Komödie | USA 2019 | 102 Minuten

Regie: Olivia Wilde

Zwei ausgezeichnete Schülerinnen, die ihr ganzes High-School-Leben dem Lernen gewidmet haben, erfahren am Tag des Abschlussballs, dass ihre feierfreudigen Mitschüler ebenfalls optimistisch in die Zukunft blicken können. Kurz entschlossen machen sie sich daran, das Versäumte in einer Nacht nachzuholen und auch einmal über die Stränge zu schlagen. Zwischen Humor und dramatischen Momenten gut ausbalancierte High-School-Komödie, die mit originellen visuellen Ideen überzeugt und von ihren erfrischenden Hauptdarstellerinnen lebt. Zu Gunsten leichter Unterhaltung verzichtet der versöhnliche Film aber oftmals auf Tiefgang. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
BOOKSMART
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Olivia Wilde
Buch
Emily Halpern · Sarah Haskins · Susanna Fogel · Katie Silberman
Kamera
Jason McCormick
Musik
Dan the Automator
Schnitt
Jamie Gross
Darsteller
Kaitlyn Dever (Amy) · Beanie Feldstein (Molly) · Jessica Williams (Miss Fine) · Jason Sudeikis (Rektor Brown) · Lisa Kudrow (Charmaine)
Länge
102 Minuten
Kinostart
14.11.2019
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Komödie
Diskussion

Eine Teenie-Komödie um zwei Mädchen, die als „Bücherwürmer“ in der Schule zwar erfolgreich sind, plötzlich aber fürchten, zu viel vom wahren Leben versäumt zu haben.

Das Genre der Teenager- oder High-School-Komödien hat in den USA eine lange Tradition. Berühmt-berüchtigt sind nicht zuletzt Filme wie American Pie und seine zahlreichen Epigonen, die das Thema der amoklaufenden Teenie-Hormone als Steilvorlage für derben Humor mit reichlich Körperflüssigkeiten nutzen. Es geht freilich auch anders, sensibler, und das Regiedebüt der Schauspielerin Olivia Wilde ist einer jener Filme, die das vormachen. „Booksmart“ verzichtet weitgehend auf Gags unter der Gürtellinie und stellt zwei junge Mädchen in den Vordergrund der Geschichte: Amy (Kaitlyn Dever) und Molly (Beanie Feldstein) sind beste Freundinnen und in jeder Hinsicht unzertrennlich. Sie sind clever und schlau, schreiben in der High School immer die besten Noten und sind somit heiße Anwärterinnen auf einen Platz an einer der Elite-Universitäten Amerikas.

Allerdings haben die klugen Köpfe vor lauter Lernen vergessen, dass es auch ein Leben neben der Schule gibt. Das wird ihnen aber erst am Abschlussabend bewusst. Deshalb beschließen Amy und Molly, Versäumtes nachzuholen. Und das schließt Tanzen, Singen und Feiern ebenso ein wie den Konsum von Alkohol und den Versuch, sexuell aktiv zu werden. Doch bis sie endlich auf der ultimativen Fete ihres Mitschülers Nick landen, steht ihnen noch ein langer, steiniger Weg bevor.

Eine einfallsreiche Bildgestaltung und zwei starke Newcomer-Darstellerinnen

Olivia Wilde beweist bei ihrem Erstling erstaunliche Originalität. Neben schrägen Kostümen und einem hippen Soundtrack, der einen zuweilen aus dem Kinosessel katapultiert, überrascht sie auch auf visueller Ebene mit guten Ideen, etwa wenn ein Skater in Zeitlupe durch die Flure der Schule gleitet und dabei mit einem Feuerlöscher eine Spur weißen Nebels nach sich zieht, oder in einer Traumsequenz, in der Molly mit ihrem Angebeteten eine ebenso rasante wie komplizierte Tanzchoreografie hinlegt. Auch eine Unterwassersequenz im Pool gehört zu den zahlreichen optischen Highlights des Films.

Generell balanciert „Booksmart“ komische Töne und dramatische Momente gut aus, der Mix aus plattem Teenager-Spaß, Außenseiter-Drama und seriöser Coming-of-Age-Story lebt vor allem von dem erfrischend unverbrauchten Spiel der beiden Newcomer-Hauptdarstellerinnen Kaitlyn Dever und Beanie Feldstein, die eben einmal nicht dem klassischen Schönheits-Ideal blond, schlank, blauäugig entsprechen, sondern wie erdige, aus dem wirklichen Leben gegriffene Menschen mit Ecken, Kanten und kleinen Fehlern rüberkommen.

Auch die Jugendsprache ist heutig, spart auch nicht mit Kraftausdrücken, allerdings muss man mit dem nahezu permanenten verbalen Schlagabtausch der beiden Protagonistinnen klarkommen können, denn Wilde hat ihnen (unendlich) viele Dialoge in den Mund gelegt, die zuweilen mehr nerven, als dass sie eine zielführende Funktion erfüllen würden.

Warum Lernen nicht alles ist

Bevölkert wird der Film von einem Potpourri verschiedenster Figuren. Da gibt es den reichen, geltungssüchtigen Schnösel ebenso wie die nach sexueller Orientierung suchende Skaterin, den übergewichtigen Schlaumeier ebenso wie die coole Afroamerikanerin oder die lässige Blondine, die ganz offen zu ihrer Homosexualität steht. Allerdings wird etwa die Gender-Thematik nur angerissen, nicht wirklich vertieft, Wilde setzt dann letztlich doch auf pures Entertainment und den unvermeidlichen Fäkal-Humor, wenn sich Amy beim Sex übergeben muss und sich das Erbrochene über den Körper der Klassenkameradin ergießt.

Zudem ist auch die handlungsauslösende Erkenntnis, dass die von Molly als Feierbiester verpönten Mitschüler einen Platz an einer „guten“ Uni bekommen haben, nicht ganz unproblematisch. Neben Binsenweisheiten wie „Man kann sich die Zuneigung von Menschen nicht erkaufen“ darf ein junges Publikum so eben auch die Botschaft mit nach Hause nehmen, dass Lernen keine wirkliche Rolle spielt.

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