Abenteuer | USA 2019 | 113 Minuten

Regie: Ericson Core

Die auf historischen Tatsachen beruhende Geschichte eines Leithundes, der im Alaska der 1920er-Jahre ein Schlittenhunde-Gespann anführt, als ein dringend benötigtes Serum in einen abgelegenen, von der Diphtherie befallenen Ort gebracht werden muss. Die gefahrvolle Reise über hunderte von Meilen führt durch unwirtliches Gelände und einen Sturm. Der Film macht daraus ein mitreißendes familientaugliches Action-Abenteuer. Durch eine Parallelhandlung, die in die Kindheit und Jugend des Leithundes zurückblickt, geht es zugleich um die Entwicklung einer Tier-Mensch-Beziehung, bei der der Hundebesitzer zu wachsendem Respekt vor dem Tier als Persönlichkeit findet. - Ab 10.

Filmdaten

Originaltitel
TOGO
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Ericson Core
Buch
Tom Flynn
Kamera
Ericson Core
Musik
Mark Isham
Schnitt
Martin Pensa
Darsteller
Willem Dafoe (Leonhard Seppala) · Julianne Nicholson (Constance Seppala) · Christopher Heyerdahl (Major George Maynard) · Richard Dormer (Dr. Curtis Welch) · Adrien Dorval (Bill Clark)
Länge
113 Minuten
Kinostart
-
Pädagogisches Urteil
- Ab 10.
Genre
Abenteuer | Biopic

Ein Hundeführer und sein Leithund lassen sich auf ein gefährliches Rennen gegen die Zeit ein, um ein Heilmittel gegen eine Seuche in einen abgelegenen Ort in Alaska zu transportieren.

Diskussion

Besser hätte das Timing für den Deutschland-Start von „Togo“, der mit dem Launch von Disney+ am 24.3.2020 online geht, nicht sein können: Während die Welt gespannt auf einen Impfstoff gegen das Corona-Virus wartet, kommt ein abenteuerlicher Familienfilm über einen Hundeschlittenführer und seinen getreuen Leithund, die im Alaska der 1920er Jahre ein dringend benötigtes Serum in einen von einer Epidemie heimgesuchten Ort transportieren müssen, gerade recht.

Der Stoff beruht auf historischen Tatsachen. Bereits 1995 hat der sogenannte „Serum Run“ eine Verfilmung im Animations-Abenteuer „Balto – ein Hund mit dem Herz eines Helden“ erfahren, das allerdings (wie zunächst die zeitgenössische Presse) den Ruhm jenem Tier zuschrieb, unter dessen Führung ein Schlitten mit dem Medikament schließlich vor Ort ankam, nicht aber jenem Hund, der den Großteil der Strecke bewältigte und kurz vor Schluss entkräftet pausieren musste. „Togo“ stellt das nun richtig – und wird geadelt durch Willem Dafoe, dessen knorriges Charisma ein schönes Gegengewicht zu dem flauschigen vierbeinigen Titelhelden abgibt.

Ein Heilmittel gegen die Diphterie muss beschafft werden

Wenn der gebürtige Norweger Leonhard Seppala (Dafoe) zu Beginn mit seinem Hundeschlitten im Örtchen Nome einfährt, sind die Straßen still, und an den meisten Häusern hängen rote Warnschilder: Die Diphterie geht in dem Ort um, und es sind gerade die kleinsten Bewohner des abgelegenen ehemaligen Goldgräber-Städtchens, die der Seuche zum Opfer zu fallen drohen. Zwar gibt es ein Heilmittel, doch das muss über hunderte Meilen hinweg heran geschafft werden – und weil ein schlimmer Sturm aufzieht, ist kein Flugzeug zu chartern. Doch zum Glück gibt es Leonhard: Obwohl der erfahrene Mann weiß, wie groß angesichts des verheerenden Wetters das Risiko für ihn und seine Tiere ist, lässt er sich auf die gefahrvolle Fahrt ein, um die Kinder von Nome zu retten. Und sein Leithund Togo, obwohl er mit zwölf Jahren bereits in die Jahre gekommen ist, führt das Gespann an. Es wird ein Rennen nicht nur gegen die Zeit, sondern auch gegen die unwirtliche, verschneite Natur, das Mensch und Tiere bald an ihre Grenzen bringt.

Abenteuer-Spektakel und tierisch-menschlicher „Liebesfilm“

Der von Ericson Core inszenierte Film macht daraus ein bildgewaltiges, spektakuläres Abenteuer: Da gilt es schwindelerregende Bergkämme zu erklimmen, dem Sturz in eine Schlucht zu entgehen und schließlich in einem atemlos spannenden Wettlauf eine zugeeiste Wasserfläche zu überqueren, um so den Weg von der Halbinsel aufs Festland abzukürzen, wobei bedrohliche Risse in der gefrorenen Oberfläche die Fahrt zum wahren Spießrutenlauf machen.

Schön ist „Togo“ aber nicht zuletzt, weil sich Core nicht völlig dieser mitreißenden Action überlässt, sondern immer wieder auch Zeit für Szenen findet, in denen eine Reflexion zum Verhältnis von Mensch und Tier anklingt: Parallel zur Geschichte des „Serum Runs“ entfaltet sich in Rückblenden sozusagen die „Coming of Age“-Geschichte des außergewöhnlichen Leithundes und seiner anfangs alles andere als harmonischen Beziehung zu seinem Herrn: Für Leonhard, der seine Hunde zunächst ganz materialistisch als Nutztiere sieht, ist der als Welpe schwächliche, später renitent ungehorsame junge Togo nur ein unwillkommenes Ärgernis, das er lediglich seiner Frau zuliebe durchfüttert – bis er allmählich lernt, das Tier nicht nur als Gegenstand anzusehen, dem er seinen Willen aufzwingen muss, sondern es als Persönlichkeit zu respektieren und eine partnerschaftliche Allianz mit ihm einzugehen. So rundet sich „Togo“ auch zur Geschichte einer ganz besonderen Liebesbeziehung zwischen Mensch und Tier, der, nicht zuletzt dank Willem Dafoes unprätentiöser, herber Leinwandpersona, nichts Kitschiges anhaftet.

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