The Rhythm Section - Zeit der Rache

Action | Großbritannien/USA/Spain 2020 | 109 Minuten

Regie: Reed Morano

Eine Studentin sinnt nach einer persönlichen Tragödie auf Rache. Sie lässt sich von einem Geheimagenten zur Killerin ausbilden und übt an verschiedenen Verbrechern ihre Fähigkeiten, bevor sie ihr eigentliches Ziel anvisiert. Ein Actionthriller, der statt einer cool-professionellen Hauptfigur einer Elevin beim Erlernen des blutigen Handwerks folgt. Abgesehen von der nicht ganz überzeugenden Plot-Idee durchaus routinierte Genre-Unterhaltung. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
THE RHYTHM SECTION
Produktionsland
Großbritannien/USA/Spain
Produktionsjahr
2020
Regie
Reed Morano
Buch
Mark Burnell
Kamera
Sean Bobbitt
Musik
Steve Mazzaro
Schnitt
Joan Sobel
Darsteller
Blake Lively (Stephanie Patrick) · Jude Law (MI6-Agent Iain Boyd) · Max Casella · Richard Brake (Lehmans) · Elly Curtis (Sarah Patrick)
Länge
109 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Action | Drama | Mystery-Film | Spionagefilm

Heimkino

Verleih DVD
Leonine
Verleih Blu-ray
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Actionthriller um eine Studentin, die sich zur Berufskillerin ausbilden lässt, um den Mord an ihren Eltern zu rächen.

Diskussion

„The Rhythm Section“ ist ein seltsamer Name für einen Actionthriller, dem die Deutschen dann wieder etwas Durchsichtigeres „Zeit der Rache“ hinterhersetzen müssen. Während des Films erfährt man, dass „The Rhythm Section“ als Titel durchaus einen Bezug hat: Der Ex-MI6-Mann Boyd, dargestellt von Jude Law, beschreibt mit diesen Worten das Zusammenspiel von Herzschlag und Atem wie Schlagzeug und Bass – nur wenn ein gemeinsamer Rhythmus erreicht wird, kann der Körper präzise, zielgerichtete Bewegungen ausführen. Blick und Muskeln ordnen sich dem kontrollierten Tempo unter. Das nutzen manche für Golf. Andere, um Menschen zu erschießen.

Boyds musikalische Erklärung gilt einer jungen Frau, die genau das von ihm lernen will: wie man Menschen tötet. Die Oxford-Studentin Stephanie möchte Killerin werden, um – „Zeit der Rache“! – ihre Familie zu rächen, die kürzlich bei einem Terroranschlag ums Leben kam. Bisher hat Stephanie den Schmerz mit Drogen und Prostitution gedämpft; ihre Selbstzerstörung vereinnahmt die ersten 30 Minuten des Films. Das ist dekorativ, weil Stephanie von Blake Lively gespielt wird, aber es ist auch ein so dramatisch ausgestelltes Klischee, dass man aufatmet, als Boyd es endlich beendet. Er zeigt ihr Wut als Variante, auf den Schmerz zu reagieren, und er trainiert sie sieben Monate lang, damit sie ihrem Selbstmitleid ein neues Ventil geben kann.

Morden ist schwerer, als es aussieht

Boyd lehrt sie schießen und tödlich treffen, sie bekommt ein paar Lektionen über Technik und Etikette. Was ihre physischen oder psychischen Fähigkeiten anbelangt, ist sie mit sieben Monaten im schottischen Kämpfer-Camp nicht ausreichend bedient. Das denkt man sich beim Zuschauen, und das beweist sie mit ihren ersten Aufträgen, bei denen mal Glück, mal Boyd dafür sorgen, dass sie nicht im Desaster enden. Wut hilft, Training hilft, aber wenn Stephanie mit dem Messer an die Kehle eines schreienden Mannes will – mieser Verbrecher oder nicht –, braucht sie etwas anderes. Sie braucht Erfahrung. Und das ist das eigentliche Thema des Films: Er zeigt die Lehrzeit einer Killerin. An Stephanie bekommt man das amateurhafte Ungeschick junger Auftragsmörder vor Augen geführt, das erst weicht, wenn sie ein paar Menschen ins Jenseits befördert hat.

Deshalb hat der Name „James Bond“, der im Zusammenhang mit diesem Film gern genannt wird, weil die beiden Produzenten seit Mitte der 1990er Jahre das Produktionsteam hinter den „007“-Filmen sind, hier nichts verloren. James Bond ist das Ende einer Karriere, Stephanie der Anfang. Das macht Stephanie zur interessanteren Person, obwohl man bei ihrer durchgehend tragischen Miene die Nonchalance vermisst, die Bond oder auch nur der Professionalismus mit sich bringt.

Andererseits gereichen ihr die Schwäche, die Pannen und die Panik auch nicht notgedrungen zum Vorteil, da man es gewohnt ist, in Actionthriller Profis am Werker zusehen. Aber genau damit will der Film aus dem Genre-Klischee ausbrechen, und das sollte man ihm anrechnen.

Schauwerte des an „007“ geschulten Actionkinos

Trotzdem liefern die Produzenten, was der 007-geschulte Actionfilm gegenwärtig zeigen muss: Sprunghaft werden große Städte auf verschiedenen Kontinenten besucht um Exotik auf die Leinwand zu bringen; ein Zielobjekt nach dem anderen wird der Killerin angeboten, als wäre die Welt voll Gangsterbosse, die auf den Tod durch eine Dilettantin warten; Informationen erreichen Geheimagenten, ohne dass man ihren Ursprung, Weg oder Sinn erkennt. Das bedeutet, dass die Geschichte häufig so prätentiös ist, wie es solche Geschichten fast immer sind. Selbst der menschliche Faktor verliert sich am Ende: Stephanie, sicher nicht auf dem Weg zurück zur Uni, geht durch die letzten Bilder wie ein Boxer, wiegenden Schrittes, mit rollenden Schultern. Sie hat ihre Lehrzeit hinter sich gebracht.

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