Intrigo - In Liebe, Agnes

Drama | USA 2019 | 100 Minuten

Regie: Daniel Alfredson

Dritter Teil der „Intrigo“-Trilogie nach Kurzgeschichten von Håkan Nesser. Bei der Beerdigung ihres Mannes trifft eine Frau ihre Jugendfreundin wieder, mit der sie sich vor Jahren entzweit hatte. Vordergründig will sich die Freundin versöhnen, doch insgeheim will sie ihren untreuen Ehemann gegen eine hohe Bezahlung ermorden lassen. Spannungsloser und blass gespielter Krimi, der einmal mehr die Auswirkungen der Vergangenheit auf die Gegenwart beschreibt, naheliegende Themen wie Schuld aber außer Acht lässt. Auch die Bedenken um den Wert eines Menschenlebens haben nur Alibi-Funktion. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
INTRIGO: DEAR AGNES
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Daniel Alfredson
Buch
Daniel Alfredson · Birgitta Bongenhielm
Kamera
Pawel Edelman
Musik
Anders Niska · Klas Wahl
Schnitt
Håkan Karlsson
Darsteller
Carla Juri (Agnes) · Jamie Sives (Peter) · Gemma Chan (Henny) · Laurie Kynaston (Johannes) · Jason Wong (Benjamin)
Länge
100 Minuten
Kinostart
10.10.2019
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Drama | Krimi | Literaturverfilmung | Mystery-Film
Diskussion

Dritter Teil der „Intrigo“-Reihe, in der sich eine Frau zu einem Auftragsmord am Gatten ihrer Jugendfreundin verführen lässt.

Zeitgleich mit „Intrigo – Samaria“ kommt auch der Abschluss der Trilogie nach Kurzgeschichten von Håkan Nesser in die deutschen Kinos. Fast hat man den Eindruck, als wolle der Verleih eine lange vor sich hergeschobene Last mit einem Schlag loswerden. Im Rückblick auf alle drei Teile muss man sich darüber hinaus fragen, wie es Regisseur Daniel Alfredson passieren konnte, die Filmreihe so langatmig und ereignislos zu inszenieren? Der Zuschauer bleibt durchgängig außen vor, weil ihm die Figuren nicht nähergebracht werden; ihre Beweggründe erschließen sich nicht. Auch lädt die Krimihandlung nicht zum Mitfiebern ein, weil am Schluss eine überraschende Wendung, die sich nicht vorhersehen ließ, alles auf den Kopf stellt und das Publikum brüskiert.

Die Auswirkungen der Vergangenheit auf die Gegenwart sind für die Trilogie ein prägendes Markenzeichen, das aber mit der steten Wiederholung zum Klischee verkommt. Dass zumindest in den letzten beiden Teilen eine Szene in einem Café namens „Intrigo“ spielt, ist als verbindendes Element dann doch zu wenig.

Das viele Geld ist zu verlockend

Mit einem Mal ist alles anders: Eben noch führte Agnes, dargestellt von Carla Juri, ein erfülltes Leben. Doch plötzlich ist ihr Ehemann tot, und schon streitet sie sich mit den beiden erwachsenen Kindern ihres Gatten aus erster Ehe um das Erbe. Auf der Beerdigung sieht die Witwe ihre Jugendfreundin Henny wieder, zu der sie lange keinen Kontakt mehr hatte. Der Grund: Auf einer Reise nach Brügge kam es vor Jahren zum Eklat, bei dem die Freundschaft zerbrach. Jetzt aber möchte sich Henny mit Agnes versöhnen. Doch Henny hat noch ein anderes Ansinnen: Ihr Mann Peter betrügt sie seit geraumer Zeit. Das ist für Henny Grund genug, ihn umbringen zu lassen. Ob Agnes den Job nicht übernehmen könne? Sie würde sie großzügig entlohnen, so dass es auch für den Erhalt des Hauses eine finanzielle Lösung gebe. Widerwillig geht Agnes auf den Vorschlag ein, das viele Geld ist doch zu verlockend. Oder hat sie noch eine Rechnung mit Henny offen?

Für jemand anderen einen Mord begehen, ist ein Motiv, das an Hitchcocks „Der Fremde im Zug“ angelehnt ist. Es könnte also um den Tausch von Schuld gehen. Doch dieses Motiv verliert der Film rasch aus den Augen. Auch die Spiegelung von Theorie (Verabredung zum Mord) und Praxis (Ausführung des Mordes), von Hitchcock in kleinen Vignetten so wundervoll vorbereitet und anschaulich erörtert, spielt hier keine Rolle. Allenfalls erlaubt der Film Agnes ein inneres Ringen zwischen dem Wert eines Menschenlebens und dem Wert einer Freundschaft.

Mit Charme und wilder Lockmähne

Dass die Narben der Vergangenheit erneut aufbrechen und die Gegenwart von den damaligen Konflikten beeinflusst wird, bestimmt das zugrundeliegende Erzählprinzip der Trilogie. Doch ausgerechnet im letzten Teil besitzt es nichts Zwingendes mehr. Das Ereignis von damals, das der Film nur scheibchenweise enthüllt, ist viel zu schwach und unspektakulär.

So plätschert auch „Intrigo – In Liebe, Agnes“ spannungslos dahin. Carla Juri, die als junge Agnes mit natürlichem Charme und wilder Lockenmähne besticht, muss als ältere Frau steif und gehemmt agieren. Fast scheint es, als hätten sie die nun glatten, schulterlangen Haare, die einem Helm ähneln, in diese Rolle gezwungen.

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