Dokumentarfilm | Australien 2019 | 98 Minuten

Regie: Liam Firmager

Das pulsierende Künstlerporträt zeichnet die Karriere der aus Detroit stammenden US-Rock-Ikone Suzi Quatro nach, die seit den 1970er-Jahren mehr als 55 Millionen Platten verkauft hat, auch wenn ihr in ihrer Heimat nie der Durchbruch gelang. Der Film verwebt Interviews, private Archivbilder, Konzertausschnitte und TV-Aufzeichnungen zu einer mitreißenden Bild-Ton-Collage mit vielen ihrer basslastigen Hits. Obwohl der stark auf Quatros eigene Sicht zugeschnittene Film die weniger schönen Seiten ihrer Karriere unterschlägt, klingt dennoch an, wie sehr die Sehnsucht nach familiärer Anerkennung das Streben der Musikerin bestimmte. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
SUZI Q
Produktionsland
Australien
Produktionsjahr
2019
Regie
Liam Firmager
Kamera
Jack Eaton · Liam Firmager · James Nuttal · David Richardson
Schnitt
Sara Edwards
Länge
98 Minuten
Kinostart
04.06.2020
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Dokumentarfilm | Musikdokumentation

Doku über die US-amerikanische Rocksängerin Suzi Quatro, die in den 1970er-Jahren zur stilbildenden Musikerin aufstieg.

Diskussion

So beginnt jedes größere Rockkonzert: mit dem wuseligen Gewerk der Roadies, dem Anschluss übersteuerter E-Gitarren, dem Check der Mikrofone und dem Aufflackern der großen, die Bühne flankierenden Bildschirme. Auch die Dokumentation von Liam Firmager über eine der bekanntesten Rockmusikerinnen der 1970er-Jahre startet mit solch verheißungsvollen Bildern. Man ist sogar versucht, sie als die Rock-Ikone ihrer Zeit zu bezeichnen: Suzi Quatro – Vorkämpferin und Vorbild für Tausende Frauen, die wegen ihr die Gitarre nicht mehr zugunsten der Blockflöte links liegen ließen. Die aus Detroit stammende Bassistin und Sängerin mit den flinken Fingern und dem noch schnelleren Mundwerk brachte viele Hits heraus; seit 1973 verkaufte sie weltweit mehr als 55 Millionen Platten. Doch in ihrer Heimat konnte sie sich nie richtig etablieren.

Eine beispiellose Karriere als Rockmusikerin

„Suzi Q.“ ist das Porträt einer beispiellosen Karriere. Und zugleich das Zeugnis, wie ein solches Streben nach Erfolg vom Bedürfnis nach Anerkennung, vor allem von familiärer Seite, befeuert wird. Quatro spielte nicht mit einem Plektrum, sondern griff richtig in die Saiten. Dass dabei auch viel Wut im Spiel war, deutet der großteils aus Quatros Sicht geschilderte Film durch einen Ausschluss an. Denn Quatro ließ 1971 ihre ebenso talentierten Schwestern in der gemeinsamen All-Female-Band „The Pleasure Seekers“ zurück, um sich von dem Musikproduzent Mickie Most allein unter Vertrag nehmen zu lassen. Sie kehrte auch ihrer katholisch geprägten Familie den Rücken, um in London unter Mosts Anleitung Fuß zu fassen. Das gelang ihr dann allerdings erst mit Hilfe der Songwriter Mike Chapman und Nicky Chinn. Von ihnen stammt Quatros erster Hit „Can the Can“. Was folgte, zählt zur Musikgeschichte der hardrockigeren Art, wie es der ebenfalls aus Detroit stammende Alice Cooper seiner ehemaligen Vorband-Leadsängerin bescheinigt.

So wie sich Quatros Sound anhört und wie die Auftritte der ungewöhnlich kleinen, bis heute in einem Leder-Catsuit auftretenden Sängerin aussehen, so fühlt sich auch der Film an: energetisch, schnell und voller Lust, den Zuhörern wie den Zuschauern die Wucht der basslastigen Songs um die Ohren zu schlagen. Der Film breitet den ganzen Fundus aus privaten Archivbildern, Interviews, Konzertaufnahmen, Magazincovern und TV-Mitschnitten vor einem aus. Die klassischen Doku-Elemente sind allerdings so dynamisch montiert, dass sich „Suzi Q.“ zur mitreißenden Bild-Ton-Collage formt.

Im Spiegel vieler Zeitzeuginnen

Firmager hat sich als Zeitzeuginnen von Quatros inspirierenden Auftritten namhafte Musikerinnen mit ins Boot geholt: Debbie Harry von „Blondie“, Donita Sparks von „L7“, Tina Weymouth von den „Talking Heads“, Kathy Valentine von „The Go-Gos“, Cherie Currie von „The Runaways“ und Joan Jett. Joan Jett war einst selbst ein großer Suzi-Quatro-Fan, bevor nicht nur sie mit Quatro, sondern auch Quatro mit Joan Jett verwechselt wurde – vor allem dank Jetts Welthit „I Love Rock’n’Roll“, der in der USA wie eine Bombe einschlug. Und dann gibt es ja auch noch Suzi Quatro als Interviewpartnerin, die aus der Überzeugung ihres eigenen Könnens so wenig Hehl macht wie aus dem mutmaßlichen Beleidigtsein ihrer ebenfalls begabten Schwestern und ihres Musikervaters.

Mit einer so selbstbewussten Stimme im Rücken, die zudem oft betont, wie viel sie vor allem in ihrer Jugendzeit für den Ruhm aufgeben musste, fällt es dem Porträt schwer, auch die weniger schönen Seiten dieser Karriere durchschimmern zu lassen. Zumal Quatro nach eigenem Bekunden Veto- beziehungsweise Schnitt-Rechte an der finalen Fassung des Films besaß. „Wenn es die Wahrheit ist, dann ist es im Film geblieben“, erzählt sie freimütig im Interview. Nur liegt die Wahrheit immer auch im Auge des Betrachters oder wie hier der (Mit-)Erzählerin. Die (immer noch solidarischen) Aussagen ihrer Schwestern lassen dennoch erahnen, dass Quatro die gar nicht so leise Kritik ihrer Familie so lange herunterdimmte, bis sie selbst endlich Lob bekam, etwa von ihrem Vater, viele Jahre später, zur Musical-Titelrolle in „Annie Get Your Gun“.

Teufelsweib und Zweiflerin

In „Suzi Q.“ schwelen die Konflikte im Hintergrund, wie sie vielleicht auch in Quatros Leben immer leise, aber beständig ans schlechte Gewissen anklopften. Am Ende ist nicht nur die Musikerin zu einer wichtigen Erkenntnis über ihre Familie gelangt; auch der Zuschauer ist der an den Anfang des Films platzierten Einschätzung des Musikjournalisten Philip Norman ganz nahegekommen: „Eine Rockerin, Zweiflerin, Eigenbrötlerin, ein Teufelsweib, eine Wildkatze, ein Sturmkind, geflüchtet aus dem verängstigten Detroit.“

Kommentar verfassen

Kommentieren