Komödie | Indien 2019 | 104 Minuten

Regie: Samit Basu

Eine indische Komödie um einen jungen Mann mit agoraphobischen Anwandlungen, der es nicht mehr über sich bringt, seine aseptisch saubere Wohnung zu verlassen. Der Rückzug von der Welt und ihrem Trubel wird allerdings dadurch unterlaufen, dass ihm eine schöne junge Reporterin und ein Koffer mit brisantem Inhalt  ins Haus schneien und für Verwicklungen sorgen. Der Film liefert ein Genre-Masala zwischen RomCom, Melodram, Slapstick und Krimi, wobei sich die verschiedenen Tonlagen allerdings gegenseitig sabotieren und dafür sorgen, dass sich keines der Handlungselemente glaubwürdig und spannend entfalten kann. Die Thematik sozialer Phobien wird dabei nur an der Oberfläche gestreift.

Filmdaten

Originaltitel
HOUSE ARREST
Produktionsland
Indien
Produktionsjahr
2019
Regie
Samit Basu · Shashanka Ghosh
Buch
Samit Basu
Musik
Amartya Rahut
Schnitt
Bhupesh "Micky" Sharma
Darsteller
Ali Fazal (Karan) · Shriya Pilgaonkar (Saira) · Jim Sarbh (J.D.) · Barkha Singh (Pinky) · Sunil Kumar (Rambo)
Länge
104 Minuten
Kinostart
-
Genre
Komödie

Diskussion

Karan (Ali Fazal) lebt im wahrscheinlich saubersten Apartment Indiens. Jedes Bild hängt im perfekten Winkel zum nächsten, jede Tisch- und Bodenoberfläche glänzt im Sonnenlicht, jeder Gegenstand hat seinen genauen Platz. Weder Luftverschmutzung noch Verkehrslärm dringen in diese aseptische Wohnung ein. Und Karan hat seit Monaten nie einen Schritt vor die Haustür auf die dreckigen Straßen gewagt.

Ist Karan ein Autist? Ein Hypochonder? Ein Depressiver? Die Journalistin Saira (Shriya Pilgaonkar) vermutet, dass der Mittzwanziger am japanischen Hikikomori-Syndrom leidet. Die Psychose betrifft vor allem junge Männer, die sich wochen- oder monatelang zuhause ohne jeglichen sozialen Kontakt zurückziehen. Ein kurzer Anruf, und schon steht Saira vor Karans Tür. Der soziale Phobiker kann sich gegen die freundliche Reporterin kaum wehren, lässt sie herein und setzt sich ihren Fragen aus.

Liebesgeplänkel und eine noch ziemlich lebendige Leiche

Doch aus dem Rechercheinterview wird schnell ein romantisches Geplauder. Karan kocht Lunch und zwischendurch etliche Tassen Kaffee. Die beiden spielen Videospiele. Ziemlich schnell und ziemlich leicht ist das sozial-psychologische Problem mit einem Staubwedel weggefegt, und das junge Paar flirtet vor sich hin, ohne Unsicherheiten zu zeigen. Nur ein bisschen Background erfährt man: Karan war einmal Banker mit zu viel Ambitionen. Es war das Workaholic-Syndrom. Das versteht Saira. Auch sie wollte sich einmal ein Sabbatical gönnen, aber in diesem Moment klingt ihr Handy. Der nächste Termin ruft.

Burn-out hin oder her – das will der Film nicht weiter vertiefen. Lieber bringt er einen rosaroten Koffer ins Spiel, den eine rosa gekleidete Nachbarin und ihr Rambo-Bodyguard in Karans Wohnung abgestellt haben. Zwar sind keine Viren damit ins Haus gekommen, dafür aber die Leiche eines Mannes, der sich bald als noch ziemlich lebendig und als Opfer eines Kidnapping entpuppt. Er unterbricht im Folgenden den Liebesreigen immer wieder – was wohl als Running Gag gemeint ist, tatsächlich aber nur mäßig komisch ist. Am Ende schaut auch noch die Polizei vorbei.

Genre-Masala zwischen RomCom, Melodram, Slapstick und Krimi

In „House Arrest“ von Shashanka Ghosh und Samit Basu kippt häufiger der Tonfall: Von der RomCom zum Melodrama, zum Slapstick, zum Krimi und wieder zurück. Leider allerdings vermag die Inszenierung in keiner dieser Tonlagen zu überzeugen; und mit den abrupten Genrewechseln sabotieren sich die einzelnen Erzählelemente in ihrer Wirkung gegenseitig: In der Romanze kommt keine rechte Chemie auf und die gegenseitige Anziehung wirkt behauptet; der Krimi-Plot bleibt in Ansätzen stecken und entfaltet keinerlei Spannung. Und das eigentliche, durchaus spannende Thema des Films, die sozialen Angstzustände in der indischen Mittel- und Oberklasse, wird nur an der Oberfläche gestreift. Dass Karan nach der Begegnung mit Sairia urplötzlich zu einem sorgenfreien Menschen wird, poliert die Thematik so auf Hochglanz, dass nichts mehr davon übrig bleibt, was noch einigermaßen Substanz hat. Neben einem indischen Filmhighlight wie „Soni“, dem Netflix bereits im Frühjahr 2019 zu einem internationalen Publikum verholfen hat, bleibt „House Arrest“ arg blass.

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