Jean Seberg - Against all Enemies

Biopic | USA 2019 | 103 Minuten

Regie: Benedict Andrews

Wegen ihres Engagements für die Black Panther Party gerät die US-amerikanische Schauspielerin Jean Seberg (1938-1979) Ende der 1960er-Jahre ins Fadenkreuz des FBI. Sie wird von der Sicherheitsbehörde nicht nur überwacht, sondern schließlich auch diffamiert und terrorisiert. Die Filmbiografie erzählt aus zwei Perspektiven von den letzten Jahren im Leben des Filmstars, wobei neben Seberg ein FBI-Agent im Fokus steht, der seine Aufgabe zunehmend als unerträglich empfindet. So vermittelt sich zwar die Tragik von Seberg, doch als Mensch wie auch als Schauspielerin bleibt sie ein Fremdkörper in ihrer eigenen Lebensgeschichte. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
SEBERG
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Benedict Andrews
Buch
Joe Shrapnel · Anna Waterhouse
Kamera
Rachel Morrison
Musik
Jed Kurzel
Schnitt
Pamela Martin
Darsteller
Kristen Stewart (Jean Seberg) · Jack O'Connell (Jack Solomon) · Margaret Qualley (Linette Solomon) · Colm Meaney (Frank Ellroy) · Stephen Root (Walt Breckman)
Länge
103 Minuten
Kinostart
17.09.2020
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Biopic | Drama | Thriller

Filmbiografie über die US-Schauspielerin Jean Seberg, die Ende der 1960er-Jahre als Sympathisantin der Black Panther Party ins Visier des FBI gerät und von der Sicherheitsbehörde terrorisiert wird.

Diskussion

Jean Seberg (Kristen Stewart) blickt auf ihr Leben. In einem Aktenordner, der vor ihr auf der Hotelbar liegt, ist alles dokumentiert, was die US-Schauspielerin in den zurückliegenden Jahren erlebt und erduldet hat: Ihre Rückkehr aus Frankreich, ihr politisches Engagement, eine Affäre mit dem Aktivisten Hakim Jamal (Anthony Mackie) und die gezielte Überwachung und Manipulation durch die Sicherheitsbehörden.

Der Aktenordner enthält die Aufzeichnungen des FBI, die wie der Film selbst 1968 beginnen. Los Angeles ist genauso wie der Rest des Landes nach der Ermordung von Martin Luther King im Aufruhr. Seberg solidarisiert sich mit der Black Panther Party und steht damit, ohne es zu ahnen und trotz ihres Filmstar-Status, unter permanenter Überwachung im Rahmen des COINTEL-Programms. „The revolution needs filmstars“, sagt Jamal, selbst hochrangiges Mitglied der Black Panther, zu ihr.

Das FBI hört zu diesem Zeitpunkt bereits mit. Aus einem schlichten, scheinbar unverdächtigen Van, der heutzutage nur noch als Klischee einer mobilen Abhörzentrale taugen würde, lauschen die Agenten Jack Solomon (Jack O’Connell) und Carl Kowalski (Vince Vaughn), wie Jean Seberg ihre Gäste aus den Reihen der Bürgerrechtsbewegung begrüßt. Die schwarzen Frauen, die auf dem Weg zur Villa in der verspiegelten Scheibe des Vans ihren Lippenstift nachzeichnen, vermuten ebenso wenig wie Seberg, dass sich J. Edgar Hoovers FBI mit allen Methoden des Machtmissbrauchs gegen eine Zeit des Aufbruchs stemmt.

Die Zerstörung eines Lebens

„Seberg – Against All Enemies“ von Benedict Andrews ist weniger ein Porträt des Filmstars als ein Film über die Zerstörung ihres Lebens durch das FBI. Die Schauspielerin selbst scheint nie eine echte Verfügungsgewalt über ihr Leben zu haben. So ist selbst Sebergs Perspektive auf das eigene Leben nur eine von zwei, zwischen denen der Film wechselt. Die tragischen letzten Lebensjahre der Schauspielerin werden zusätzlich aus Sicht des Agenten Jack Solomon beschrieben. Ein progressiver Mann, der die behördliche Überwachung kaum mit seinem Gewissen vereinbaren kann, und sie schließlich als unerträglich empfindet, nachdem das FBI anfängt, Seberg gezielt zu terrorisieren. Während seine Partner keinerlei Skrupel zeigen, legt Solomon die Kopfhörer pietätvoll beiseite, als Seberg Hakim Jamal in ihr Schlafzimmer einlädt.

Ein Prozess, der sich im Laufe des Films häufiger in sein Gegenteil umkehrt. Bald ist es nicht mehr das FBI, das sich in den entscheidenden Momenten aus der Szene ausklinkt, sondern die Protagonistin selbst. Als sie in einer späten Szene die Tür hinter sich ins Schloss fallen lässt, folgt die Kamera nicht ihr, sondern wartet geduldig so lange, bis die Agenten erscheinen, um das Hotelzimmer zu verwanzen. Die Protagonistin ist hier nur noch ein nicht mehr anwesendes Opfer des behördlichen Terrors. Sie kann später nur noch ihre Akte aufschlagen und nachlesen, was die Abhörgeräte und Kameraobjektive des FBI aus ihrem Leben extrahiert haben.

Jean Sebergs Tragik wird mehr als deutlich

„Seberg“ ist als Film kaum mehr als der Inhalt dieser Akte. Eine filmische Biografie, die sich anfühlt wie eine Sitzung im Archiv. Die Tragik, die in dieser Biografie steckt, wird darin mehr als deutlich. Nur der dazugehörige Mensch bleibt fremd. Ihr restliches Leben, besonders die Rollen, die sie zur Ikone machten, sind nur Fußnoten in Gesprächen zwischen FBI-Agenten. Otto Premingers Saint Joan wird allein der Brandnarben wegen erwähnt, die Seberg bei einem Unfall am Set davontrug, der in „Saint Joan“ für immer festgehalten ist. Joshua Logans Westwärts zieht der Wind, dessen Dreharbeiten genau in die Zeit fallen, die „Seberg – Against All Enemies“ geschichtlich einkreist, bleibt eine Ellipse, die nur relevant wird, weil Sebergs Baby dort gezeugt wurde.

Von der Tatsache, dass Jean Seberg tatsächlich Schauspielerin war, zeugt allein eine Szene, in der sie ihre Vorsprechrolle aus „Westwärts zieht der Wind“ mit ihrer Affäre Hakim probt. Es ist einer der wenigen Momente, die davon Zeugnis geben, dass Seberg nicht allein ein prominentes Opfer der Regierungsbehörden war. Die Finger zur Pistole geformt, geht Jean langsam auf ihren Liebhaber zu. Er weicht stolpernd zurück, bis er auf ihrem Bett landet. Sie folgt, sich entkleidend, während er in die Matratze gedrückt wird. Ein kurzes Schauspiel und zugleich ein kleiner Moment der Souveränität, der, ohne dass er für sich genommen als außergewöhnlich erscheint, mehr von den 1968er-Protesten und der Schauspielerin Jean Seberg erzählt als der Rest des Films.

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