Billionaire Boys Club

Thriller | USA 2018 | 104 Minuten

Regie: James Cox

Zwei junge Männer aus der Mittelschicht versuchen in den 1980er-Jahren ihr Stück vom Kuchen der Superreichen abzubekommen, indem sie eine Investment-Firma auf die Beine stellen; während der eine seine Kontakte spielen lässt, um reiche Investoren anzulocken, kümmert sich der andere um lukrative, wenn auch nicht immer astreine Anlage-Möglichkeiten. Als sich herausstellt, dass ihr Gönner sie betrogen hat, droht das millionenschwere Kartenhaus allerdings schnell über den Jungunternehmern zusammenzubrechen, was sie zu zunehmend verzweifelten, gewalttätigen Rettungsversuchen treibt. Satirisch angelegter Thriller um ein gesellschaftliches Klima, in dem zwischenmenschliche Beziehungen lediglich als Geschäft funktionieren und die Gier jede Moral aushöhlt. Dabei ist der Film in seiner Darstellung einer durch und durch dekadenten High Society einigermaßen klischeehaft, unterhält dank zwei guter Hauptdarsteller und einem wendungsreichen Drehbuch aber doch solide. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
BILLIONAIRE BOYS CLUB
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2018
Regie
James Cox
Buch
James Cox
Kamera
James M. Muro
Musik
Joel J. Richard
Schnitt
Glen Scantlebury · Amy Collier
Darsteller
Ansel Elgort (Joe Hunt) · Taron Egerton (Dean Karny) · Kevin Spacey (Ron Levin) · Emma Roberts (Sydney Evans) · Ryan Rottman (Scott Biltmore)
Länge
104 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Thriller

Heimkino

Verleih DVD
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Diskussion

Wenn der Traum vom schnellen Geld zur blutigen Farce wird: Ein Krimi, der einen realen Betrugs- und Mordfall aus den 1980ern aufrollt.

In den USA fiel „Billionaire Boys Club“ mit Pauken und Trompeten durch: Kevin Spacey verkörpert darin eine größere Nebenrolle, doch als der Film im Sommer 2018 in die Kinos kam, war der Schauspieler im Zuge des #MeToo-Skandals wegen Vorwürfen sexueller Übergriffe bereits zur Persona non grata der Medienwelt geworden. Während sich Ridley Scott für „Alles Geld der Welt“, der im Winter 2017 startete, dafür entschieden hatte, Spaceys Rolle mit Christopher Plummer neu zu besetzen und Szenen nachzudrehen, kam „Billionaire Boys Club“ inklusive Spacey in die Kinos – und scheiterte damit grandios.

Tatsächlich ist es im Kontext der gegen ihn erhobenen Anschuldigungen etwas abgeschmackt, Spacey hier in der Rolle eines alternden, klischeehaft-tuntig daherkommenden Gauners zu sehen, der mit Andy Warhol Cocktails schlürft und sich an die titelgebenden „Billionaire Boys“ als scheinbar freundschaftlicher Mentor ranmacht, um sie dann nach Strich und Faden aufs Kreuz zu legen. Den Film danach zu bemessen, ist freilich nicht fair, ist Spaceys Auftritt doch tatsächlich nur eine überschaubare Facette. Im Zentrum stehen zwei talentierte Jungstars, Ansel Elgort („Baby Driver“) und Taron Edgerton („Kingsman“, Rocketman“) und ein realer Betrugs- und Mordfall – Ingredienzien, die den Film solide unterhaltsam machen, auch wenn er nicht zu den großen Würfen des Kinojahres 2018 gehört.

Ein Stück vom Kuchen der Superreichen

In den frühen 1980ern wollen Joe Hunt (Elgort) und Dean Karny (Edgerton), beides Jungs aus der Mittelschicht, die aber eine Erziehung an einer Eliteschule in L.A. genossen haben, ihr Stück vom Kuchen der Superreichen abbekommen, das ihren Mitschülern großteils in die Wiege gelegt wurde. Karny verfügt über den jungenhaften Charme und die Beziehungen, Hunt über das Finanzmarkt-Knowhow, um mit Unterstützung ihres angeblichen Freundes Ron Levin (Kevin Spacey) eine Investmentfirma auf die Beine zu stellen, die mit der als „Ponzi-Scheme“ bekannten Betrugsmasche operiert – bis das aufgeblähte Finanzkartenhaus zusammenstürzt, als sich offenbart, dass Levin die Jungs gründlich übers Ohr gehauen hat. Vor den Ruinen ihres Traums vom guten Leben stehend, fangen die Freunde zunehmend erratisch an, „Schadensbegrenzung“ zu betreiben – und reiten sich dabei immer tiefer in einen Schlamassel, bei dem bald nicht mehr die virtuellen Geldströme fließen, sondern Blut.

Welpen statt Wallstreet-Wölfen

Geld bedeute in erster Linie Respekt, sagt die Off-Stimme von Dean Karny, die als Erzähler durch den Film führt, ganz am Anfang: Je mehr man davon hat, umso respektvoller wird man behandelt. Wenn das auch für das eigene Selbstbild gilt, wird es gefährlich, denn dann gibt es wenig, was einen daran hindern könnte, buchstäblich alles zu tun, um nicht ohne Geld dastehen zu müssen. Statt dem „Wolf of Wall Street“ sind es hier Welpen aus der Metropole des schönen Scheins, die Regisseur und Co-Autor James Cox beweisen lässt, wie sehr Geld und die windigen Geschäfte der Hochfinanz den Charakter verderben. In seiner Inszenierung der Dekadenz der Superreichen, der Welt der Armani-Anzüge, Sportwagen und Drogen-und-Sex-Partys ist der Film allerdings alles andere als originell – im Vergleich zu Martin Scorseses exaltierter, urkomische Satire auf Gier und Maßlosigkeit der Börsianer im Besonderen und der US-Gesellschaft im Allgemeinen wirkt der „Billionaire Boys Club“ wie ein Haufen Chorknaben.

Tatsächlich geht es Cox aber wohl auch weniger um die Gesellschaftssatire als um das darunterliegende Drama zwischenmenschlicher Beziehungen, die unweigerlich vergiftet werden, wenn man mit der Philosophie, dass Gewinnmaximierung alles und Begriffe wie Gut und Böse relativ sind, ernst macht. Entsprechend zeichnet er seine Figuren mit einer gewissen Fallhöhe: Hunt und Karny erscheinen zunächst als durchaus sympathische Jungs, die sich weniger aus Skrupellosigkeit denn aus Leichtfertigkeit in die krummen Geschäfte stürzen und selbst davon überrumpelt werden, welche Dimensionen das Ganze annimmt. Irgendwann ist die Eigendynamik des Betrugs dann allerdings so zwingend, dass sie mehr und mehr moralische Grenzen überschreiten – und letztlich viel mehr verlieren als nur Geld.

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