Drama | USA 2020 | 114 Minuten

Regie: Nisha Ganatra

Die junge Assistentin einer R&B-Diva in den Vierzigern strebt nach beruflicher Erfüllung als Musikproduzentin. Doch ihre trüben Zukunftsaussichten hellen sich erst auf, als sie über einen talentierten Musiker im Supermarkt stolpert. Sie gibt sich als Produzentin aus und führt fortan ein Doppelleben. Ein märchenhafter Film über Selbstbestimmung und Kreativität im Musikgeschäft, in dem kritische Töne aber in einer vorhersehbaren Harmonie-Stimmung maskiert werden, damit dem jungen Zielpublikum der Genuss von Musik und Schauspiel nicht abhandenkommt. - Ab 12.

Filmdaten

Originaltitel
THE HIGH NOTE
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2020
Regie
Nisha Ganatra
Buch
Flora Greeson
Kamera
Jason McCormick
Musik
Amie Doherty
Schnitt
Wendy Greene Bricmont
Darsteller
Dakota Johnson (Maggie Sherwoode) · Tracee Ellis Ross (Grace Davis) · Kelvin Harrison Jr. (David) · Ice Cube (Jack Robertson) · Eddie Izzard (Dan Deakins)
Länge
114 Minuten
Kinostart
26.06.2020
Fsk
ab 0; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 12.
Genre
Drama | Liebesfilm | Musikfilm

Heimkino

Verleih DVD
Universal
Verleih Blu-ray
Universal
DVD kaufen

Die persönliche Assistentin einer kapriziösen R&B-Sängerin träumt von einer Karriere als Musikproduzentin, die sie aber nur um den Preis eines Doppellebens vorantreiben kann.

Diskussion

Eigentlich hat die Sängerin Grace Davis (Tracee Ellis Ross) alles erreicht. Ihre Shows füllten die großen Stadien von Los Angeles bis New York, ihre R&B-Hymnen dominierten die Charts, Plakate mit ihrem Konterfei prangten am Sunset Boulevard. Aber jenseits der Vierzig droht man im Musikgeschäft aus dem Fokus der Mächtigen zu geraten, die beim Label den Ton angeben. Vielleicht also nach dem „Best of“- und dem „Live“-Album noch ein „Best of - Live“-Album? Oder eine Show in Las Vegas, für ein, zwei oder drei Jahre, bis zur wohlverdienten Abgeschiedenheit in den Hügeln von Beverly Hills? Doch noch brennt es in der Musikerin. Sie ist eine Diva, zickig, impertinent, egozentrisch – und exzellent. Sie könnte es allen immer noch zeigen.

Doch auch wenn die Künstlerin auf der Suche nach einer Zukunft die interessanteste Figur in „The High Note“ von Nisha Ganatra ist, muss sie Platz für eine Geschichte machen, die näher beim vermeintlich jungen Publikum ist. Das will sich anscheinend nicht an Figuren mittleren Alters reiben, sondern mit jungen Menschen träumen, die ihren Weg nach oben gehen.

Die Drehbuchautorin Flora Greeson könnte eine solche Figur sein. Vor ihrer Karriere im Filmgeschäft hat sie als Assistentin bei Universal Music in New York gearbeitet und war dann in Los Angeles in einer Agentur für die „Stars“ zuständig. Sie weiß einiges aus dem „Business“ zu berichten, was in den Figuren von Grace Davis und ihren Managern nachhallt.

Die Assistentin der Diva steht im Mittelpunkt

Doch die Geschichte, die Greeson in „The High Note“ erzählen will, ist eine andere. Sie kreist um Maggie Sherwoode (Dakota Johnson), die in Hollywoodfilmen aus den 1950er-Jahren die Privatsekretärin des Chefs gewesen wäre. Denn sie weiß schon Stunden vorher, was ihre Chefin demnächst trinken möchte und nimmt es dennoch gelassen, wenn die nach dem ersten Schluck angewidert eine Bemerkung fallen lässt. Als persönliche Assistentin ist Maggie immer da, wenn die Diva reden will, und sei es auch nur, um (nach Feierabend) stundenlang den Kostümfundus durchzugehen. Dabei brennt Maggie eigentlich für die Musik von Grace Davis. Sie würde nichts lieber tun, als deren alte (und neue) Songs so zu produzieren, dass der Funken auch noch in der Gegenwart überspringt.

„The High Note“ ist eine dieser „Vom Tellerwäscher zum Millionär“-Geschichten, in der das Geschirr eigentlich nie schmutzig ist. Angeblich soll es um essenzielle Dinge wie Gender, #BlackLivesMatter und das Showbiz als Wegwerfgesellschaft gehen. In Wirklichkeit aber begegnet Maggie einem netten Typen im Supermarkt, der nicht nur attraktiv, sondern auch noch talentiert ist, weshalb sie zusammen ein paar Songs einspielen – und jeder ahnt: das wird ein allumfassendes gutes Ende nehmen. Und so schuftet Maggie bei Grace und führt nach Dienstschluss ein Leben als Produzentin und Liebhaberin mit der Supermarkt-Bekanntschaft, die von ihren anderen Aktivitäten nichts ahnt.

Es kommt auf die Überraschungen an

In einer dieser herzlich-ruhigen Szenen zu Beginn von „The High Note“ erzählt Maggie ihre Chefin einmal, warum sie die Sängerin seit Ewigkeiten bewundert. In einer Show von Oprah Winfrey hatte Grace einst erzählt, dass man im Leben immer nach Überraschungen Ausschau halten müsse, damit es lebenswert sei. Doch genau solche Überraschungen bleiben in „The High Note“ weitgehend aus. Alles geht gefällig und durch eingängige R&B-Songs flankiert seinen Weg. Bis zum Finale, das dann mit einem Paukenschlag alles durcheinanderwirbelt. Schließlich muss das Doppelleben von Maggie Sherwoode ja in ein allumfassendes „Und wenn Sie nicht gestorben sind…“ umgewandelt werden.

Kommentar verfassen

Kommentieren