterhält über weite Strecken, findet in der Zeichnung des Hintergrunds aber nicht immer die nötige Balance zwischen Komik und Satire. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
LATE NIGHT
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Nisha Ganatra
Buch
Mindy Kaling
Kamera
Matthew Clark
Musik
Lesley Barber
Schnitt
Eleanor Infante · David Rogers
Darsteller
Emma Thompson (Katherine Newbury) · Mindy Kaling (Molly Patel) · John Lithgow (Walter Lovell) · Hugh Dancy (Charlie Fain) · Reid Scott (Tom Campbell)
Länge
102 Minuten
Kinostart
29.08.2019
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Drama | Komödie
Diskussion

Satirische Komödie um eine in ihren Routinen erstarrte Talkmasterin, die durch eine freche Außenseiterin in ihrem Team herausgefordert wird.

Emma Thompson spielt Katherine Newbury, seit 28 Jahren Gastgeberin einer Talk-Show, wie sie jeder US-amerikanische Fernsehsender, das etwas auf sich hält, seinem Publikum vor dem Einschlafen anbietet. Als steife, von sich selbst überzeugte Engländerin, was Newbury auch nach so langer Zeit in den USA nicht ablegen kann und will, sind ihre Späße und ihre Hochnäsigkeit längst in jener professionellen Routine erstarrt, ohne die keine Talk-Show existieren kann.

Ihr Publikum aber hängt an ihr und nimmt ihr nicht übel, dass sie mit Twitter nichts anzufangen weiß und mit Feminismus nichts zu tun haben will. Newburys Scherze sind gut, aber immer noch dieselben wie einst, als man ihr die Show anvertraut hat. Mit dem Generationenwechsel der Zuschauer, den sie nicht zur Kenntnis nimmt, bewegen sich aber ihre Quoten in den Keller. Für ihre Vorgesetzten reicht es nicht mehr, dass sie eine Institution ist. Man beginnt ihr übelzunehmen, dass sie nur Männer als Gag-Schreiber beschäftigt und nicht einmal deren Namen kennt. Ihre Tage beim Network sind gezählt.

Frech und ohne Scheu

Bis eine junge, dralle Repräsentantin der von Newbury arrogant übersehenen Generation zu dem Team stößt. Bisher hatte die „Effizienzexpertin“ eines Chemiekonzerns mit Fernsehen wenig am Hut. Das hält sie aber nicht davon ab, sich frech und ohne Scheu um eine freie Stelle bei der festgefahrenen Talk-Show zu bewerben. Sie ist genau das, was Newburys Sendung braucht. Ihr fallen immer die richtigen Sätze ein, die Newbury sagen müsste, wenn sie Kontakt mit den Twitter-Anhängern aufnehmen wollte. Molly heißt die quicklebendige Neue, die Newbury am liebsten übersehen würde, nicht zuletzt, weil sie an ihre verschütteten weiblichen Instinkte appelliert. Plötzlich wird sogar in ihrem Privatleben der aufs Abstellgleis geschobene Ehemann, ein im Ruhestand vereinsamter und an Parkinson erkrankter Professor, wieder relevant.

Die amerikanische Stand-Up- und Fernsehkomikerin Mindy Kaling spielt nicht nur Molly, sondern ist auch die Autorin dieser Komödie übers Fernsehen und dessen Unarten. Da es Neil Simon und Nora Ephron nicht mehr gibt, muss man sich etwas bescheiden. Die von Nisha Ganatra inszenierte Komödie hat von den großen Vorbildern gelernt, auch wenn sie deren Niveau nicht erreicht. Der Film besitzt Energie und Witz und zwei konkurrierende Hauptrollen, die sich nicht im Wege stehen, sondern mit Genuss ein herzhaftes Pingpongspiel aufführen, das den Film mehr trägt als die eigentliche Handlung.

Zwischen Satire und Komödie

Kaling ist am besten, wenn sie Pointen setzen kann, nicht wenn es um den Anspruch geht, neben dem Fernsehalltag auch soziale Gegebenheiten zu reflektieren. Um den Hintergrund für Newburys Story zu finden, stürzt sich Kaling auf eine Vielzahl von Randbeobachtungen, die von der aktuellen Kulturszene und dem Feminismus bis zur Quotendiktatur des Fernsehens reichen. Die Komödie wird darüber zur Satire, und die Satire zur Komödie. Als Zuschauer findet man sich damit ab, solange es Spaß macht. Und es macht ziemlich lange Spaß, bis die Hauptbestandteile der Story sich zu wiederholen beginnen. Schon Curt Goetz wusste, dass in der Kürze die Würze aller Komik liegt. Das muss Mindy Kaling noch lernen, will sie nicht eines Tages wie Katherine Newbury enden.

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