Die Eiskönigin 2

Abenteuer | USA 2019 | 103 Minuten

Regie: Jennifer Lee

Die über magische Eis- und Schneekräfte gebietende Königin eines nordischen Landes begibt sich auf eine Rettungsmission, als ihr Volk von rebellierenden Elementargeistern bedroht wird. Mit ihrer Schwester und ihren Freunden reist sie zu einem verwunschenen Wald, an den ihre Familie eine schicksalhafte Vergangenheit bindet, die nur durch die Macht der Eiskönigin gelöst werden kann. Die Fortsetzung eines Animationsmärchens setzt auf liebenswerte Charaktere, viele Songs und prachtvolle Bilder. Doch während die Kunst der Zeichner staunen macht, ist der Plot wenig wagemutig und entwickelt kaum Zugkraft, da sich zwischen den Figuren keine Spannungsherde entfalten. - Ab 8.

Filmdaten

Originaltitel
FROZEN 2
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Jennifer Lee · Chris Buck
Buch
Jennifer Lee
Musik
Christophe Beck
Schnitt
Jeff Draheim
Länge
103 Minuten
Kinostart
21.11.2019
Fsk
ab 0; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 8.
Genre
Abenteuer | Animation | Kinderfilm | Komödie
Diskussion

In der Fortsetzung des Animationsmärchen muss die Schneekönigin das Gleichgewicht der Kräfte wiederherstellen, um ihr Volk vor Elementargeistern zu schützen.

An diesem Hof hätten Klatschblätter keine Freude. Seit das Volk von Arendelle seine Königin Elsa nicht länger als „Monster“ betrachtet, ist in der nordischen Monarchie Ruhe eingekehrt. Die Doppelspitze mit Elsa und ihrer jüngeren Schwester Anna garantiert eine vernünftige Herrschaftsausübung wie auch die Nähe zur Bevölkerung. Die Kräfte der Königin, nach Belieben über Eis und Schnee zu gebieten, dienen nun guten Zwecken oder der Unterhaltung – von kleinen Schreckfrost-Impulsen abgesehen, wenn Elsa einmal unerwartet von der Seite angesprochen wird.

Annas Verlobung mit ihrem Freund Kristoff steht zwar noch immer aus, weil der Naturbursche es einfach nicht versteht, die sprunghafte Prinzessin im richtigen Moment zu erwischen, doch passt auch dies zum entschleunigten Dasein in Arendelle. Der fröhliche, von Elsa zum Leben erweckte Schneemann Olaf ist derweil vor dem leidigen Tauen geschützt worden: Dank einer neuen Permafrost-Funktion braucht er nun weder das Kaminfeuer im Schloss noch den Wechsel der Jahreszeiten zu fürchten, scheinbar der einzige Wandel, dem das friedlich in sich ruhende Reich ausgesetzt ist.

Der klagende Ruf einer Frauenstimme

Tatsächlich präsentiert sich die filmische Gegenwart im Animationsfilm „Die Eiskönigin 2“ so unbelastet von denkbaren Konflikten, dass Drehbuchautorin Jennifer Lee, die wie beim ersten Teil „Die Eiskönigin“ (2013) erneut zusammen mit Chris Buck Regie führt, die Vergangenheit bemühen muss. Gerade hat Königin Elsa sich noch selbst in einem Song versichert, dass sie das Abenteuer ihres Lebens schon bewältigt habe, als der klagende Ruf einer hohen Frauenstimme an ihr Ohr dringt.

Eine solch seltsame Erscheinung spielte bereits in einer Erzählung ihres Vaters eine wichtige Rolle, die er den Mädchen einst erzählte, wie der Prolog des Films enthüllt: Eine Erinnerung an ein Treffen mit Mitgliedern eines indigenen Volkes in einem verzauberten Wald, das in Chaos und Kampf endete.

Als nun auch in Elsas Reich die Elemente rebellieren und das Volk sich in die Berge retten muss, ist die Stoßrichtung für eine Rettungsmission klar: eine Reise in den noch weiter im Norden liegenden Wald, wo das Gleichgewicht der Kräfte von Luft, Erde, Wasser und Feuer wiederhergestellt werden soll. Eine Aufgabe, bei der Anna, Olaf, Kristoff und dessen Rentier Sven natürlich mit von der Partie sind.

Ein Fest für die Zeichner

Vor allem der verwunschene Wald gibt den Zeichnern des Films die Gelegenheit, sich nach Herzenslust auszutoben. Die herbstlich leuchtenden Farbtöne in Rot und Gold bilden einen prächtigen Kontrast zu den Winterlandschaften und Elsas Eisgebilden, die schon im ersten Teil staunen machten und in der Fortsetzung sehr effektvoll wieder aufgegriffen werden.

Die Elemente manifestieren sich in Wesen und Erscheinungen, die dem Film aufregende und sogar leicht düstere Töne hinzufügen, wenn bedrohliche Erdriesen, Wirbelstürme, ein Feuerlurch und, in einer der stimmungsvollsten Sequenzen, ein aus Wasser geformtes Pferd auftreten. Zeichnerisch ist „Die Eiskönigin 2“ unbestreitbar grandios umgesetzt, eine immer wieder verblüffende Ausschmückung der detailreichen Schneekulissen.

Inmitten dieser Schauwerte macht es sich der Plot des Films allerdings recht bequem. Wo „Die Eiskönigin“ einer rasanten Berg-und-Tal-Schlittenfahrt glich, in der es – trotz kindgemäßer Form – zahlreichen erzählerischen Widerhaken auszuweichen galt, bewegt sich die Fortsetzung wie auf einer ebenen Eisfläche und noch dazu mit stumpf geschliffenen Kufen vorwärts.

Ein neuerlicher Zweifel

Die Handlung reißt kaum mit, obwohl mit der Bedrohung für Arendelle und den Wald, den unbewältigten Konflikten zwischen zwei Völkern, mehr Informationen über die Seereise, bei der Elsas und Annas Eltern umkamen, sowie neuen Zweifeln der Eiskönigin über ihre Kräfte genug Stoff vorhanden wäre.

So viel wie „Die Eiskönigin 2“ für ein Kinomärchen für Kinder wagt, wenn der Film unterschwellig Themen wie Kolonialismus und den rücksichtslosen Umgang mit der Natur anklingen lässt, so wenig gewinnen diese Aspekte letztlich an Kontur, weil in dieser flockigen Welt schlicht nichts auf tiefere Konsequenzen hinausläuft.

Auch die erneut von Kristen Anderson-Lopez und Robert Lopez verfassten Filmsongs treiben die Handlung weniger voran, sondern bringen sie vielmehr zum Stehen; sie funktionieren dort noch am besten, wo sie eindeutige Echos des ersten Teils sind: bei Elsas Bekenntnis zu ihrer Besonderheit und bei Olafs neuester naiver Lebensphilosophie. Die etablierten Hauptfiguren sind unverändert gewinnend, die Sidekick-Figuren Olaf und Sven ähnlich witzig wie bisher, sodass sie den Film durchaus tragen können.

Alle ziehen an einem Strang

Dahingeschmolzen im Happy End des ersten Teils sind allerdings die charakterlichen Spannungsherde, denen „Die Eiskönigin“ ihre emotionale Wirkung verdankte. Angesichts der allseits akzeptierten Kräfte Elsas, der Harmonie der Schwestern, Kristoffs nicht zur Debatte stehender Unterstützung und der neuen Taufestigkeit des Schneemanns sind alle Beschwörungen von Beistand und Mut nun ungleich weniger intensiv. Da alle an einem Strang ziehen, läuft „Die Eiskönigin 2“ geradliniger auf einen Abenteuerfilm der vertrauten Art hinaus. Was zwar nicht kaltlässt, aber eben auch kein großes erzählerisches Feuer entfacht.

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