Poldark - Staffel 5

Historienfilm | Großbritannien 2019 | 462 (8 Episoden) Minuten

Regie: Sallie Aprahamian

Die finale Staffel der Historienserie rund um einen Landadligen in Cornwall spielt im Jahr 1800: Um einen ehemaligen Kriegskameraden aus dem Gefängnis zu retten und dessen Reputation wieder herzustellen, nimmt es Ross Poldark mit einem intriganten Geschäftsmann und dessen Verbündeten auf, die in den Kolonien des Empire von der Ausbeutung von Sklaven profitieren. Angesichts der Skrupellosigkeit, die seine Gegner an den Tag legen, riskiert Ross damit nicht nur seine politische Karriere im britischen Parlament, sondern auch sein Leben. Das Serienfinale beruht erstmals nicht direkt auf einer Romanvorlage des „Poldark“-Schöpfers Winston Graham, sondern stößt erzählerisch in eine zeitliche Lücke, die dieser in seinem Epos ließ. Mittels des zentralen Abenteuer-Plots, um den einmal mehr diverse melodramatische Konflikte unterschiedlicher Mitglieder der Poldark-Familie gruppiert sind, gelingt der Staffel eine durchaus stimmige Weiterentwicklung, die allerdings nur ansatzweise die Chance wahrnimmt, in dem historischen Sujet auch aktuelle Themen zu spiegeln. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
POLDARK - SEASON 5
Produktionsland
Großbritannien
Produktionsjahr
2019
Regie
Sallie Aprahamian · Justin Molotnikov
Buch
Debbie Horsfield
Kamera
Simon Archer
Musik
Anne Dudley
Schnitt
Helen Murphy · Adam Green
Darsteller
Aidan Turner (Ross Poldark) · Eleanor Tomlinson (Demelza Poldark) · Freddie Wise (Geoffrey Charles Poldark) · Jack Farthing (George Warleggan) · Luke Norris (Dwight Enys)
Länge
462 (8 Episoden) Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Historienfilm | Literaturverfilmung | Serie

Heimkino

Verleih DVD
Edel Motion
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Im Finale der Historienserie nach den Romanen von Winston Graham kämpft der Titelheld im England des Jahres 1800 gegen korrupte Geschäftsleute, die vom Sklavenhandel in den Kolonien des Empire profitieren.

Diskussion

Ralph Hanson (Peter Sullivan), ein einflussreicher Mahagoni-Händler, beruft sich gerne auf den Naturforscher Carl von Linné und dessen „Systema Naturae“, wenn es gilt, seine Geschäftspraktiken zu rechtfertigen. Der „Africanus Niger“ sei gut für schwere körperliche Arbeit, geistig-moralisch aber nicht mit dem „Europæus albus“ zu vergleichen; wer schwarze Menschen als Sklaven arbeiten lässt, wie Hanson auf seiner Plantage in Honduras, besitzt seiner Meinung nach den Segen der Wissenschaft. Sentimentalitäten seien bei der Sklaverei sowieso unangebracht – schließlich ist sie ein wirtschaftlicher Pfeiler des britischen Empire. Mit dieser Ansicht hat Hanson nicht unrecht: Von dem Edelholz, das seine Sklaven unter unmenschlichsten Bedingungen ernten, profitiert nicht nur Hanson, sondern auch die britische Krone. Wer würde es da wagen, sich ihm entgegen zu stellen?

Ein neues Einsatzgebiet für den Edelmut

Nach vier „Poldark“-Staffeln liegt die Antwort auf der Hand: Der Titelheld der Serienadaption des Romanzyklus von Winston Graham um einen Landadligen im Cornwall an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert hat sich wieder und wieder als Beschützer der Armen und Ausgebeuteten erwiesen; und selbstverständlich macht sein Larger-Than-Life-Edelmut auch in Staffel 5 nicht bei den darbenden Minenarbeitern seiner Heimat halt, sondern umfasst auch die Sklaven in den Kolonien.

Zum Auslöser dafür, dass sich Ross Poldark (Aidan Turner) dem Sklavenhalter Hanson und seinen einflussreichen Helfershelfern entgegen stellt, wird ein alter Freund: Ned Despard (Vincent Regan), der einst mit Ross gemeinsam im US-amerikanischen Unabhängigkeitskrieg kämpfte, teilt dessen Ideale von sozialer Gerechtigkeit und wurde von Hanson diskreditiert und ins Gefängnis gebracht, weil er ihm bei seinen schmutzigen Geschäften in Honduras in die Quere kam. Um Despard und seiner schwarzen Frau Kitty (Kerri McLean) zur Seite zu stehen, nehmen die Poldarks und ihre besten Freunde, die Enyses, den Kampf gegen Hanson und Konsorten auf, zu denen bald auch Ross’ ewiger Feind George Warleggan (Jack Farthing) stößt.

Die Angst vor der Revolte

Ein letztes Mal wird also unter stürmischen cornischen Himmeln intrigiert, geliebt und gehasst; die Gefühle branden so hoch wie die See an der Küste. Mit der fünften Staffel schließt Showrunner Debbie Horsfield ihre Adaption der „Poldark“-Romanreihe ab. Während sich die zwölfbändige Literaturvorlage noch über die Napoleonischen Kriege bis in die 1820er-Jahre erstreckt, verlässt die Serie ihre Figuren im Jahr 1800. Erstmals stützt sie sich auch nicht direkt auf die Bücher, sondern stößt in eine erzählerische Lücke. Während dort nach dem Tod von Elizabeth Warleggan eine Zäsur gelassen und die Handlung in Band acht erst zehn Jahre später wieder aufgegriffen wird, schließt Staffel 5 direkt an Staffel 4 an.

Ross ist nach wie vor durch sein Amt als Parlamentarier zwischen London und seinem Landsitz Nampara hin- und hergerissen; Großbritannien ringt mit massiven wirtschaftlichen Problemen, und die Regierung des „Mad King George“ fürchtet nichts mehr, als dass der soziale Sprengstoff, der in Frankreich jüngst die Revolution befeuerte, auch in England hochgehen könnte. Das stellt auch für Ned und Ross eine große Gefahr dar, denn ihre Gegner arbeiten hartnäckig daran, den Einsatz für die Ausgebeuteten als „jakobinisches“ Komplott gegen die Krone dastehen zu lassen.

Halbherziges Update des Epos für die Gegenwart

Mit der Story um Hanson und die Despards hat sich Debbie Horsfield für das Serienfinale einen Aufhänger ausgedacht, der sich durchaus stimmig und plausibel in das Epos von Winston Graham einfügt und einen guten Anlass bietet, um die Handlung als bewährten Mix aus kritischem Gesellschaftspanorama, abenteuerlicher Kolportage und Melodram weiterzuspinnen.

Etwas weniger stimmig, weil im Tonfall allzu dick aufgetragen, sind einige Seitenstränge geraten, nicht zuletzt um George Warleggan und dessen bis zum Wahnsinn reichender Trauer um seine verstorbene Gattin. Der durchaus lobenswerte Versuch, der in der Serie eindimensionaler als in den Büchern angelegten Figur mehr Profil zu geben, fällt allerdings eher kitschig denn anrührend aus.

Winston Graham beleuchtete in seinem Romanzyklus nicht nur die englische Geschichte, sondern spiegelte in seiner charismatischen Heldenfigur, die 1945 mit der Veröffentlichung des ersten Bandes das Licht der Welt erblickte, auch den Geist des „New England“ der Nachkriegszeit, das die alte Klassengesellschaft in Frage stellte und erstmals eine Labour-Regierung an die Macht wählte. Mitunter scheint es so, als hätte Debbie Horsfield mit Staffel 5 durchaus den Ehrgeiz besessen, dazu ein „Update“ zu liefern, das auf Diskurse der Gegenwart rekurriert – durch die Thematisierung von populistischen Umtrieben, etwa wenn Poldarks Gegner bewusst die Ressentiments und Ängste ihrer Zeitgenossen instrumentalisieren und mit „Fake News“ und Manipulationen der öffentlichen Meinung geschickt zu Werke gehen, während der Held und seine Freunde sich verzweifelt um Aufklärung bemühen. Doch im großen Finale der letzten Episoden werden diese Ansätze allerdings nicht konsequent ausgearbeitet. Etwas mehr Mut, die Loslösung von der Romanvorlage auch als Lizenz zu verstehen, jenseits der „period piece“-Nostalgie und der süffigen Familiensaga „Poldark“ fürs Brexit-England weiterzudenken, hätte der Serie eine Klasse verliehen, die Grahams Vorlage angemessener gewesen wäre.

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