The (Silent) War - Der Gejagte

Action | Spanien 2019 | 127 Minuten

Regie: Alfonso Cortés-Cavanillas

Im Norden Spaniens kämpfen im Jahr 1944 Widerstandskämpfer gegen Franco. Als der Anschlag auf eine Brücke misslingt, kann der Anführer den Militärs entkommen, nach der Explosion aber nicht mehr hören. Um den Flüchtigen zu fangen, lässt der Militärchef der Region derweil eine russische Scharfschützin einfliegen. Der Film geht weniger auf den zeitgeschichtlichen Hintergrund ein, sondern reduziert das Drama auf die Einsamkeit des Helden in einer gnadenlosen Gebirgslandschaft. Dabei lebt er von der sinnlichen Vermittlung einer Atmosphäre der Angst und großartigen Aufnahmen einer archaischen Landschaft. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
SORDO
Produktionsland
Spanien
Produktionsjahr
2019
Regie
Alfonso Cortés-Cavanillas
Buch
Alfonso Cortés-Cavanillas · Juan Carlos Díaz Martín
Kamera
Adolpho Cañadas
Musik
Carlos M. Jara
Schnitt
Alfonso Cortés-Cavanillas
Darsteller
Asier Etxeandia (Anselmo Rojas) · Marian Álvarez (Rosa Ribagorda) · Hugo Silva (Vicente Roig) · Aitor Luna (Kapitän Bosch) · Imanol Arias (Sergeant Castillo)
Länge
127 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Action | Comicverfilmung | Drama

Heimkino

Verleih DVD
Koch
Verleih Blu-ray
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Im Norden Spaniens kämpfen spanische Widerstandskämpfer gegen Franco. Nach einem misslungenen Anschlag auf eine Brücke versucht ein ertaubter Partisan, den faschistischen Häschern zu entgehen.

Diskussion

Oktober 1944: Ein Spähtrupp der spanischen Armee beobachtet inmitten der menschenleeren Gebirgslandschaft zwei bewaffnete Männer, die sorglos und gut gelaunt einen Feldweg entlanglaufen. Aber erst, als sie sie festnehmen, merken die Soldaten, dass sie selbst in die Falle geraten sind: Über ihnen auf der Anhöhe stehen zahlreiche Partisanen und halten die Gewehre auf sie gerichtet. Der alte Leutnant (Imanol Arías) und seine Begleiter müssen sich in Gefangenschaft begeben. Am Lagerfeuer der Partisanen wird über Leben und Tod der Soldaten entschieden. Vicente Roigs (Hugo Silva) Warnungen zum Trotz lässt Anselmo Rojas (Asier Etxeandía) die Gefangenen laufen. 

Faschisten vs. Partisanen

Der Zweite Weltkrieg scheint auf den Sieg der Alliierten hinauszulaufen, und auch das Ende des faschistischen Franco-Regimes scheint nahe zu sein. Die Partisanen im Norden sollen Sabotageakte verüben und so den Boden für eine Invasion bereiten, die die Gegner des Regimes von Frankreich aus planen. Dazu gehören Anschläge auf Kasernen und Brücken. Als Vicente die Sprengsätze an einer Brücke anbringt, explodieren sie zu früh. Viele Partisanen sterben oder bleiben schwer verletzt zurück. Anselmo verliert bei der Explosion sein Gehör, vernimmt nur noch ein undeutliches Rauschen. Als die Franco-Truppen die Brücke erreichen, bricht der Widerstand der Überlebenden schnell zusammen. Anselmo kann fliehen, aber Vicente wird mit vielen anderen gefangengenommen und in das naheliegende Dorf gebracht, wo auch seine Frau Rosa (Marián Álvarez) und seine Tochter wohnen.

Capitán Bosch (Aitor Luna), der ehrgeizige Militärchef der Region, möchte um jeden Preis den flüchtigen Partisanenführer Anselmo in die Hände bekommen, und lässt deshalb die einäugige russische Scharfschützin Daria (Olimpia Melinte) aus Madrid kommen. Die arbeitet seit Ende des Bürgerkrieges für das Franco-Regime als Auftragskillerin. Aber auch Anselmo hat sich ein Pferd gestohlen, ist bewaffnet und findet manchmal nachts bei Vicentes Frau Rosa Unterschlupf. Die Russin entdeckt bald, wo der Maqui verwundbar ist.

Eine Adaption des gleichnamigen Comics von David Muñoz und Rayco Pulido

„Silent War“ basiert auf dem gleichnamigen spanischen Comic von David Muñoz und Rayco Pulido. Er erzählt von einer kurzen Hoffnung auf Freiheit, der vergeblichen Hoffnung, dass die siegreichen Alliierten nach Hitler und Mussolini auch den spanischen Diktator beseitigen würden. Aber Regisseur Alfonso Cortés-Cavanillas geht in seiner Verfilmung weniger auf den zeitgeschichtlichen Hintergrund ein, sondern reduziert das Drama auf die Einsamkeit des Helden in einer beeindruckenden, gnadenlosen Gebirgslandschaft.

Dabei wird die Einsamkeit Anselmos durch seine Taubheit ins Unermessliche gesteigert. Er kann gefährliche Situationen nur schwer einschätzen und reagiert falsch, weil er die beruhigenden Zurufe oder die Hilfsangebote der Anderen nicht hören kann. Ebenso vereinsamt ist die Scharfschützin Daria, die durch ihre Stalingrad-Erlebnisse vollkommen verbittert ist.

Wem die Stunde schlägt

Das Thema der körperlichen Einschränkung durchzieht den Film von Anfang bis zum Ende wie eine griechische Tragödie: Anselmos Taubheit, Darias fehlendes Auge und beim letzten Showdown Vicentes Blindheit. „Silent War“ ist kein Kostümfilm über den Widerstand gegen Franco, die Ausstattung ist fast zeitlos, zeigt keine Symbole des Regimes, kein Joch und Pfeilbündel und schon gar kein Hakenkreuz. Die Bildgestaltung nähert sich vielmehr dem klassischen Western, mit seinen Landschaftspanoramen, Verfolgungsjagden zu Pferd, vielen Schüssen, von denen nur wenige treffen. „Der Krieg ist vorbei, was machen wir hier noch, Sargento?“, fragt Capitán Bosch und gibt sich selbst die Antwort: „Wir jagen Indianer!“  

Dabei hat der Film auch viel von „Wem die Stunde schlägt“ (1943), Sam Woods Klassiker über den Spanischen Bürgerkrieg, mit Gary Cooper und Ingrid Bergman in der Hauptrolle. Und er steht in der Tradition der popkulturellen Mythen um die spanischen Banditen des 19. Jahrhunderts, die „Bandoleros“, in der Literatur, im Comic und im Kino, etwa in Carlos Sauras Räuberdrama „Klage um einen Banditen“ (1964). Er lebt von der sinnlichen Vermittlung einer Atmosphäre der Angst, der Unterdrückung und des Hungers und großartigen Aufnahmen einer Landschaft, die bleibt, auch wenn die Guten wie die Bösen längst ihrem Schicksal erlegen sind.

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