Der weiße Massai Krieger

Dokumentarfilm | Deutschland/Kenia 2019 | 84 Minuten

Regie: Benjamin Eicher

Um die Bedrohung der Kultur der Massai zu dokumentieren, wird ein deutscher Filmemacher von einem Dorfältesten in Nigeria eingeladen, sich zum Massai-Krieger ausbilden zu lassen. Der Film dokumentiert den mehrwöchigen Crash-Kurs, in dem sich der Lehrling in den Alltag der Krieger und die Traditionen einführen lässt. Dabei wird zwar Einblick ins Leben der Massai gegeben, doch hat das ganze Projekt letztlich mehr den Charakter eines Abenteuerurlaubs als einer ernsthaften Ethno-Studie. Grandiose Tier- und Landschaftsbilder können den Mangel an Erkenntniswert dabei nur bedingt wettmachen. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
THE WHITE MASSAI WARRIOR
Produktionsland
Deutschland/Kenia
Produktionsjahr
2019
Regie
Benjamin Eicher
Buch
Peter Eicher
Kamera
Timo Joh. Mayer · Christoph Siegwart · Stephan Stahl · Martin Wenzel
Musik
Nassouh Hichri
Schnitt
Benjamin Eicher · Stephan Stahl
Länge
84 Minuten
Kinostart
14.01.2020
Fsk
ab 6; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Dokumentarfilm

Dokumentation über einen deutschen Filmemacher, der sich in einem Crash-Kurs zum Massai-Krieger ausbilden lässt, um die Kultur des afrikanischen Stammes kennenzulernen.

Diskussion

Eigentlich ist Benjamin Eicher eher im Genre des Tierfilms unterwegs, aber dieses Angebot konnte er offenbar nicht ausschlagen. Am Rande von Dreharbeiten zu einer Dokumentation über die Wanderung riesiger Gnu-Herden im Grenzgebiet zwischen Tansania und Nigeria lernte er einen Massai kennen, der ihn in sein Dorf einlud. Dort beklagte der Stammesälteste den Niedergang der Massai-Kultur und forderte Eicher auf, einen Film darüber zu drehen. Um dem Thema möglichst nahezukommen, könne er sich ja zum Massai-Krieger ausbilden lassen.

Rote Farbe gegen Mücken und Raubtiere

So erzählt es der Filmemacher zu Beginn seiner Dokumentation, bevor er sich mit einem Team nach Nigeria aufmacht. Vor Ort werden ihm vier Massai-Krieger zugeteilt, die seine Ausbildung übernehmen sollen. Ist Eicher zunächst mit Zelt und westlichen Outdoor-Klamotten unterwegs, legt er bald die traditionelle Tracht der Gastgeber an, schläft wie sie unter freiem Himmel und lässt seinen Körper mit roter Farbe anmalen. Was gut gegen Mücken ist, aber wegen des martialischen Aussehens auch Löwen und andere Raubtiere auf Distanz halten soll. Darüber hinaus bekommt Eicher noch einen Crash-Kurs in Bogenschießen und Speerwerfen. Wohl wissend, dass er diese Waffen kaum jemals einsetzen wird. Denn die Massai-Krieger führen schon lange keine Kriege mehr. Nicht gegen Menschen und auch nicht gegen Wildtiere. Denn sie gehen nicht auf die Jagd, sondern ernähren sich, so lassen sie den Lehrling wissen, ausschließlich von Schafen und Rindern aus ihren Herden. Und ihr Hauptjob besteht darin, diese vor Angriffen durch Löwen und Leoparden zu beschützen.

Auch die traditionellen Initiationsrituale eines Massai-Kriegers bleiben dem Besucher erspart. Er muss sich weder beschneiden lassen, noch werden ihm zwei Schneidezähne gezogen. Mit etwas Überwindung folgt der Filmemacher allerdings dem Brauch, das noch warme Blut eines geschlachteten Schafes zu trinken und kommt zu dem Testergebnis: „Schmeckt wie Blutwurst. Nur weniger salzig.“ Im Gegenzug bietet er den Massai, als das Tier gegrillt wird, eine Auswahl an Barbecue-Saucen aus handelsüblichen Plastikflaschen an, die allerdings auf wenig Begeisterung stoßen.

Der Charakter eines sportiven Abenteuerurlaubs

Wer bei dem Titel des Films an das Buch „Die weiße Massai“ oder den gleichnamigen Spielfilm denkt, liegt nur bedingt richtig. Anders die Autorin Corinne Hofmann, die ihren letztlich gescheiterten Versuch geschildert hat, sich nach der Heirat mit einem Massai dauerhaft in das Stammesleben einzufügen, hat Benjamin Eichers Projekt eher etwas von einem auf wenige Wochen befristeten Dschungelcamp. So sympathisch man es finden mag, dass der Filmemacher auch gar nicht so tut, als ginge es ihm um eine tiefschürfende Ethno-Studie fernab der Zivilisation, so sehr leidet die Versuchsanordnung unter dem Charakter eines sportiven Abenteuerurlaubs. Wenn den Kriegern der Weg mal zu weit ist, stehen immer ein paar Geländewagen bereit und als sie gegen Ende des Films (angeblich) großen Hunger verspüren und beschließen, ein Schaf aus dem Nachbardorf zu stehlen, wohnt man einer eher albernen Inszenierung bei.

Zudem ist Eichers Methode, Kommentare nicht nur im Off abzugeben, sondern seine Sicht der Dinge, umgeben von seinen Mitstreitern, direkt in die Kamera zu sprechen, zumindest gewöhnungsbedürftig. Für die Kommunikation mit den Massai benötigt er ohnehin einen Dolmetscher. Unter dem Strich erfährt man hier wenig über die traditionelle Kultur des Volkes und seine aktuellen Probleme. Und seinen vier Ausbildern kommt der weiße Krieger auch nicht sonderlich nahe. Wirklich zu überzeugen vermögen an diesem Dokumentarfilm in erster Linie die grandiosen Landschaftspanoramen und Sequenzen mit Wildtieren aller Art

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