Historienfilm | Belgien/Polen 2018 | 100 Minuten

Regie: Bartosz Konopka

Zwei polnische Ritter stranden im frühen Mittelalter auf einer von Heiden bewohnten Insel. Während der Ältere das Volk mit eiserner Autorität christianisieren will, beginnt der Jüngere mit den Heiden auf Augenhöhe zu leben. Das archaische, visuell wagemutige Drama lässt verschiedene Auslegungen des Christentums in einem erbitterten Konkurrenzkampf aufeinanderprallen. Der Film steuert zwar allzu geradlinig auf die Eskalation zu, bleibt durch seine ambivalenten Protagonisten und eine durchdachte Inszenierung aber durchgehend spannend. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
KREW BOGA
Produktionsland
Belgien/Polen
Produktionsjahr
2018
Regie
Bartosz Konopka
Buch
Bartosz Konopka · Przemyslaw Nowakowski · Anna Wydra
Kamera
Jacek Podgórski
Musik
Jerzy Rogiewicz
Schnitt
Andrzej Dabrowski
Darsteller
Krzysztof Pieczynski (Willibrord) · Karol Bernacki (Namenloser) · Wiktoria Gorodecka (Prahwe) · Jacek Koman (Geowold) · Jan Bijvoet (König)
Länge
100 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Historienfilm

Heimkino

Verleih DVD
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Archaisches, visuell wagemutiges Drama um zwei mittelalterliche Ritter, die auf sehr unterschiedliche Weise ein heidnisches Inselvolk missionieren wollen.

Diskussion

Zwischen dunklen Felswänden wohnen die Heiden. Die Gesichter haben sie mit weißer Farbe bemalt und ihre Körper in dreckige Pelze gehüllt. Für ihren obersten Gott Perun vollziehen sie in diesem Höhlenlabyrinth geheimnisvolle Rituale, bei denen sie hecheln, grunzen und kreischen. In „Sword of God – Der letzte Kreuzzug“ blickt Regisseur Bartosz Konopka nicht aus einer distanziert historisierenden Perspektive auf dieses im frühen Mittelalter angesiedelte Schauspiel, sondern wirft das Publikum direkt ins Geschehen. Die Kamera von Jacek Podgórski taumelt, umkreist die Menschen wie ein wildes Tier und rückt ihnen auf die Pelle. Doch obwohl sich der Film ganz der Unmittelbarkeit verschreibt, bleibt seine Perspektive eine äußere, weil die Sprache der Heiden nicht untertitelt wird.

Der Hauptgrund für diese Entscheidung dürfte sein, dass sich der Film eigentlich um zwei polnische Ritter dreht, die in die Welt der Heiden eindringen. Der ältere Willibrord (Krzysztof Pieczynski) ist im Auftrag eines flämischen Königs auf die nicht näher verortete Insel gekommen. Die vermeintlich Wilden sollen von ihm im Schnelldurchgang christianisiert werden. Bei seiner Ankunft trifft er auf einen jungen Namenlosen (Karol Bernacki), der sich zunächst zwar von Willibrords eiserner Autorität beeindrucken lässt, aber schon bald zu einem erbitterten Konkurrenten wird.

Zwei Arten, auf Fremde zuzugeben

„Sword of God“ erzählt von zwei sehr unterschiedlichen Arten, sich dem Fremden zu nähern. Willibrord entscheidet sich für Chauvinismus und Gewalt. Er weist die Heiden auf die Unsinnigkeit ihrer Religion hin, ohne dieselben Fragen an sich selbst zu stellen. Und er markiert mit Drohungen und Duellen den starken Mann, was einen Teil der Heiden beeindruckt. Gemeinsam mit seinen Rekruten baut er für die Ankunft des Königs eine Kirche aus Holz.

Der junge Namenlose hat zu diesem Zeitpunkt schon die Seiten gewechselt. Nachdem er sich den Mund zugenäht hat, beginnt er mit den Heiden zu leben. Konopka setzt ihn dabei wie eine ramponierte Jesus-Figur in Szene. Mit Kräutern und zärtlichen Gesten heilt er Kranke und beginnt mit Prahwe (Wiktoria Gorodecka), der Tochter des Anführers, eine scheue Liebesbeziehung. Im Gegensatz zu Willibrord setzt er nicht auf Zwang und Unterdrückung, sondern auf Einfühlung und Demut. Statt einfach nur zu behaupten, ein Auserwählter zu sein, wird er von den Heiden zum Propheten ernannt.

Der Kampf mit den inneren Dämonen

Mit seiner stilisierten Archaik erinnert der in einen giftig-türkisen Schleier getauchte Film „Sword of God“ ein wenig an Nicolas Winding Refns Wikingerfilm „Walhalla Rising“. Seine sinnliche, von der Natur überwältigte Bildsprache lässt auch an die pantheistischen Filme von Terrence Malick denken. Dramaturgisch wirkt „Sword of God“ jedoch deutlich konventioneller, weil in erster Linie doch alles auf das unvermeidbare Massaker am Ende zuläuft. Auf seine Art mitreißend ist der Film trotzdem. Das konsequente Aufeinanderprallen widerstrebender Kräfte beschränkt sich nämlich nicht nur auf die beiden gegensätzlichen Protagonisten, sondern offenbart sich auch im Kampf mit ihren inneren Dämonen.

Besonders Willibrord ist eine zutiefst widersprüchliche und gerade dadurch interessante Figur. Sein Verhalten ist zugleich verderblich und gut gemeint. Die zweifelhafte Missionsarbeit versteht er nicht zuletzt auch als Akt der Liebe. Denn die Heiden zum Christentum zu bekehren, bedeutet auch, ihnen angesichts der drohenden Invasion das Leben zu retten. Auch Willibrords Beziehung zum Namenlosen ist äußert ambivalent. Er hegt väterliche Gefühle für ihn, ist aber auch vor Neid zerfressen, weil er nicht annähernd so charismatisch und mächtig ist wie er.

Ohne sprachliches Blendwerk

„Show, don’t tell“, lautet eine beliebte Schreibregel für Drehbuchautoren. Sie wird in „Sword of God“ zum ultimativen Hinweis darauf, wem man trauen sollte. Es gibt ein großes Missverhältnis zwischen dem, was Willibrord tut, und dem, was er sagt. Dass Handlungen entscheidender sind als große Worte oder mächtige Symbole, offenbart sich schon, als der Namenlose erst zu sich selbst findet, nachdem er sich den Mund zugenäht hat. Damit wirkt es auch konsequent, dass die Dialoge der Heiden nicht untertitelt werden. Denn was sich letztlich hinter ihrer rauen Wildheit abzeichnet, ist ein liebevoller und solidarischer Umgang, von dem kein sprachliches Blendwerk ablenkt.

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